Viele von uns haben nicht nur ein einziges Bankkonto – Girokonto hier, Sparkonto da, vielleicht noch eine Kreditkarte oder ein Firmenkonto. Der Überblick geht da schnell verloren. Genau hier setzt Multibanking an: Statt sich bei jeder Bank einzeln einzuloggen, lassen sich alle Konten zentral über eine Plattform oder App verwalten.
Was in der EU dank der PSD2-Richtlinie schon weit verbreitet ist, nimmt jetzt auch in der Schweiz Fahrt auf. Immer mehr Banken öffnen ihre Systeme für Multibanking und machen den Finanzalltag einfacher und transparenter – für Privatpersonen ebenso wie für Unternehmen.
Wir schauen uns an, was Multibanking genau bedeutet, welche Vorteile und Risiken es hat, wie die rechtlichen Rahmenbedingungen aussehen und welche Anbieter in der Schweiz bereits Lösungen im Angebot haben. Am Ende findest du ausserdem einen FAQ-Teil, der die wichtigsten Fragen kompakt beantwortet.
Was bedeutet Multibanking?
Multibanking bezeichnet die Möglichkeit, Bankkonten bei verschiedenen Banken zentral über eine einzige Plattform zu verwalten. Statt sich bei jedem Institut separat einzuloggen, haben Nutzer alle Kontostände, Transaktionen und Zahlungsfunktionen gebündelt im Blick – entweder in einer App oder im E-Banking einer Bank, die Multibanking anbietet.
Abgrenzung zum klassischen Online-Banking
Beim normalen Online-Banking greift man immer nur auf das Konto bei der jeweiligen Bank zu. Wer mehrere Bankverbindungen hat, muss sich also auch mehrfach anmelden und die Finanzen manuell zusammensetzen.
Multibanking geht hier einen Schritt weiter: Es verbindet unterschiedliche Konten in einem digitalen „Cockpit“ und ermöglicht so einen ganzheitlichen Überblick – unabhängig davon, bei welcher Bank die Konten geführt werden.
👉 Kurz gesagt: Multibanking macht Schluss mit dem Jonglieren zwischen Logins und schafft einen zentralen Zugang zu allen Finanzen.
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Vorteile von Multibanking
- Der grösste Vorteil von Multibanking liegt in der Übersichtlichkeit: Alle Kontostände und Transaktionen werden in einer Oberfläche zusammengeführt. So lassen sich finanzielle Entscheidungen einfacher treffen, weil jederzeit klar ist, wie es insgesamt um die Finanzen steht.
- Zeitersparnis: Das ständige Wechseln zwischen Bankportalen entfällt. Zahlungen können teilweise direkt aus der Multibanking-Plattform heraus ausgelöst werden – unabhängig davon, bei welcher Bank das Konto geführt wird.
- Finanzplanung: Viele Multibanking-Lösungen bieten Zusatzfunktionen wie automatische Kategorisierung von Ausgaben, Budgetplanung oder sogar Sparziele. Damit wird nicht nur der Überblick verbessert, sondern auch die aktive Steuerung der eigenen Finanzen erleichtert.
- Einfache Integration für Unternehmen: Gerade für KMU oder Selbstständige ist Multibanking praktisch. Statt mehrere Systeme parallel zu pflegen, lassen sich alle Geschäftskonten zentral steuern. Das erleichtert Buchhaltung, Liquiditätsplanung und Cash-Management.
Nachteile und Risiken von Multibanking
Auch wenn Multibanking viele Vorteile bietet, sollten Nutzer die Risiken und Grenzen kennen, bevor sie alle Konten in einer App oder Plattform zusammenführen.
- Sicherheit und Datenschutz: Multibanking erfordert, dass die Plattform oder App auf Kontoinformationen und teilweise Zahlungsfunktionen zugreifen kann. Das bedeutet, dass sensible Daten einem Drittanbieter anvertraut werden. Deshalb ist es entscheidend, nur seriöse Anbieter zu wählen, die starke Verschlüsselung, Zwei-Faktor-Authentifizierung und transparente Datenschutzrichtlinien bieten.
- Abhängigkeit von Schnittstellen: Nicht jede Bank stellt alle Daten oder Funktionen für Multibanking bereit. Die Nutzung hängt von offenen Schnittstellen (APIs) der Banken ab. Fällt die Schnittstelle aus oder wird sie geändert, kann das zu temporären Einschränkungen führen.
- Unterschiedlicher Funktionsumfang: Je nach Bank oder App können nicht alle Kontotypen unterstützt werden. Manche Multibanking-Apps können z. B. Kreditkarten, Depots oder PayPal-Konten nicht bzw. nur eingeschränkt einbinden.
- Rechtliche Unterschiede: In der EU sorgt die PSD2-Richtlinie dafür, dass Drittanbieter rechtlich auf Kontodaten zugreifen dürfen (wenn der Kunde zustimmt). In der Schweiz ist die Nutzung freiwillig – nicht jede Bank unterstützt Multibanking, und der Funktionsumfang kann stark variieren.
Rechtlicher Rahmen: Die PSD2 und die Schweiz
Die gesetzlichen Vorgaben unterscheiden sich deutlich zwischen der EU und der Schweiz – und das wirkt sich direkt auf die Nutzung von Multibanking aus.
Die Payment Services Directive 2 (PSD2) ist eine EU-Richtlinie, die seit 2018 gilt. Sie verpflichtet Banken dazu, Drittanbietern den Zugriff auf Kontoinformationen und teilweise auch Zahlungsfunktionen zu ermöglichen – wenn die Kunden dem ausdrücklich zustimmen.
- Vorteil: Nutzer können mit einer einzigen App Konten bei verschiedenen Banken verwalten.
- Sicherheit: Starke Kundenauthentifizierung (z. B. Zwei-Faktor-Login) ist verpflichtend.
- Ergebnis: Multibanking ist in der EU rechtlich abgesichert und technisch gut umsetzbar.
In der Schweiz hingegen gibt es keine gesetzliche Pflicht wie PSD2. Banken sind also nicht verpflichtet, Multibanking-Schnittstellen zu öffnen.
Einige Banken und Fintechs bieten das aber freiwillig an. Technische Standards entstehen über Open-Finance-Initiativen. Der Funktionsumfang hängt stark von der Bank ab – nicht alle Konten oder Zahlungsfunktionen lassen sich integrieren.
Fazit:
- EU: Multibanking wird durch PSD2 unterstützt, der Zugang für Drittanbieter ist gesetzlich geregelt.
- Schweiz: Alles freiwillig, aber die Entwicklung läuft – insbesondere über Open-Finance-Plattformen und Kooperationen zwischen Banken und Fintechs.
👉 Wer Multibanking in der Schweiz nutzen möchte, sollte daher prüfen, ob die eigene Bank die nötigen Schnittstellen anbietet und welche Plattformen kompatibel sind.
Wer 2025 Multibanking in der Schweiz anbietet
Multibanking ist in der Schweiz noch nicht so weit verbreitet wie in der EU, gewinnt aber zunehmend an Bedeutung. Sowohl Banken als auch Fintechs bieten mittlerweile Lösungen an, um Konten verschiedener Institute zentral zu verwalten.
Anbieter / Bank | Zielgruppe | Status & Funktionen von Multibanking |
---|---|---|
PostFinance | Privatkunden | ab H2 2025; Konten verschiedener Banken in App und E-Finance anzeigen, Zahlungen auslösen |
Luzerner Kantonalbank (LUKB) | Privatkunden | ab 2025; Übersicht aller Konten, Ausgabenanalyse, Budgetplanung, Sparziele |
UBS | Firmenkunden | für KMU; Anzeige von Fremdbank-Konten, Zahlungsaufträge aus E-Banking heraus |
Credit Suisse (CS) | Firmenkunden | „Credit Suisse Direct“; Übersicht über Fremdbankkonten, Zahlungsmanagement |
Zürcher Kantonalbank (ZKB) | Firmenkunden | EBICS-basierte Funktionen; primär für Unternehmen mit mehreren Konten |
Numbrs | Privatkunden | App-basiertes Multibanking; Konten verschiedener Banken zusammenführen |
Yapeal / Neon | Privatkunden | Digitale Konten mit Multibanking-Möglichkeiten; Fokus auf mobiles Banking |
Contovista / Finnova | Banken & Fintechs | Plattformen für Multibanking; Integration über bLink für verschiedene Banken möglich |
Fazit:
In der Schweiz hängt es also stark davon ab, welche Bank oder welches Fintech genutzt wird.
- Privatkunden können besonders auf PostFinance, LUKB, Neon oder Numbrs setzen.
- Unternehmen profitieren von erweiterten Lösungen bei UBS, CS und ZKB.
- Fintechs treiben Innovationen voran und ermöglichen neue Wege der Kontoverwaltung, oft digital und app-basiert.
FAQ – Häufige Fragen zu Multibanking
Ist Multibanking sicher?
Ja, Multibanking ist sicher – wenn du seriöse Anbieter nutzt. Alle etablierten Plattformen und Banken verwenden starke Verschlüsselung, Zwei-Faktor-Authentifizierung und moderne Sicherheitsstandards. Dennoch solltest du niemals Zugangsdaten an unsichere Apps weitergeben und darauf achten, dass die Plattform den Datenschutz ernst nimmt.
Kann mein Multibanking-Account gehackt werden?
Wie bei allen digitalen Finanzlösungen besteht ein Restrisiko, aber das Risiko ist überschaubar, wenn du auf seriöse Anbieter, aktuelle Software und Sicherheitsfeatures wie Zwei-Faktor-Authentifizierung setzt.
Seriöse Banken und Fintechs überwachen ihre Systeme kontinuierlich auf Angriffe und Schwachstellen. Ein zusätzliches Plus: Bei einer starken Sicherheitsarchitektur haben Hacker in der Regel keinen direkten Zugriff auf die Konten, sondern müssten gleichzeitig mehrere “Schutzschichten” überwinden.
Welche Multibanking-Apps gibt es in der Schweiz?
Einige bekannte Beispiele sind:
- Numbrs – App-basiert, für Privatkunden.
- Yapeal & Neon – digitale Konten, teilweise Multibanking-Funktion integriert.
- Finanzguru – App für Finanzübersicht und Budgetplanung, teilweise auch Multibanking.
- Zusätzlich bieten Banken wie PostFinance oder LUKB künftig eigene Lösungen direkt im E-Banking an.
Ich bin bei mehreren Banken, aber nur eine bietet Multibanking an. Funktioniert das und was muss ich tun?
Ja, das funktioniert, solange die Bank, die Multibanking anbietet, Schnittstellen zu deinen anderen Banken bereitstellt.
- Prüfe, ob die App oder das E-Banking deiner Bank Fremdbankkonten einbinden kann.
- Du musst in der Regel jedes Fremdbankkonto einmalig autorisieren, damit die Daten abgerufen werden dürfen.
- Danach erscheinen alle Konten zentral, und du kannst Zahlungen und Übersicht nutzen.
Kann man einmal eingerichtetes Multibanking auch wieder „löschen“?
Ja, jederzeit:
- Du kannst die Verknüpfungen zu einzelnen Konten oder allen Konten wieder entfernen.
- Bei Drittanbieter-Apps solltest du auch sicherstellen, dass die gespeicherten Daten gelöscht werden.
- Die ursprünglichen Konten bleiben unverändert; es wird nur der zentrale Zugriff aufgehoben.
Fazit
Multibanking erleichtert den Überblick über mehrere Konten erheblich und spart im Alltag Zeit. Ob Privatperson oder Unternehmen – die zentralisierte Ansicht von Kontoständen, Umsätzen und Zahlungsfunktionen sorgt für mehr Transparenz und eine bessere Finanzplanung.
In der Schweiz entwickeln Banken und Fintechs die Angebote zunehmend weiter: Von PostFinance und LUKB für Privatkunden bis hin zu UBS, CS und ZKB für Firmenkunden – die Möglichkeiten wachsen stetig. Gleichzeitig ist es wichtig, auf seriöse Anbieter, aktuelle Sicherheitsstandards und Datenschutz zu achten, um den vollen Nutzen zu geniessen, ohne unnötige Risiken einzugehen.
Mit der richtigen Lösung behältst du also jederzeit den Überblick, kannst Zahlungen effizient erledigen und deine Finanzen clever steuern – alles über einen zentralen Zugang, ohne dass du ständig zwischen verschiedenen Portalen wechseln musst.