Zum Inhalt springen

Google bekennt: Datenleck in der G Suite-Version Business

Geschrieben von
Roger Klein
Daten Security - Sicherheit

Es gibt eine Reihe von Apps, die Google fĂŒr Privatanwender kostenlos und fĂŒr Unternehmen nach einiger Zeit als Abonnement mit flexiblen Bezahlmodellen herausgab. Daraus entstand G Suite – eine Kollektion von Software-Tools und Google-Apps. In dieser Business-Version hat sich Google mit einem Datenleck in die Schlagzeilen gebracht. Was ist passiert?

Passwort und Privacy bei Facebook und Google

Die Meldung ĂŒber Millionen von Facebook-Passwörtern, die gespeichert und sogar fĂŒr Mitarbeitende des Unternehmens sichtbar waren – und das ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum –, ging durch alle Medien. Der Vorfall bestĂ€tigte den Argwohn, den viele gegenĂŒber Facebook hegen: Die Plattform gehe mit der Privacy ihrer Nutzer:innen zu sorglos um; Datenschutz werde zu leichtfertig behandelt. Nun trat ein anderer Softwareriese mit einer Ă€hnlich brisanten Meldung an die Öffentlichkeit. Google informierte in einem Unternehmensblog ĂŒber eine Datenpanne, die bereits einige Jahre zurĂŒckliegt – und in etwas weniger gravierender Form jĂŒngst ein zweites Mal auftrat. Mutmasslich verschaffte das jĂŒngere Ereignis der Ă€lteren Panne erst jetzt die nötige Aufmerksamkeit.

Google im BemĂŒhen um Transparenz

ZunĂ€chst ist anzuerkennen, dass Google die SicherheitslĂŒcke selbst öffentlich gemacht hat. Die Meldung zeigt aber auch, dass Sicherheit in sozialen Netzwerken und bei Softwareunternehmen noch immer keinen ersten Platz belegt. In einem Blog-Eintrag vom Mai dieses Jahres erklĂ€rt Google seine VerschlĂŒsselungssystematik – im Kern ein klassisches Kryptografie-Prinzip: Durch das Hashen wird das Nutzer-Passwort maskiert. Aus der Kombination von User-Account und dem zugehörigen Hash entsteht automatisch die richtige Zeichenfolge, sobald das korrekte Klartext-Kennwort eingegeben wird. Die StĂ€rke dieser Methode: Sie funktioniert nur in eine Richtung. Aus dem Hash lĂ€sst sich das Klartext-Passwort nicht zurĂŒckgewinnen. Auch Google-Mitarbeitende können Passwörter weder einsehen noch wiederherstellen.

Besondere Features in der Unternehmensversion G Suite

Was auf der einen Seite ein Vorteil war, erwies sich auf der anderen als Schwachstelle: In der Unternehmensversion G Suite brauchten Administrierende die Möglichkeit, Passwörter zu vergeben und zurĂŒckzusetzen. Google rĂ€umte das ein – als bewusste Funktion, weil sie beim Onboarding neuer Mitarbeitender den Übergang auf einen bestehenden Account erleichterte und beschleunigte. Das Tool dafĂŒr sass in der Admin Console.

Ein Fehler der Vergangenheit mit Folgen in die Gegenwart

Das Tool in der Admin Console existiert lĂ€ngst nicht mehr. Trotzdem holt Google jetzt ein Implementierungsfehler ein, der viele Jahre zurĂŒckliegt: Seit 2005 wurden in der Admin Console versehentlich Kopien von Klartext-Passwörtern abgespeichert. Das geschah zwar in einer geschĂŒtzten Infrastruktur, die Zugriff von aussen verhindert – aber ein bestimmter Kreis von Mitarbeitenden konnte die Passwörter im Klartext einsehen. Google versichert, es habe keine Hinweise auf Missbrauch gefunden. Ähnliches ereignete sich im Januar 2019: Auch damals waren Passwörter in geringen Mengen in einer geschĂŒtzten Infrastruktur im Klartext gespeichert – diesmal nur fĂŒr 14 Tage. Auch diesen Fehler hat Google behoben und ist mit den Administrator:innen der betroffenen Kunden in Kontakt, um den Passwortschutz zu verbessern.

Google bedauert die Fehler

Google ist sich der Brisanz dieser VorgĂ€nge bewusst. Das Unternehmen will sich sichtbar von Facebook abgrenzen – denn dass das Image einer Datenkrake langfristig dem GeschĂ€ft schadet, hat sich gezeigt. Zudem drohen weitere rechtliche Regulierungen, wie sie Facebook nach den Anhörungen von Mark Zuckerberg vor amerikanischen und europĂ€ischen Parlamenten bereits bekam. Google erklĂ€rt daher:

»Here we did not live up to our own standards, nor those of our customers. We apologize to our users and will do better.«

Das entspreche weder den eigenen Standards noch denen der Kunden – man entschuldige sich und wolle es besser machen.

Sicherheitsvorkehrungen nicht auf die leichte Schulter nehmen

Ob man Google die zerknirschte ErklĂ€rung abnimmt oder nicht – fĂŒr dich als Nutzer:in bleiben Fragen offen. Allen voran: Warum fiel das erste Leck nicht frĂŒher auf, sondern erst, als 2019 eine zweite LĂŒcke entstand? Schaut man sich die Nachbesserungen von Google im Login-Bereich der letzten Jahre an, gibt es durchaus Optionen. Die Administrator:innen von G-Suite-Accounts wurden zur PasswortĂ€nderung aufgefordert; Accounts, deren Passwörter nicht durch einen Hash geschĂŒtzt waren, wurden zurĂŒckgesetzt. Entscheidend bleibt aber dein eigenes Bewusstsein fĂŒr die GefĂ€hrdung persönlicher Daten. Informiere dich ĂŒber die verfĂŒgbaren Sicherheitsmassnahmen – und nutz sie, um das Risiko eines unberechtigten Zugriffs durch Dritte zu senken.

Welche Chancen bieten Datenlecks?

Jeder Vorfall ist Ă€rgerlich – besonders wenn wie bei Facebook Millionen von Nutzer:innen betroffen sind. Aber jede Krise bringt auch eine Chance. Die Sicherheitsmassnahmen, die Google und andere Anbieter inzwischen umgesetzt haben, erhöhen den Schutz im Login-Bereich spĂŒrbar. Studien der New York University und der University of California, San Diego, zeigen: Allein das Hinterlegen einer Telefonnummer blockiert automatisierte Bots zu 100 Prozent, Phishing-Attacken zu 99 Prozent und gezielte Angriffe zu 66 Prozent – im jeweiligen Untersuchungszeitraum. Auf der anderen Seite gibt Google zu: Mehr Sicherheits-Layer können die Nutzung erschweren. Nicht alle loggen sich immer vom selben GerĂ€t ein, nicht alle erinnern sich unterwegs an ihre zweite E-Mail-Adresse. Mehrere Sicherheitschecks verlangsamen den Zugang. Trotzdem lohnt sich die Frage, welche Daten du tatsĂ€chlich preisgibst. Das Internet ist weder ein rechtsfreier noch ein vollstĂ€ndig geschĂŒtzter Raum – und die PrivatsphĂ€re ist selbst bei einem Unternehmen wie Google noch immer nicht so abgesichert, wie es wĂŒnschenswert wĂ€re. Vorsicht bei der Datenweitergabe bleibt angebracht.

Themen: Google

Hat dich der Artikel ins GrĂŒbeln gebracht?

Wir besprechen sowas gerne im ErstgesprĂ€ch — unverbindlich, persönlich, in der Regel innerhalb eines Werktags.

Direkt zum Kontakt
Noch was Grösseres?

rundum.dog — unsere Hunde-Wissensplattform.

Unser Eigenprojekt und Live-Beweis: eigenes KI-Plugin auf Anthropic-API-Basis, 17 Custom Post Types, ein Betrieb, den wir tÀglich am Laufen halten.

rundum.dog ansehen ↗
Über die Person

Roger Klein

GeschĂ€ftsfĂŒhrer dataloft GmbH. WordPress seit Version 3, Frauenfeld. Verantwortet bei dataloft Strategie, Architektur und KI-Integration. Baut mit Mattes und Elena rundum.dog, die grösste deutschsprachige Hunde-Wissensplattform.

Mehr ĂŒber uns →

Schreib uns oder ruf an.
Meist antwortet ein Mensch innerhalb eines Werktags.

Roger Klein
GeschĂ€ftsfĂŒhrer
E-Mail
info@dataloft.ch
Telefon
+41 52 511 05 05
Adresse
dataloft GmbH · Rietweg 1 · 8506 Lanzenneunforn TG