WordPress 7.1 «Mary Lou» ist in der Nacht auf Mittwoch erschienen. Wenige Stunden vorher hatten wir bereits einen Notfallpatch fĂŒr JetEngine auf allen betreuten Installationen eingespielt. Zwei Updates an einem Abend, mit gegenteiliger Dringlichkeit: Der JetEngine-Patch musste sofort raus. Beim Sprung auf 7.1 raten wir zu ein paar Tagen Geduld.
Zuerst das Dringende: der JetEngine-Patch
Crocoblock hat am Dienstagabend JetEngine 3.8.14.2 ausgeliefert. Wir haben die Version noch am selben Abend auf allen Kundeninstallationen mit einem Wartungsvertrag aktualisiert.
JetEngine steht seit Monaten unter Beschuss. Die Datenbank von Patchstack listet allein fĂŒr die letzten Wochen drei EintrĂ€ge: eine Server-Side Request Forgery in Versionen bis 3.8.11 (22. Juli), Stored Cross-Site-Scripting unterhalb 3.8.12 (2. August) und eine weitere XSS-LĂŒcke bis 3.8.13.1 (3. August). Davor stand im April CVE-2026-42774, eine SQL-Injection bis Version 3.8.8.1 mit einem CVSS-Wert von 9.3.
Das Advisory zum aktuellen Patch ist noch nicht öffentlich. Das ist der Normalfall: Patchstack und die Meldenden lassen den Betreibern eine Karenzfrist, bevor die Details erscheinen. Ein Grund zu warten ist es nicht â im Gegenteil.
Betreust du JetEngine selbst, prĂŒf die Version unter «Plugins â Installierte Plugins». Alles unterhalb von 3.8.14.2 ist zu alt.
Was WordPress 7.1 bringt
Das Release trĂ€gt den Namen der Jazzpianistin Mary Lou Williams und erschien am 19. August, am letzten Tag des WordCamp US. Laut AnkĂŒndigung stecken ĂŒber 1500 Verbesserungen und Fehlerbehebungen von mehr als 800 Mitwirkenden darin. Die Neuerungen, die im Alltag am ehesten auffallen:
- Responsive Gestaltung im Site-Editor. Breakpoints fĂŒr Mobile und Tablet lassen sich in der
theme.jsonanpassen, Layouts direkt in verschiedenen Viewport-Breiten kontrollieren. FĂŒr vieles, was bisher Custom-CSS brauchte, gibt es jetzt einen Regler. - ZustĂ€nde fĂŒr Hover, Focus und Active als eigene Steuerung â ebenfalls ohne Umweg ĂŒber CSS.
- Neuer Medien-Editor. Zuschneiden auf freies Mass oder festes SeitenverhĂ€ltnis, Drehen, Spiegeln, Metadaten bearbeiten â alles in einem Dialog.
- Bildverarbeitung im Browser. Komprimieren und Skalieren laufen per WebAssembly auf dem GerÀt statt auf dem Server, inklusive AVIF, HEIC und HDR-Gain-Maps. Das entlastet vor allem geteilte Hosting-Umgebungen beim Upload grosser Bildmengen.
- Zwei neue Blöcke: Tabs fĂŒr gegliederte Inhalte und Playlist fĂŒr Audio, auf Wunsch mit Wellenform.
- Notizen mit Rich Text, @ErwĂ€hnungen und Platzierung im Text â gedacht fĂŒr Redaktionen, die im Editor abstimmen statt per Mail.
- FĂŒr Entwicklung: die SVG-Icon-API ist öffentlich, die Abilities-API erhielt filterbare AusfĂŒhrung und eigene Validierung, dazu kommt ein Design-System mit semantischen Tokens fĂŒr Admin-OberflĂ€chen.
Abgesagt wurde dagegen die fĂŒr 7.1 geplante Ausmusterung des Classic-Blocks â am 7. Juli, gut sechs Wochen vor dem Release. Wer noch klassische Inhalte pflegt, hat weiter Zeit.
Und jetzt die Probleme
WP Rocket verursacht einen fatalen Fehler
Das ist der Punkt, der wehtut. Auf jeder von uns betreuten Website, auf der WordPress 7.1 und WP Rocket zusammentrafen, endete das Update mit einem kritischen Fehler â ausnahmslos. Besucher sehen statt der Website nur noch die weisse Seite mit der Meldung «Es gab einen kritischen Fehler auf deiner Website».
Der Blick auf die VersionsstĂ€nde erklĂ€rt, warum. Die aktuellste Ausgabe ist laut Changelog die 3.23.2.1 vom 11. August, also acht Tage vor dem Erscheinen von 7.1. Von WordPress 7.1 ist dort nirgends die Rede. Auf unseren Installationen meldet WordPress am Morgen des 20. August weiterhin kein Update fĂŒr das Plugin.
Wir sind damit nicht allein: In den einschlÀgigen Communities kursieren seit dem Release entsprechende Meldungen.
Die einzige Lösung ist derzeit, WP Rocket zu deaktivieren. Das kostet Ladezeit, aber eine langsame Website schlÀgt eine tote.
Die Beitragslisten im Adminbereich
Weniger dramatisch, dafĂŒr breiter gestreut: 7.1 korrigiert einen elf Jahre alten Barrierefreiheits-Fehler (Core-Ticket #32892). In den Listentabellen wird die Checkbox-Spalte von <th> zu <td>, die Titel-Spalte umgekehrt von <td> zu <th scope="row"> und erhĂ€lt ein aria-label. Screenreader lasen bisher «Alle auswĂ€hlen» statt des Beitragstitels vor.
Die Korrektur ist ĂŒberfĂ€llig, hat aber eine Nebenwirkung: Plugins und Anpassungen, die per CSS oder JavaScript auf bestimmte Zellen dieser Tabellen zielen, können danach ins Leere greifen. Die grossen SEO-Plugins â Yoast, Rank Math, All in One SEO â sind nach bisheriger EinschĂ€tzung nicht betroffen. Eigene Admin-Anpassungen solltest du durchgehen.
Wenn die Website schon weiss ist
Wenn du bereits aktualisiert hast und jetzt vor einem kritischen Fehler stehst:
- WordPress verschickt automatisch eine E-Mail an die Administrator-Adresse, Betreff «Deine Website hat ein technisches Problem». Darin steht ein Link in den Wiederherstellungsmodus.
- Kommt die Mail nicht an â etwa weil der Server keine Mails zustellt â, funktioniert auch der direkte Aufruf von
/wp-login.php?action=enter_recovery_mode. - Im Wiederherstellungsmodus unter «Plugins» WP Rocket deaktivieren, dann den Modus verlassen und die Seite neu laden.
- FĂŒhrt auch das nicht zum Ziel, hilft der Weg ĂŒber FTP oder SFTP: den Ordner
wp-content/plugins/wp-rocketumbenennen. WordPress deaktiviert das Plugin daraufhin selbst. Achtung: Die Dateiwp-content/advanced-cache.phpbleibt dabei liegen und kann Fehlermeldungen erzeugen â sie lĂ€sst sich gefahrlos löschen.
Unsere Empfehlung: ein paar Tage abwarten
7.1 ist ein Major-Release mit ĂŒber 1500 Ănderungen. Bei dieser Grössenordnung folgen die ersten Korrekturversionen erfahrungsgemĂ€ss innerhalb weniger Wochen. Der VorgĂ€ngerzweig steht inzwischen bei 7.0.4 â vier Nachbesserungen seit dem Hauptrelease, die letzte am 12. August. Nichts spricht dafĂŒr, an Tag eins vorne zu stehen.
Es drĂ€ngt auch kein Sicherheitsgrund. Wenn du auf 7.0.4 sitzt, hast du das jĂŒngste Sicherheitsrelease drauf und keine bekannte offene LĂŒcke. Offiziell versorgt WordPress allerdings nur den jeweils aktuellsten Zweig; Ă€ltere Branches bekommen Patches aus Kulanz. Wer 7.1 monatelang liegen lĂ€sst, verliert diesen Schutz. Zwei Wochen kosten nichts.
Konkret heisst das:
- Automatische Hintergrund-Updates des Cores auf Minor-Releases begrenzen, damit 7.1 nicht ungefragt einlÀuft.
- 7.1 zuerst auf einer Staging-Kopie einspielen und die eigenen Plugins durchgehen â besonders alles, was in den Adminbereich hineingestaltet.
- Bei aktivem WP Rocket auf ein kompatibles Release warten, statt Cache gegen VerfĂŒgbarkeit einzutauschen.
Gemeint ist ein spÀterer Termin, kein Verzicht.
Bei dataloft
Der JetEngine-Patch ist auf allen betreuten Websites eingespielt. Das Update auf WordPress 7.1 haben wir bewusst noch nicht ausgerollt. Wir testen es auf Staging-Kopien und geben es pro Website einzeln frei, sobald die dort eingesetzten Plugins nachgezogen haben. Bei WP Rocket heisst das: sobald ein kompatibles Release vorliegt.
Verwaltest du deine Website selbst, hast heute schon aktualisiert und stehst vor einem kritischen Fehler: Wir sind unter 052 511 05 05 erreichbar.
Was offen bleibt
In unserer eigenen Flotte war der Fehler eindeutig: kein Einzelfall, keine bestimmte Einstellung, sondern die Kombination selbst. Ob das ausserhalb genauso gilt oder ob es Konfigurationen gibt, die durchkommen, wissen wir nicht. Eine öffentliche Stellungnahme von WP Media liegt bis heute Morgen nicht vor. Auch zum JetEngine-Patch 3.8.14.2 ist bisher kein Advisory veröffentlicht â wir tragen die Details nach, sobald sie vorliegen.