Die CyberkriminalitĂ€t nimmt mit der Corona-Krise ungeahnte Ausmasse an. Mittels Phishing versuchen BetrĂŒger, Daten zu stehlen â und nutzen die Sorgen der Bevölkerung schamlos aus. Die Versuche werden professioneller. Das zeigen die aktuellen Berichte.
Alte Masche, angepasste Methodik
Phishing ist vielen ein Begriff: BetrĂŒger versuchen, ĂŒber gefĂ€lschte E-Mails oder Websites an persönliche Daten zu gelangen â sie angeln danach. In unserem Beitrag vom 24. MĂ€rz haben wir bereits auf die zunehmende Verbreitung schĂ€dlicher E-Mails hingewiesen.
Mittlerweile haben viele Verbraucherzentralen und das Bundesamt fĂŒr Sicherheit und Informationstechnik (BSI) nachgezogen und klĂ€ren BĂŒrgerinnen und BĂŒrger aktiv auf.
Der aktuelle Betrugsversuch
Schon im MĂ€rz waren Sparkassen eine beliebte Angriffsbasis. Die Angriffe blieben nicht nur konstant â sie nahmen weiter zu. Fehlerfreie Grammatik, das originale Sparkassen-Logo, professionell gefĂ€lschte Absenderadressen: Betroffene haben es schwer, diese Mails als Betrug zu erkennen.
In den Mails steht, die meisten Sparkassenfilialen seien wegen der Corona-Krise geschlossen. Daher sollen EmpfĂ€nger ĂŒber einen Link ihre Kontaktdaten aktualisieren â angeblich der einzige Weg, weiterhin mit der Bank in Kontakt zu bleiben.
Umgang mit Phishing-Mails
Erstes Ziel der Verbraucherzentralen und des BSI ist es, Transparenz zu schaffen und konkrete Informationen bereitzustellen. Im Servicebereich des BSI findest du HintergrĂŒnde zu Phishing, aktuelle FĂ€lle und konkrete Hinweise zum Umgang mit schĂ€dlichen Mails â inklusive eines realen Beispiels, das zeigt, wie ĂŒberzeugend solche Betrugsversuche auf den ersten Blick wirken.
Wie du potenziell gefĂ€hrliche Mails erkennst, ist dort ausfĂŒhrlich erklĂ€rt. Wir konzentrieren uns deshalb auf ein konkretes Thema: gefĂ€lschte E-Mail-Adressen.
Der „Header“ – Kopf des Verbrechens
Der sogenannte Header steckt in jeder E-Mail und bildet den Datenkopf. In der Informationstechnik bezeichnet Header generell ergĂ€nzende Daten am Anfang eines Datenblocks â also Metainformationen, die du auf den ersten Blick nicht siehst. Wir suchen genau diese Zusatzinformationen, auch Metadaten genannt.
Den Header gibt es sowohl in E-Mails als auch auf jeder Website. In einer E-Mail verrĂ€t er dir die genauen Daten des Absenders. Auf einer Webseite dient er hauptsĂ€chlich der optischen Gestaltung â ein anderer Anwendungsfall, andere Funktion.
So offenbart sich der Kopf des Phishing
Egal ob du deine Mails im Browser oder mit separater Software verwaltest â du kannst dir den Quelltext anzeigen lassen. Die meisten E-Mail-Programme erlauben es, mit dem Mauszeiger ĂŒber den Absender zu fahren (nicht klicken!), um verborgene Informationen einzublenden. Alternativ bietet oft ein Drop-Down-MenĂŒ neben dem EmpfĂ€nger-Feld denselben Aufschluss. Auch ĂŒber Einstellungen gibt es meist die Option âQuelltext anzeigen„. AbhĂ€ngig von der Software siehst du dann unter anderem:
- Delivered-To
- Received: by
- Return-Path
- Received: from
Beim AufspĂŒren eines gefĂ€lschten Absenders interessiert dich vor allem das Feld âReceived: from„.
Das Kryptische entschlĂŒsseln
Der Return-Path enthĂ€lt eine vollstĂ€ndige E-Mail-Adresse. Er gilt als âwahrer“ Absender â lĂ€sst sich aber heute leicht fĂ€lschen. Im Feld âReceived: from“ stecken dagegen Angaben, die sich nur mit grossem Aufwand verschleiern lassen: die IP-Adresse und der Mail-Server.
Stimmen diese beiden nicht ĂŒberein, deutet das auf FĂ€lschung hin. So kompliziert ist es aber glĂŒcklicherweise nicht. An den Beispielen von Sparkasse und anderen hat sich gezeigt: Oft finden sich bereits im Return-Path kryptische Zeichenfolgen oder Schreibfehler, die einen seriösen Absender ausschliessen.
WeiterfĂŒhrende Ideen zum Umgang mit Phishing
Du weisst jetzt, wie du verdĂ€chtige Mails erkennst und damit umgehst. Drei weitere AnsĂ€tze helfen dir, nicht nur auf Phishing zu reagieren â sondern seltener ins Visier zu geraten.
- Viele Mailprogramme können weit mehr, als du tĂ€glich nutzt. Ăber Einstellungen lassen sich Filter fĂŒr eingehende Nachrichten festlegen:
- Du kannst bestimmte Absender sperren, sodass du keine weiteren Mails mehr erhÀltst. Wurdest du schon einmal Ziel von Phishing, kommt der Absender auf die Sperrliste.
- Ăber Felder wie âBetreff“ und âenthĂ€lt die Wörter“ lĂ€sst sich der Filter weiter verfeinern. Keine Mails zu Corona, weil du dich direkt informierst? Trag das Wort einfach ein.
- Sogar die Grösse erlaubter AnhÀnge lÀsst sich regulieren. Bekommst du normalerweise gar keine oder nur kleine Dateien, kannst du das entsprechend einstellen.
- Mailing-Software lernt. Deklariere verdĂ€chtige und ungewollte Mails als Spam â schon bald merkt sich die Software deine Wahl und prĂŒft neue Mails entsprechend. Vieles UnnĂŒtze (und GefĂ€hrliche) landet dann automatisch im Spam-Ordner. Dort kannst du Nachrichten jederzeit wiederherstellen und in den Posteingang verschieben.
- Erkennst du eine Phishing-Mail zu einem aktuellen Thema â wie im Paradebeispiel Corona â, leite sie an deine Verbraucherzentrale weiter. Auch der Schweizer Konsumentenschutz empfiehlt, betrĂŒgerische Absichten zu melden. Nur so können Behörden effektiv handeln.
