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Digitale Altlasten werden zu den Sicherheitsproblemen von morgen = Ransomware

Geschrieben von
Roger Klein
ransomware verschlĂŒsselt

IT-Sicherheitsprobleme waren auch beim 36C3, dem Jahrestreffen des Chaos Computer Clubs, Ende Dezember 2019 in Leipzig wenig ĂŒberraschend wieder eines der zentralen Themen. Die schnell voranschreitende Digitalisierung des Alltags stellt Hackerinnen und Sicherheitsexperten vor immer drĂ€ngendere Fragen. Vor allem «der Schuldenberg an unaufgerĂ€umten technologischen Problemen» aus der Vergangenheit drohe, so CCC-Sprecher Frank Rieger, zur Mammutaufgabe zu werden.

Ransomware bedroht Betriebe und Behörden

Ransomware ist ein gutes Beispiel fĂŒr diese Entwicklung. Die Schadsoftware verschlĂŒsselt Festplatten oder ganze Rechnernetzwerke und gibt sie nur gegen Zahlung eines Lösegelds wieder frei. Als Einfallstore nutzen Kriminelle oft Schwachstellen, die seit Jahren bekannt sind. Windows-Netzwerke trifft das besonders hĂ€ufig, weil professionelle IT-Sicherheit dort aufwendig und teuer ist. Der Stadtrat von Riviera Beach in Florida zahlte im Sommer 2019 mehr als eine halbe Million Dollar Lösegeld an unbekannte Angreifer, die das Stadtnetz lahmgelegt und mit Datenlöschung gedroht hatten. KrankenhĂ€user, Kraftwerke und andere kritische Infrastrukturen waren ebenfalls schon Ziel solcher Angriffe. Gerade wichtige Institutionen nutzten oft die Ă€ltesten IT-Systeme, erklĂ€rt Rieger — Angriffe treffen also dort am hĂ€rtesten, wo die Folgen am schlimmsten sind.

Per Phishingmail verteilte Makros als Einfallstor fĂŒr Schadsoftware

Auch vergleichsweise einfache Tricks funktionieren bis heute zuverlĂ€ssig. Ganz oben auf der Liste: in MS-Office-Dokumente einbettbare Makros, die programmierbare Scripts auf dem betroffenen Rechner ausfĂŒhren. Verteilt werden solche manipulierten Dateien ĂŒber Phishingmails — viele Nutzerinnen und Nutzer wissen schlicht nicht, dass auch Word- oder Excel-Dateien Schadcode enthalten können. Frank Rieger appellierte auf dem 36C3 deshalb an Microsoft, die AusfĂŒhrung von Makros in Office-Dokumenten dauerhaft abzuschaffen. IT-Administratoren sollten zumindest mit ihren Vorgesetzten klĂ€ren, ob Makros im Betrieb noch zeitgemĂ€ss sind. Immerhin fĂŒhrten die hĂ€ufiger werdenden Lösegeldzahlungen zu einem Umdenken in IT-Abteilungen von Verwaltungen und Unternehmen: Der Schaden durch Cyberkriminelle lĂ€sst sich jetzt besser beziffern und gegen die Kosten professioneller IT-Sicherheit abwĂ€gen. Die grössten Sicherheitsprobleme der Zukunft sehen CCC-Sprecher Rieger und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter dennoch woanders.

5G, intelligente StromzĂ€hler und smarte TĂŒrschlösser

In vielen heute achtlos installierten smarten ElektrogerĂ€ten sehen die Hackerinnen und Hacker tickende Zeitbomben — ob intelligente TĂŒrklingeln oder Audioassistenten wie Alexa. Je vernetzter die Welt wird, desto attraktiver werden solche GerĂ€te als Angriffsziel. Auch die persönlichen Daten der Kundinnen und Kunden bei den Betreiberfirmen gelten als gefĂ€hrdet. Die Video-Klingeln der Amazon-Marke Ring etwa lassen sich leicht hacken. Kriminelle können so aus der Ferne ausspĂ€hen, wann ein Einbruch sich lohnt — die eigentlich als Sicherheitstechnologie vermarktete Klingel wird zum Risikofaktor. Vom Eingriff in die PrivatsphĂ€re ganz zu schweigen. Auch bei den in Deutschland bald verpflichtend werdenden smarten StromzĂ€hlern bestehen weiterhin grosse Sicherheitsbedenken. Unklar bleibt vor allem, wie sich die Technik in den kommenden Jahren entwickelt. Gut möglich, dass Kundinnen und Kunden schon bald auf einem Berg nicht mehr aktualisierter Elektronik sitzen. SpĂ€testens wenn die Milchkanne per 5G am Netz hĂ€ngt, wird sich zeigen, ob GerĂ€tehersteller Sicherheit diesmal von Anfang an mitdenken.

Auch in öffentlichen Datenquellen wie Google Streetview oder immer detaillierter werdenden Satellitenaufnahmen sehen die Hackerinnen und Hacker mögliche Gefahrenquellen. Persönliche Informationen ĂŒber Privatpersonen geraten so oft unbeabsichtigt in die Öffentlichkeit. Mobilfunknetze der fĂŒnften Generation werden weitere Risiken schaffen. Besonders unangenehm: Betroffen sind mitunter Menschen, die die entsprechenden Dienste selbst gar nicht nutzen.

Jetzt fĂŒr morgen planen

FĂŒr 2020 und die folgenden Jahre rechnen Frank Rieger und der CCC mit weiteren Datenschutz-Desastern. Die Digitalisierungsstrategie von heute sei der Datenreichtum von morgen, so Rieger. Immer mehr technisch unbedarfte Nutzerinnen und Nutzer greifen auf Cloud-Services zu — oft ohne es selbst zu wissen. In Rechenzentren von Google, Apple und Co. gespeicherte AdressbĂŒcher, Fotoalben und Dokumente sind potenzielle AngriffsflĂ€chen fĂŒr die Kriminellen von morgen. Das gilt fĂŒr private Anwenderinnen und Anwender genauso wie fĂŒr Betriebe, denn auch dort verzahnt sich die lokale IT-Infrastruktur immer enger mit der Cloud — hĂ€ufig unbemerkt. Wer nicht wieder mit unaufgerĂ€umten technischen Problemen aus der Vergangenheit konfrontiert werden will, muss jetzt die Weichen richtig stellen.

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Über die Person

Roger Klein

GeschĂ€ftsfĂŒhrer dataloft GmbH. WordPress seit Version 3, Frauenfeld. Verantwortet bei dataloft Strategie, Architektur und KI-Integration. Baut mit Mattes und Elena rundum.dog, die grösste deutschsprachige Hunde-Wissensplattform.

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