Wie wird aus einer simplen Mail ein krimineller Vorgang? Von einem infizierten E-Mail-Anhang bis hin zu VerschlĂŒsselung, Datendiebstahl und teilweise sogar Forderung horrender Lösegelder â das ist der klassische Ablauf des Trojaners Emotet.
Emotet, König der Trojaner
Obwohl es wĂ€hrend der Corona-Krise recht ruhig um Emotet war, bleiben die Experten-Warnungen erhalten. Die vornehme ZurĂŒckhaltung der Cyberkriminellen wird unter Insidern sogar nur als die Ruhe vor dem nĂ€chsten grossen Sturm bezeichnet. Und obwohl Emotet sich als Vertreter unter den Trojanern bereits einen weithin bekannten Namen gemacht hat, gibt es noch immer keine effiziente Lösung gegen diesen SchĂ€dling.
Nicht nur ob seines Namens gilt Emotet daher als der König unter den Trojanern. Es existieren zwar diverse Kategorien der Schadsoftware, aber fast alle teilen sich eine Gemeinsamkeit: den Ablauf, also die recht einheitliche Vorgehensweise.
Der beste Schutz gegen Emotet besteht immer noch darin, ihn gar nicht erst einzufangen. Deshalb hat das nationale Zentrum fĂŒr Cybersicherheit NCSC (vormals MELANI) in seinem Newsletter eine anschauliche Skizze zum klassischen Ablauf von Emotet veröffentlicht. Wir wollen dir diese Information nicht vorenthalten und beschreiben im Detail, wie der Trojaner ĂŒblicherweise agiert.

Emotet Ablauf, Schritt 1 bis 3
Ausgangspunkt beim Ablauf von Emotet ist eine E-Mail mit Dateianhang. Viele Mail-Programme bieten heute eine integrierte SicherheitsprĂŒfung â diese schlĂ€gt Alarm, weil die infizierte Datei Makros enthĂ€lt, die beim Ăffnen automatisch ausgefĂŒhrt werden.
Was ist ein Makro?
Ein Makro ist ein Begriff aus der Programmierung und bezeichnet den Bestandteil eines Programmcodes. Makros dienen dazu, komplexe Codes zu verkĂŒrzen und zu vereinfachen. Das wird am Beispiel einer Excel-Datei besonders deutlich: EnthĂ€lt die Datei reihenweise Formeln fĂŒr viele Spalten und Zeilen, fasst ein Makro diese zusammen â und fĂŒhrt sie beim Ăffnen der Datei in einem einzigen Schritt aus.
Emotet Ablauf, Schritt 4 und 5
Ignorierst du den Hinweis deines Mail-Programms und öffnest den Anhang, fĂŒhren sich die Makros auf deinem Rechner aus. Ăber einen versteckten Programmcode greift Emotet auf eine kompromittierte Webseite zu und lĂ€dt weitere Schadsoftware nach.
Schritt 6: Weitere Verbreitung
Die nachgeladene Schadsoftware â im Beispiel des MELANI-Schaubildes TrickBot â hat einen eigenstĂ€ndigen Zweck: Sie infiziert weitere Clients und Server im Netzwerk des Opfers. DafĂŒr prĂŒft sie gezielt Schwachstellen im SMB-Netzprotokoll.
Was ist eine SMB Verwundbarkeit?
SMB steht fĂŒr Server Message Block und ist ein Protokoll innerhalb von Netzwerken. Es regelt unter anderem den Zugriff auf Dateien und Verzeichnisse. Spezifische Port-Einstellungen erlauben auffĂ€llige Zugriffe oder wehren sie ab. Wer keine zusĂ€tzlichen Sicherheitseinstellungen â etwa Zugriffswarnungen â konfiguriert hat, betreibt eine entsprechende Verwundbarkeit.
Emotet Ablauf – letzte Schritte
Im Beispiel des Schaubildes installieren die Urheber von Emotet ĂŒber den erlangten Zugriff weitere Schadsoftware auf dem Zielrechner. Neben der Ransomware Ryuk können das natĂŒrlich auch andere Vertreter sein.
Alle Gattungen von Schadsoftware haben ihre eigenen Methoden. Neben Datendiebstahl oder reinen DDoS-Attacken endet der Ablauf hĂ€ufig in Erpressung â entweder als Lösegeldforderung oder als fadenscheiniges Versprechen, gegen Bezahlung eine EntschlĂŒsselung der gesperrten Dateien zu liefern.
Der beste Schutz gegen den Ablauf von Emotet
Der sicherste Schutz: auffĂ€llige E-Mails mit DateianhĂ€ngen gar nicht erst öffnen. DarĂŒber hinaus gibt es konkrete Massnahmen.
- Unterbinde das AusfĂŒhren von Dateien mit Makros â entweder ganz, oder richte zumindest eine manuelle BestĂ€tigung vor der AusfĂŒhrung ein. FĂŒr Microsoft Office liefert das Support-Center die nötige Hilfestellung.
- Auch in deiner Mail-Software kannst du Einstellungen vornehmen, die den Empfang oder das Ăffnen von DateianhĂ€ngen technisch unterbinden.
- Erstelle regelmÀssig aktuelle Sicherheitskopien wichtiger Daten. Speichere diese Backups offline.
- Halte deine Software stets auf dem aktuellsten Stand. PrĂŒfe auf Updates und installiere sie â das gilt besonders fĂŒr Virenscanner und Firewalls.
- Das Prinzip der minimalen Rechtevergabe macht es Unbefugten schwerer, auf deinen Rechner zu kommen. Richte fĂŒr Mitarbeitende explizite Zugriffsrechte gemĂ€ss den jeweiligen ZustĂ€ndigkeiten ein â nicht darĂŒber hinaus.
- WĂ€hle Einstellungen fĂŒr Zugriffe und Sicherheitsfreigaben mit Bedacht. Das gilt besonders fĂŒr Ports, da diese die Online-Zugriffe regeln.