Google Meet fährt mit zahlreichen neuen Features schwere Geschütze gegen Konkurrenz auf

Geschrieben von
Roger Klein
Videochat Konferenz fürs Homeoffice

Bei Google boomt es: Die Software für Videokonferenzen namens „Google Meet“ verzeichnet in der Corona-Krise einen so starken Zuwachs, dass der Konzern kurzerhand neue Funktionen einführt und zahlreiche Verbesserungen vornimmt. Wir schauen uns an, ob Google damit tatsächlich die Nase vor der Konkurrenz hat – und warum die Änderungen überhaupt kommen.

Konkurrent „Zoom“ auf absteigendem Ast

Neben Microsoft Teams, Cisco oder Adobe war auch Zoom ein verbreitetes Tool für Videokonferenzen. Dem steigenden Druck durch eine wachsende Nutzerzahl war der Anbieter offenbar nicht gewachsen: In vielen US-Bundesstaaten sind Video-Schulungen über Zoom inzwischen verboten. Ursache waren handfeste Schwächen bei der Datensicherheit. In unserem Artikel zur schlechten Presse für Zoom ging es um Server-Auslagerung, fehlende Verschlüsselung und Datenklau.

Nutzt Google das aus, um sich zu stärken? Möglich – aber vielleicht liegt der eigentliche Antrieb woanders: Nutzerinnen und Nutzer von Google Meet haben die Software öffentlich kritisiert. Hauptpunkt: Die Kachelanzeige für Konferenz-Teilnehmer wirkte veraltet.

Google Meet: Vorher

Die Software ist ausschliesslich für die geschäftliche Nutzung gedacht. Nur Unternehmen, Schulen und Lehreinrichtungen dürfen sie verwenden. Wer privat in die Runde schalten will, landet bei Googles Alternative „Hangouts“. An dieser Einschränkung ändert sich nichts. Voraussetzung bleibt die sogenannte G-Suite.

Kostenlos war Meet also nicht. Allerdings hat Google auf die wirtschaftliche Lage reagiert und die Nutzung für die Dauer der Corona-Krise gratis gestellt. Trotzdem griffen viele Geschäftskunden bis dahin zur Konkurrenz – vor allem die Kachelansicht war ein Problem. Wer den Sprecher im Blick behalten wollte, musste in der Videoanzeige ständig hin- und herscrollen und verlor dabei andere Teilnehmende aus dem Blick.

Google Meet: Nachher

Es gibt nicht nur grundlegende Änderungen am Tool, sondern auch eine Reihe funktionaler Verbesserungen. Was Google optimiert hat, listen wir unten auf – inklusive der bewährten Features. So kannst du selbst einschätzen, ob Meet eine ernstzunehmende Alternative zu anderer Software ist.

Änderungen und Verbesserungen

  • Im Vordergrund steht die neue Anzeige: Bis zu 16 Personen finden künftig gleichzeitig Platz in der Konferenz-Ansicht – gleichzeitig und gleich gross, ohne manuelles Sortieren.
  • Über den Direktzugang aus Gmail heraus kannst du ab sofort bequem an Konferenzen teilnehmen. Per App oder Browser bleibt natürlich weiterhin möglich.
  • Die Qualität von Bild und Ton wurde deutlich verbessert: Ein neuer Filter für störende Hintergrundgeräusche und automatische Lichtanpassung sorgen für ein sauberes Ergebnis.
  • Das kommt auch der Screen-Sharing-Option zugute, die ebenfalls weiter ausgebaut wird.
  • Über einen spezifischen Browser-Tab wird Google Meet fest in Chrome integriert.
  • Wie oben erwähnt, ist die geschäftliche Nutzung während der Corona-Krise temporär kostenlos.

Features im Detail

  1. Kern von Google Meet ist die Videokonferenz. Start, Teilnahme und das Versenden von Einladungen an weitere Teilnehmende sind grundlegende Funktionen.
  2. Über die Integration in den Google Kalender verpasst du keine Besprechungstermine mehr. Termine lassen sich per Mail ändern oder Änderungsvorschläge direkt versenden.
  3. Innerhalb der Konferenz gibt es diverse Anpassungsmöglichkeiten – unter anderem das Anpinnen und die Stummschaltung einzelner Teilnehmender.
  4. Ähnlich wie Skype bietet Meet einen eigenständigen Chat-Reiter für direkte Nachrichten.
  5. Präsentationen sind mit Meet einfach umgesetzt: Ein Teilnehmender kann seinen Bildschirm für alle anderen freigeben.
  6. Aufzeichnung und Live-Stream runden das Angebot ab – Gesprächsinhalte gehen so nicht mehr verloren.
  7. Die Untertitel-Anzeige ist ein unterschätztes Feature: Im Zweifel verstehen damit alle, was gerade gesagt wird – vorausgesetzt, ein Mikrofon ist im Einsatz.
  8. Im Bereich Support hat Google viel investiert. Es gibt ein eigenes Schulungscenter für die G-Suite: Tipps und Tricks zum Umgang, aber auch Strategien für Teamaufbau, Präsentationen oder das papierlose Büro.
  9. Im Vergleich zum privat nutzbaren Hangouts weist Meet höhere Sicherheitsstandards auf.
  10. Damit der Wechsel leichter fällt, gibt es passende Umstellungshilfen – etwa für den Wechsel von Microsoft Teams auf Google Meet.

Google Meet für private Nutzer?

Meet ist und bleibt der geschäftlichen Nutzung vorbehalten. Das soll sich nicht ändern. Wegen des temporär kostenfreien Angebots haben dennoch viele Privatnutzerinnen und -nutzer einen Zugang gefunden – gerade weil Sicherheit auch privat zählt. Hangouts bietet im Vergleich nur einen Bruchteil der Features.

Wie lange kann Google diesen Graben noch aufrechterhalten? Nach all den Optimierungen ist klar, dass Google sich nachhaltig von der Konkurrenz abheben will. Hangouts bleibt zweckgemäss simpel, während Meet Hürden einbaut, die nur den professionellen Einsatz adressieren. Gerade beim Thema Datensicherheit sollten Nutzerinnen und Nutzer – privat wie geschäftlich – nicht schlechtergestellt werden.

„I’ve seen time and time again customers and prospects coming from other solutions that have not been able to keep up or had concerns in security and reliability.“

Dieses Zitat stammt von Javier Soltero, Google-Vizepräsident. Er beobachtet, dass Kunden von der Konkurrenz abwandern, weil diese nicht mithalten kann oder Bedenken bei Sicherheit und Zuverlässigkeit bestehen. Das lässt darauf schliessen, dass Google auch Hangouts künftig ausbauen wird – damit Google nicht nur im Business-Segment konkurrenzfähig bleibt.

Tags: Features & FunktionenGoogleKommunikationSoftware
Über die Autor:in

Roger Klein

Geschäftsführer dataloft GmbH. WordPress seit Version 3, Frauenfeld. Verantwortet bei dataloft Strategie, Architektur und KI-Integration. Baut mit Mattes und Elena rundum.dog, die grösste deutschsprachige Hunde-Wissensplattform.

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