Die Experten der Non-Profit-Organisation MalwareMustDie haben eine neue Schadsoftware entdeckt. Die in Go entwickelte Software wurde auf den Namen Linux/Kaiji getauft. Sie scheint sich noch in der Entwicklung zu befinden, ist aber bereits auf ersten ungeschĂŒtzten Systemen aufgeschlagen. Der Wurm greift Linux-Server und vor allem auf Linux aufbauende IoT-GerĂ€te an und könnte die Grundlage fĂŒr eine neue Generation von Botnets darstellen. Als Ursprung der Malware machen die Experten momentan China aus. Auf Intezer beschreiben sie im Detail, welche Erkenntnisse bislang ĂŒber den neuen SchĂ€dling vorliegen.
So verbreitet sich Linux/Kaiji
Kaiji greift Linux-Systeme mit nach aussen offenen SSH-Schnittstellen an. Betroffen sind Server und vor allem viele billige IoT-GerĂ€te â aber auch Desktop-Linux-Systeme können getroffen werden. Das Programm setzt dabei auf mehrere Bruteforce-Mechanismen. Die von MalwareMustDie untersuchten Versionen beherrschen bislang sechs davon: unter anderem ipspoof und Synack-Attacken. Hat der Wurm sich Root-Rechte verschafft, stiehlt er vorhandene SSH-SchlĂŒssel und startet weitere Bruteforce-Angriffe.
Kaiji ist effizient aber noch nicht fertig
Eine Besonderheit von Kaiji: die Software wird in Go entwickelt. Go bringt viele Funktionen und Bibliotheken fĂŒr den effizienten Zugriff auf Netzwerkschnittstellen mit â auch EigenverschlĂŒsselung ist ohne grossen Aufwand zugĂ€nglich. Damit bleibt die Malware selbst auf rechenschwachen IoT-GerĂ€ten effektiv einsetzbar. Die Entwickler können sich so ganz auf die eigentlichen Schadfunktionen konzentrieren, statt Infrastruktur-Code zu schreiben. Anders als die meisten aktuell kursierenden SchĂ€dlinge â in C/C++ programmiert, oft aus vorgefertigten CodeversatzstĂŒcken frĂŒherer WĂŒrmer zusammengesetzt â ist Kaiji eine völlige Neuentwicklung. Das macht sie unberechenbar: Virenscanner erkennen einen solchen Wurm oft erst Wochen nach seinem Auftauchen.
Ein Wurm im Beta-Stadium
Kaiji ist noch keine fertige Software. Zahlreiche als demo_ deklarierte Strings im Programmcode und eine Reihe von Fehlern deuten darauf hin. Die Hauptfunktion ruft sich in den bislang bekannten Versionen zu hĂ€ufig selbst auf und bringt die Host-Systeme zum Absturz â besonders IoT-Devices mit schwachem Prozessor und knappem Speicher. Auch der Command-and-Control-Server, von dem aus das Botnet befehligt wird, ist oft nicht erreichbar. In seiner jetzigen Form ist das System noch nicht fertig. Dennoch scheint klar, dass dieses Rechnernetz das Potenzial hat, einmal fĂŒr grossangelegte DDoS-Attacken eingesetzt zu werden.
Die Spur fĂŒhrt nach China
Die Experten gehen davon aus, dass die Entwicklung in China stattfindet. Darauf weisen chinesische Wörter in englischer Umschrift hin, die als Variablen im Source-Code verwendet werden. Auch der namensgebende Begriff Kaiji â soviel wie Stiefel, oder im Englischen etwas ambivalenter boot â gehört dazu. Diese Hinweise ĂŒberzeugen die Experten, dass der SchĂ€dling chinesischen Ursprungs ist.
Langsame Ausbreitung
Kaiji stellt momentan noch keine ĂŒbermĂ€ssige Gefahr dar â die Ausbreitung ist schlicht zu langsam. Bislang ist Kaiji ausserdem noch nicht in der Lage, Exploits auf ungepatchten Systemen auszunutzen. Sobald das möglich ist, dĂŒrften wesentlich mehr IoT-GerĂ€te anfĂ€llig werden. Dass Kaiji in Go entwickelt wird und komplett neu geschrieben ist â laut VirusTotal bislang von sehr wenigen Scannern erkannt â, deutet auf echtes Gefahrenpotenzial hin. Andere Botnetze kommen momentan selten ĂŒber einige Tausend Infektionen hinaus. Kaiji könnte, sofern die Entwicklung schnell voranschreitet und den Antivirus-Programmen zuvorkommt, zu einem echten Massenproblem werden, schreibt ZDNet.
Schadsoftware in Go liegt im Trend
Auch die Security-Experten von Palo Alto Networks beobachten in der Malwareentwicklung eine Tendenz hin zu moderneren Programmiersprachen. Besonders Go gewinnt an PopularitĂ€t â wohl auch, weil sich damit plattformĂŒbergreifend entwickeln lĂ€sst und Linux, Mac OS und Windows auf einen Schlag abgedeckt werden. Dazu kommt ein unerwarteter Nebeneffekt der statischen Bibliotheks-Einbindung: die fertigen BinĂ€rdateien sind vielen Virenscannern schlicht zu gross fĂŒr eine effektive Analyse. Ob das auf Kaiji ĂŒbertragbar ist und AusbrĂŒche auf Windows und macOS drohen, bleibt offen. Sobald der SchĂ€dling aber erst einmal SicherheitslĂŒcken effizient ausnutzen kann, wĂ€re der Befall anderer Systeme durchaus denkbar.