Zum Inhalt springen
dataloft
  1. Ratgeber
  2. Auffindbarkeit

Wege durch die Informationsflut

Roger Klein · 1. Juli 2012 · 2 Min. lesen

Erstmals erschienen im Juli 2012, im Oktober 2026 neu geschrieben.

2012 haben wir hier über die Informationsflut geschrieben und darüber, was sie mit unserem Kopf anstellt. Einiges davon war mehr Vermutung als Wissen. Gut belegt ist dagegen, wie Menschen mit zu viel Information umgehen: Sie lesen nicht mehr alles. Wer eine Website betreibt, sollte das wissen und damit arbeiten.

Im Web wird überflogen

Der Usability-Forscher Jakob Nielsen hat 1997 untersucht, wie Menschen Webseiten lesen. 79 Prozent der Testpersonen überflogen eine neue Seite, nur 16 Prozent lasen Wort für Wort. 2008 kam eine Auswertung seiner Firma zum Schluss, dass auf einer durchschnittlichen Seite höchstens 28 Prozent der Wörter gelesen werden.

Das hat wenig mit Ungeduld zu tun. Wer sucht, prüft zuerst, ob er am richtigen Ort ist, und liest erst danach genau, weil das Angebot grösser ist als die Zeit.

Wonach das Auge sucht

2006 zeichnete dieselbe Firma mit Blickmessung auf, wohin Leser schauen. Es zeigte sich ein Muster in der Form eines F: Zuerst wird der obere Teil quer gelesen, etwas weiter unten folgt ein zweiter, kürzerer Querblick, danach wandert der Blick am linken Rand nach unten und bleibt an Zeilenanfängen hängen. Am deutlichsten zeigt es sich bei Text ohne Gliederung.

Daraus folgt, wo Wichtiges stehen muss: oben, in Überschriften und am Anfang von Absätzen und Listenpunkten. Was mitten in einem langen Absatz steht, übersehen die meisten.

Weniger anbieten

Die Flut entsteht nicht nur im Netz als Ganzem, sondern auch auf einzelnen Websites. Zwölf Menüpunkte, drei Schieber mit wechselnden Bildern und ein Fenster, das sich über den Inhalt legt, zwingen den Besucher zu einer Auswahl, die du ihm abnehmen könntest.

Frag dich bei jeder Seite, was ein Besucher dort erfahren oder tun soll. Alles, was nicht dazu beiträgt, lenkt ab. Eine Seite mit einem klaren Anliegen ist für Besucher leichter als eine, die alles zugleich zeigen will.

So baust du eine Seite zum Überfliegen

  1. Das Wichtigste zuerst. Die Antwort oder das Angebot steht im ersten Absatz, nicht am Schluss.
  2. Überschriften, die etwas sagen. Wer nur die Zwischentitel liest, soll den Inhalt in groben Zügen kennen.
  3. Kurze Absätze. Ein Gedanke pro Absatz, drei bis vier Sätze.
  4. Listen für Gleichartiges. Schritte, Merkmale und Bedingungen lassen sich als Liste schneller erfassen.
  5. Wenige Hervorhebungen. Ist alles fett, ist nichts mehr hervorgehoben.

Mehr zum Aufbau steht im Beitrag Kommunikation auf Internetseiten.

Auch Maschinen überfliegen

Seit einigen Jahren lesen nicht nur Menschen quer. Suchmaschinen zeigen kurze Antworten über den Treffern, und KI-Assistenten fassen Seiten zusammen, ohne dass jemand sie öffnet. Beide greifen bevorzugt zu Stellen, an denen eine Frage klar gestellt und gleich darauf beantwortet wird.

Die Regeln oben gelten darum auch hier: Was ein eiliger Mensch versteht, erfasst meist auch eine Maschine. Was du darüber hinaus tun kannst, beschreibt der Beitrag SEO, AEO und GEO.

Gründlich darf es trotzdem sein

Überfliegen heisst nicht, dass lange Texte keinen Platz haben. Wer vor einer grösseren Anschaffung steht oder ein Fachthema verstehen will, liest auch dreitausend Wörter. Er muss aber zuerst erkennen, dass sich das Lesen lohnt. Die Kurzfassung oben und die Einzelheiten weiter unten schliessen sich nicht aus.

Roger Klein Geschäftsführer dataloft GmbH. WordPress seit Version 3, Frauenfeld. Verantwortet bei dataloft Strategie, Architektur und KI-Integration. Baut mit Mattes und Elena rundum.dog, die grösste deutschsprachige Hunde-Wissensplattform.

Weiterlesen