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Betrugsmaschen im Wandel: Wie sich Phishing, Fakes & Co. entwickelt haben

Geschrieben von
Miriam Schäfer
Digitale Umgebung 3D Angelhaken Phishing-Symbol Netzwerk Matrix

Noch vor einigen Jahren war es deutlich einfacher, Betrugsmaschen als solche zu erkennen. Schlechte Übersetzungen und Schreibfehler in Phishing-Mails oder dilettantisch gestaltete Webseiten waren typische Warnsignale. Wer die eindeutigen Merkmale kannte, konnte die meisten Betrugsversuche auf den ersten Blick aussortieren.

Diese Zeiten sind weitgehend vorbei. Heute nutzen Betrüger professionelle Vorlagen, kreieren täuschend echte Lookalike-Domains oder nutzen gezielt zuvor gestohlene Daten. Selbst erfahrene Nutzer erkennen nicht unbedingt sofort, dass etwas nicht stimmt. Hinzu kommen neue Angriffskanäle.

Betrug wird also professioneller. Entsprechend müssen auch die Methoden zu seiner Erkennung und Abwehr mit der Entwicklung Schritt halten.

Betrugsmaschen früher und heute: Ein Vergleich

Betrugsversuche gab es schon lange vor dem Internet. Mit der Digitalisierung haben sich jedoch nicht nur die Angriffsmöglichkeiten verändert, sondern auch deren Qualität.

Was früher schneller durch offensichtliche Fehler auffiel, ist heute zunehmend professionell gestaltet und gezielt auf einzelne Personen oder Unternehmen zugeschnitten.

Die folgende Übersicht zeigt einige typische Entwicklungen. Die einzelnen Betrugsmaschen und die jeweiligen Schutzmöglichkeiten schauen wir uns anschliessend genauer an.

Betrugsmasche Früher Heute Was hat sich verändert?
Phishing-Mails Rechtschreibfehler, schlechte Übersetzungen, auffällige Absender Professionelle Texte, echte Logos, personalisierte Inhalte Betrugsnachrichten wirken deutlich glaubwürdiger
Gefälschte Webseiten & Fake-Shops Schlechte Gestaltung, offensichtliche Kopien Professionelle Webseiten, kopierte Inhalte und Bewertungen, täuschend echte Siegel Das Design allein ist kein zuverlässiges Warnsignal mehr
SMS, Messenger & QR-Codes E-Mail als wichtiger digitaler Angriffskanal SMS, WhatsApp, andere Messenger und QR-Codes Betrüger nutzen zunehmend alltägliche Kommunikationswege
Social Engineering & CEO-Fraud Allgemeine und wenig personalisierte Täuschungsversuche Informationen über Personen, Unternehmen und Geschäftsbeziehungen werden gezielt eingesetzt Angriffe wirken wesentlich individueller und zielgerichteter
Fake-Support & Fernzugriff Auffällige Pop-ups mit pauschalen Warnungen Gefälschte Support-Webseiten, Suchanzeigen und angebliche Supportmitarbeiter Die Täuschung wirkt professioneller und findet über mehrere Kanäle statt
Identitätsdiebstahl & Account-Übernahme Gestohlene oder erratene Passwörter Zusammenspiel aus Datenleaks, Phishing, Passwort-Reuse und weiteren Angriffen Angriffe können sich über mehrere Schritte erstrecken
MFA-Betrug Zwei-Faktor-Authentifizierung war grundsätzlich der sicherste Schutz Gefälschte Login-Anfragen, abgefragte Codes und sogenannte MFA-Fatigue Auch Sicherheitsmechanismen werden zum Angriffsziel
KI & Deepfakes Manipulation technisch deutlich aufwendiger KI-generierte Texte, Bilder, Stimmen und Videos Authentizität lässt sich immer schwerer allein anhand des Erscheinungsbilds beurteilen

Phishing damals und heute

Phishing gehört zu den ältesten Betrugsformen im Internet. Das Grundprinzip hat sich dabei kaum verändert: Eine Nachricht soll den Empfänger dazu bringen, vertrauliche Informationen preiszugeben, Geld zu überweisen oder einen schädlichen Link zu öffnen.

Verändert hat sich vor allem die Qualität der Täuschung. Frühere Phishing-Mails waren relativ leicht zu erkennen: Eine unpersönliche Anrede, auffällige Rechtschreibfehler, merkwürdige Formulierungen oder eine Absenderadresse, die offensichtlich nicht zum genannten Unternehmen passte, waren typische Warnsignale.

Heute können solche Merkmale fehlen. Betrüger ahmen das Erscheinungsbild echter Domains nach, übernehmen Logos und Formulierungen schneiden Inhalte gezielt auf den Empfänger zu.

Auch zuvor gestohlene bzw. abgegriffene Informationen helfen dabei, eine Nachricht glaubwürdiger wirken zu lassen. Künstliche Intelligenz erleichtert zudem die Erstellung sprachlich sauberer und individuell formulierter Texte.

Typisches Merkmal Phishing damals Phishing heute
Sprache Häufig Rechtschreibfehler und schlechte Übersetzungen Weitgehend fehlerfreie, natürlich klingende Texte
Anrede Oft allgemein, etwa «Sehr geehrter Kunde» Kann personalisiert sein
Gestaltung Einfach oder schlecht kopiert Teilweise kaum vom Original (echten, seriösen Absender) zu unterscheiden
Absender Häufig offensichtlich verdächtige Adresse Kann auf den ersten Blick plausibel wirken
Inhalt Allgemeine Aufforderungen Teilweise Bezug auf konkrete Unternehmen, Dienste oder Vorgänge
Links Offensichtlich fremde oder verdächtige Adressen Können über Weiterleitungen oder ähnliche Domains verschleiert werden
Druck «Ihr Konto wird sofort gesperrt!» Oft glaubwürdiger in einen konkreten Vorgang eingebettet
Erstellung Manuell erstellte Massenmails Automatisierte und teilweise KI-gestützte Erstellung

Gefälschte Webseiten und Fake-Shops damals und heute

Gefälschte Webseiten gehören zu den klassischen Werkzeugen von Betrügern. Sie sollen Nutzer dazu bringen, persönliche Daten einzugeben, sich mit ihren Zugangsdaten anzumelden oder eine Zahlung auszulösen. Bei Fake-Shops kommt hinzu, dass die angebotenen Waren entweder gar nicht existieren oder niemals wie versprochen geliefert werden.

Früher waren gefälschte Webseiten relativ einfach zu erkennen. Das Design wirkte unprofessionell, Texte waren voller Fehler und wichtige Informationen wie Impressum, Kontaktmöglichkeiten oder Geschäftsbedingungen fehlten ganz. Auch bei Fake-Shops gab es deutliche Hinweise auf einen unseriösen Anbieter.

Heute verwenden Betrüger professionelle Vorlagen und bauen echte Webseiten nahezu vollständig nach. Auch Produktbilder, Texte, Logos, Bewertungen und Gütesiegel lassen sich kopieren. Teilweise werden dafür sogar Domains verwendet, die dem Original sehr ähnlich sehen. Dadurch reicht ein Blick auf das Design allein nicht mehr aus, um die Echtheit einer Website einzuschätzen.

SMS-, Messenger- und QR-Code-Betrug

Betrugsnachrichten beschränken sich längst nicht mehr auf E-Mails. SMS, Messenger-Dienste und QR-Codes bieten weitere Möglichkeiten, Nutzer auf gefälschte Websites zu locken oder sie zu einer Zahlung zu bewegen. Das Grundprinzip bleibt dabei ähnlich: Eine Nachricht erzeugt Vertrauen oder Zeitdruck und führt anschliessend zu einer Handlung.

Früher waren SMS-Betrugsversuche häufig relativ einfach gehalten. Typische Beispiele waren angebliche Gewinnbenachrichtigungen, dubiose Zahlungsaufforderungen oder Nachrichten mit einem kurzen Link. Messenger-Dienste spielten für solche Betrugsversuche eine deutlich geringere Rolle.

Heute werden SMS und Messenger-Nachrichten gezielter eingesetzt. Betrüger geben sich beispielsweise als Paketdienst, Bank, Behörde oder als Kontakt aus dem persönlichen Umfeld aus. Auch QR-Codes werden genutzt, um den eigentlichen Link zu verbergen. Nach dem Scannen öffnet sich etwa eine gefälschte Login-Seite oder eine Website, auf der persönliche Daten oder Zahlungsinformationen abgefragt werden.

Typisches Merkmal Früher Heute
SMS Häufig kurze, allgemein gehaltene Nachrichten Teilweise gezielt auf konkrete Dienste oder Situationen abgestimmt
Messenger Als Betrugskanal weniger verbreitet WhatsApp und andere Messenger werden für persönliche Täuschungen genutzt
Absender Unbekannt oder offensichtlich verdächtig Kann wie ein bekannter Kontakt oder Dienst wirken
Links Häufig direkt sichtbar Können verkürzt, weitergeleitet oder hinter QR-Codes verborgen sein
QR-Codes Für Betrug wenig verbreitet Werden genutzt, um Nutzer auf gefälschte Websites zu führen
Anlass Gewinnspiele, allgemeine Zahlungsaufforderungen Pakete, Zahlungen, Konten, Termine oder angebliche Probleme mit einem Dienst – sehr spezifisch
Zeitdruck Oft sehr offensichtlich Kann glaubwürdiger in einen konkreten Vorgang eingebettet sein

Social Engineering: Angreifer nutzen sensible Informationen

Social Engineering bezeichnet Betrugsversuche, bei denen nicht primär technische Sicherheitslücken ausgenutzt werden, sondern das Verhalten von Menschen. Angreifer geben sich beispielsweise als Vorgesetzter, Geschäftspartner, IT-Mitarbeiter oder Bekannter aus und versuchen, ihr Gegenüber zu einer bestimmten Handlung zu bewegen.

Früher waren solche Täuschungsversuche eher allgemein gehalten. Heute tragen Angreifer vor einer Kontaktaufnahme wesentlich mehr Informationen zusammen. Öffentlich zugängliche Angaben auf Unternehmenswebsites und sozialen Netzwerken, aber auch zuvor gestohlene oder anderweitig erlangte Daten können dabei helfen. Bekannt sind dann beispielsweise schon konkrete Namen, Funktionen, Geschäftsbeziehungen oder aktuelle Projekte. Dadurch lässt sich eine Nachricht deutlich genauer auf die jeweilige Person und Situation zuschneiden.

Mehr Infos hierzu:

Achtung, Betrugsmasche: Captcha-basiertes Social Engineering

Einfacher Schutz vor Social Engineering: mit diesen Tipps sind Sie sicher!

Heute: Identitätsdiebstahl und Account-Übernahmen

Beim Identitätsdiebstahl nutzen Angreifer persönliche Daten einer anderen Person, um sich als diese auszugeben. Bei einer Account-Übernahme verschaffen sie sich Zugriff auf ein bestehendes Benutzerkonto. Beides kann miteinander verbunden sein: Gestohlene persönliche Informationen helfen dabei, weitere Zugangsdaten zu erbeuten oder die Identität eines Opfers glaubwürdig zu imitieren.

Früher waren Account-Übernahmen häufig auf gestohlene oder erratene Passwörter zurückzuführen. Ein schwaches Passwort oder die Verwendung desselben Passworts bei mehreren Diensten reichte aus, um Zugang zu einem Konto zu erhalten.

Heute kommen mehrere Informationsquellen zusammen. Zugangsdaten aus Datenleaks, wiederverwendete Passwörter, Phishing und weitere Angriffsmethoden ergänzen sich gegenseitig. Ist ein Konto erst übernommen, werden die dort gespeicherten Kontakte und Informationen für weitere Betrugsversuche genutzt.

Fake-Support und Fernzugriff

Beim Fake-Support geben sich Betrüger als Mitarbeiter eines bekannten Unternehmens aus. Sie behaupten beispielsweise, auf einem Computer oder Smartphone sei ein Sicherheitsproblem festgestellt worden. Anschliessend versuchen sie, das Opfer zur Installation einer Fernzugriffssoftware oder zur Herausgabe von Zugangsdaten zu bewegen.

Früher waren solche Betrugsversuche häufig über auffällige Pop-ups oder unerwartete Telefonanrufe aufgebaut. Die Warnungen waren allgemein gehalten und leicht als gefälscht zu erkennen.

Heute erfolgen solche Täuschungen wesentlich gezielter. Gefälschte Support-Seiten sind echten Anbietern nachempfunden und über Suchmaschinen oder manipulierte Links erreichbar. Auch der angebliche Supportmitarbeiter bezieht sich auf ein konkretes Problem oder einen tatsächlichen Dienst.

Wird anschliessend eine Fernzugriffssoftware installiert, erhält der Angreifer je nach Programm und erteilten Berechtigungen direkten Zugriff auf das Gerät.

MFA-Betrug: Wenn Sicherheitsmechanismen selbst Ziel werden

Mehr-Faktor-Authentifizierung (MFA) bzw. Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) erhöht die Sicherheit eines Kontos, weil für die Anmeldung neben dem Passwort ein weiterer Nachweis erforderlich ist. Das kann beispielsweise ein Code, eine Bestätigung in einer App oder ein Sicherheitsschlüssel sein.

Für Angreifer bedeutet das eine zusätzliche Hürde. Deshalb versuchen sie zunehmend, den zweiten Faktor selbst zum Angriffsziel zu machen.

Früher spielten solche Angriffe eine geringere Rolle, weil viele Online-Dienste noch ausschliesslich mit Benutzername und Passwort arbeiteten. Mit der zunehmenden Verbreitung von MFA haben sich auch die Angriffsmethoden weiterentwickelt.

Typisches Merkmal Früher Heute
Anmeldung Häufig nur Benutzername und Passwort Passwort plus zusätzlicher Faktor
Angriffsziel Vor allem Zugangsdaten Zusätzlich MFA-Codes und Bestätigungsanfragen
Vorgehen Passwort stehlen oder erraten Zunächst das Passwort erbeuten und anschliessend den zweiten Faktor angreifen
MFA-Anfragen Spielten keine Rolle Werden wiederholt ausgelöst
Täuschung Vor allem rund um das Passwort Auch angebliche Supportanfragen oder Sicherheitsprüfungen
Ziel Konto-Zugang Konto-Zugang trotz zusätzlicher Sicherheitsstufe

KI, Deepfakes und Stimmenklone: Wenn KI Betrugsmaschen verfeinert

Künstliche Intelligenz (KI) schafft nicht nur neue Möglichkeiten für Betrüger, sie macht bekannte Betrugsmaschen auch professioneller. Früher waren Manipulationen technisch aufwendiger und deshalb für viele Betrüger nur begrenzt einsetzbar. Eine gefälschte Stimme oder ein überzeugendes manipuliertes Video erforderte spezielle Kenntnisse und entsprechende technische Mittel. Heute stehen entsprechende Werkzeuge wesentlich leichter zur Verfügung.

Typisches Merkmal Früher Heute
Texte Teilweise auffällige Fehler oder unnatürliche Formulierungen KI kann schnell natürlich klingende Texte erzeugen
Bilder Manipulation technisch aufwendiger Bilder können einfacher verändert oder künstlich erzeugt werden
Stimmen Nachahmung deutlich aufwendiger Stimmen können mit entsprechenden Werkzeugen künstlich erzeugt oder imitiert werden
Videos Manipulation aufwendig und technisch anspruchsvoll KI ermöglicht realistisch wirkende, manipulierte Videos
Personalisierung Begrenzt Inhalte können individuell auf Personen und Situationen zugeschnitten werden
Skalierung Viele Inhalte mussten manuell erstellt werden KI beschleunigt die Erstellung grosser Mengen unterschiedlicher Inhalte
Erkennung Auffällige Fehler lieferten Hinweise Äussere Merkmale allein reichen nicht mehr zur Beurteilung der Echtheit

Schutz gegen Betrugsmaschen früher und heute: Ein Vergleich

Viele klassische Schutzmassnahmen sind nach wie vor sinnvoll. Was sich jedoch verändert hat, ist die Bedeutung einzelner Warnsignale.

Entsprechend geht es beim Schutz immer weniger darum, einzelne Merkmale zu erkennen. Wichtiger sind mehrere unabhängige Prüfungen und klare Abläufe – besonders, wenn es um Zugangsdaten, sensible Informationen, Zugriff aufs eigene System oder Zahlungen geht.

Schutzmassnahme Früher Heute
Phishing erkennen Rechtschreibfehler und schlechte Übersetzungen beachten

Verdächtige Absender erkennen

Mehrere Merkmale gemeinsam prüfen

Absender, Link und Anlass kontrollieren

Bekannten Dienst selbst aufrufen

Websites und Fake-Shops prüfen Auf schlechtes Design und fehlende Angaben achten Webadresse exakt prüfen

Anbieter und Kontaktdaten prüfen

Zahlungs-, Liefer- und Rückgabebedingungen prüfen

Unabhängige Erfahrungen/Bewertungen berücksichtigen

SMS, Messenger und QR-Codes Unbekannte Nachrichten und Links meiden Auch persönliche Nachrichten kritisch prüfen

QR-Codes nicht blind scannen

Dienst über bekannte Website oder App aufrufen

Bekannten Kontaktweg nutzen

Persönliche Informationen Unbekannte oder unpersönliche Anfragen hinterfragen Auch personalisierte Anfragen unabhängig bestätigen

Bekannte Kontaktdaten verwenden

Freigabe- und Kontrollprozesse nutzen

Konten und Accounts schützen Starke Passwörter verwenden

Passwörter nicht weitergeben

Für jeden wichtigen Dienst eigene Passwörter

Passkeys oder MFA einsetzen

Aktive Sitzungen prüfen

Wiederherstellungsdaten kontrollieren & aktuell halten

Fernzugriff Unbekannten Personen keinen Zugriff gewähren Unerwartete Supportkontakte unabhängig prüfen

Keine Fernzugriffssoftware auf Aufforderung installieren

Keine Zugangsdaten oder Sicherheitscodes weitergeben

Bekannte Supportkanäle nutzen

MFA schützen Reiner Passwortschutz stand stärker im Mittelpunkt Unerwartete MFA-Anfragen ablehnen

Sicherheitscodes niemals weitergeben

Passwort bei Verdacht auf unbefugte Anmeldung ändern

Passkeys oder Sicherheitsschlüssel bevorzugen

Phishing

Lange galt eine einfache Faustregel: Viele Fehler = wahrscheinlich Phishing. Ganz falsch war das nicht, denn zahlreiche betrügerische Nachrichten waren tatsächlich schlecht übersetzt oder voller Rechtschreibfehler. Als alleinige Prüfung reicht dieses Kriterium heute jedoch nicht mehr. Eine professionell formulierte Nachricht kann genauso gut ein Betrugsversuch sein.

Sinnvoller ist deshalb, mehrere Merkmale zusammen zu betrachten. Passt die Nachricht zum Anlass? Stimmt der Absender tatsächlich? Wohin führt der Link? Wird unerwartet nach einem Passwort, einem Code oder einer Zahlung gefragt?

Handlungsempfehlungen: Links in unerwarteten oder ungewöhnlichen Mails nie direkt anklicken. Stattdessen die vom jeweiligen Dienst bekannte Website bzw. App selbst aufrufen und dort prüfen, ob tatsächlich eine entsprechende Nachricht oder Aufforderung vorliegt. Bei Zahlungsaufforderungen oder anderen ungewöhnlichen Vorgängen zusätzlich über einen unabhängig bekannten Kontaktweg nachfragen.

Gefälschte Webseiten und Fake-Shops

Eine professionell gestaltete Website ist heute kein Beweis dafür, dass es sich um einen seriösen Anbieter handelt.

Wichtiger sind andere Fragen: Stimmt die Webadresse exakt? Passt der Anbieter zum aufgerufenen Dienst? Sind Kontaktangaben und Unternehmensinformationen nachvollziehbar? Bei einem unbekannten Shop lohnt sich zudem ein Blick auf die Zahlungsbedingungen, Rückgabe- und Lieferinformationen sowie unabhängige Erfahrungen mit dem Anbieter.

Handlungsempfehlungen: Bei unerwarteten Links aus Mails oder Nachrichten nicht direkt auf der verlinkten Website anmelden oder bezahlen. Stattdessen die bekannte Website des jeweiligen Anbieters selbst aufrufen, zum Beispiel über ein gespeichertes Lesezeichen oder durch manuelle Eingabe der bekannten Adresse. Bei unbekannten Shops vor einer Bestellung zusätzlich Anbieter, Domain, Kontaktangaben und Zahlungsbedingungen prüfen. Besonders bei ungewöhnlich hohen Rabatten ist Vorsicht angebracht.

SMS und Messenger nicht blind vertrauen

Eine Nachricht im Messenger oder per SMS wirkt für viele Menschen persönlicher als eine E-Mail. Kommt sie scheinbar von einem bekannten Kontakt oder passt sie zu einer erwarteten Lieferung oder Zahlung, wird der Inhalt möglicherweise weniger kritisch geprüft.

Handlungsempfehlungen: Links aus SMS oder Messenger-Nachrichten nicht direkt öffnen und QR-Codes aus unbekannten oder unerwarteten Quellen nicht scannen. Stattdessen den jeweiligen Dienst über die bekannte Website oder App selbst aufrufen und dort prüfen, ob tatsächlich eine entsprechende Aufforderung vorliegt. Bei Nachrichten von angeblich bekannten Personen im Zweifel über einen bereits bekannten Kontaktweg nachfragen, statt direkt auf die Nachricht zu antworten.

Persönliche Informationen bedeuten nicht automatisch Vertrauen

Eine Nachricht wirkt nicht deshalb vertrauenswürdig, weil sie den richtigen Namen, die korrekte Position oder einen tatsächlich bekannten Geschäftspartner nennt. Solche Informationen können öffentlich zugänglich sein oder aus anderen Quellen stammen. Entscheidend ist, ob die Aufforderung über einen unabhängigen Kontaktweg bestätigt werden kann.

Handlungsempfehlungen: Zahlungsaufforderungen, Änderungen von Bankverbindungen oder Anfragen nach vertraulichen Informationen immer über einen unabhängig bekannten Kontaktweg überprüfen. Nicht die Telefonnummer oder E-Mail-Adresse aus der verdächtigen Nachricht verwenden, sondern bereits bekannte Kontaktdaten nutzen. Auch innerhalb des Unternehmens sollten klare Freigabe- und Kontrollprozesse für Zahlungen und besonders sensible Vorgänge bestehen.

Konten- und Account-Übernahme: Besonders weitreichend

Ein gestohlenes Konto ist nicht nur deshalb problematisch, weil der ursprüngliche Nutzer den Zugriff verliert. Je nach Dienst können Angreifer dort gespeicherte persönliche Informationen, Nachrichten oder Kontakte einsehen und das Konto anschliessend für weitere Betrugsversuche verwenden.

Das gilt insbesondere für E-Mail-Konten. Wer Zugriff auf ein solches Konto erhält, kann u.U. Passwortzurücksetzungen für andere Dienste anstossen. Dadurch entsteht aus einem einzelnen kompromittierten Zugang ein grösseres Sicherheitsproblem.

Handlungsempfehlungen: Für jeden wichtigen Dienst ein eigenes, starkes Passwort verwenden und, wo möglich, einen Passkey oder eine Mehr-Faktor-Authentifizierung einsetzen. Bei einem Verdacht auf eine Kontoübernahme das Passwort sofort über die offizielle Website des Dienstes ändern, aktive Sitzungen beenden sowie hinterlegte Wiederherstellungsdaten prüfen. Auch andere Konten kontrollieren, wenn dasselbe Passwort dort verwendet wurde.

Fernzugriff besonders kritisch prüfen

Wer einem unbekannten Supportmitarbeiter Fernzugriff auf den eigenen Computer gewährt, gibt einen Teil der Kontrolle über das Gerät ab. Je nach Software und Berechtigungen kann der Angreifer Dateien einsehen, Programme bedienen oder weitere Aktionen durchführen.

Handlungsempfehlungen: Unerwartete Support-Anrufe oder Warnmeldungen nicht als Anlass für einen Fernzugriff akzeptieren. Keine Fernzugriffssoftware auf Aufforderung eines unbekannten Kontakts installieren und keine Zugangsdaten oder Sicherheitscodes weitergeben. Besteht tatsächlich ein technisches Problem, den Anbieter über dessen bekannte offizielle Website oder die bereits bekannte Supportnummer selbst kontaktieren.

MFA schützt nicht automatisch vor jedem Angriff

MFA erschwert viele Angriffe, ist aber kein Freipass. Wenn Nutzer eine unerwartete Anmeldung selbst bestätigen oder einen Sicherheitscode an einen Betrüger weitergeben, wird der zusätzliche Schutz unwirksam.

Besonders wichtig ist deshalb, keine MFA-Anfrage zu bestätigen, die man nicht selbst ausgelöst hat.

Handlungsempfehlungen: Unerwartete MFA-Anfragen niemals bestätigen und Sicherheitscodes niemals an andere Personen weitergeben. Bei wiederholten Anfragen die Ursache prüfen und das Passwort des betroffenen Kontos über die offizielle Website ändern, wenn ein unbefugter Anmeldeversuch vermutet wird. Wo verfügbar, moderne MFA-Verfahren wie Passkeys oder Sicherheitsschlüssel bevorzugen.

Themen: CybercrimeDatensicherheitIT-Sicherheit

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Über die Person

Miriam Schäfer

Erstellt und betreut Fachinhalte für dataloft zu Datenschutz, Online-Recht, KI und digitalen Trends. Verantwortlich für Content, Redaktion und Social Media bei rundum.dog.

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