Seit Jahren sind Cyberkriminelle auf dem Vormarsch und nutzen schĂ€dliche Programme, um sensible Daten von Firmen oder Privatpersonen zu stehlen. Die Gier nach Informationen hat bei vielen dazu gefĂŒhrt, dass sie unvorsichtiger geworden sind. Auch die damalige Situation rund um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 wurde von Cyberkriminellen ausgenutzt. Besonders beliebt bei BetrĂŒgern: Live-Karten-FĂ€lschungen der Johns Hopkins University, die dem Nutzer Informationen zur Ausbreitung des Virus bereitstellen.
Kaum ein Thema beherrschte die Nachrichten wie das neuartige Coronavirus. Die neue Form der Lungenkrankheit beunruhigte Millionen von Menschen weltweit. TĂ€glich wurden neue Corona-FĂ€lle gemeldet, die Zahl der Infizierten stieg weiter. Die Pandemie sorgte nicht nur fĂŒr weltweite Panik â sie machte es Internetkriminellen leichter, Datenlecks zu finden und auszunutzen.
Fake-Meldungen im Umlauf
In den vergangenen Wochen kursierten dutzende Falschmeldungen zum Virus. Unbekannte streuten etwa, SupermĂ€rkte seien nur noch zwei Stunden geöffnet oder diverse Toilettenpapier-Sorten mit SARS-CoV-2 infiziert worden. Falsch â und gezielt eingesetzt, um Angst und Schrecken zu schĂŒren.
GefĂ€hrliche Tipps machten ebenfalls die Runde: Diverse Personen behaupteten, die Einnahme von MMS (Miracle Mineral Supplement), auch bekannt als CDS (Chlordioxid-Lösung), schĂŒtze vor einer Infektion. In Wahrheit handelt es sich um ein Bleichmittel â gefĂ€hrlich und wirkungslos.
Ebenfalls in Umlauf: eine Nachricht ĂŒber das Schmerzmittel Ibuprofen. Es solle laut unbekannten Verfassern die Symptome von SARS-CoV-2 verstĂ€rken und unter anderem fĂŒr die hohe Sterberate in Italien verantwortlich sein. WHO-Experten haben die Behauptung geprĂŒft und widerlegt: Abgesehen von den bekannten Nebenwirkungen gibt es keine Hinweise darauf, dass Ibuprofen Corona-Symptome verschlimmert.
Solche Fehlmeldungen verbreiten sich ĂŒber soziale Netzwerke wie ein Lauffeuer â Verunsicherung und Panik inklusive. Besonders kritisch: Kettenbriefe mit angeblichen Tipps gegen Corona, gerne ĂŒber WhatsApp oder Facebook verbreitet. Dahinter versteckt sich oft Malware.
Cyberkriminelle nutzen Angst schonungslos aus
Das Internet wurde zur zentralen Informationsquelle rund um das Coronavirus â und Cyberkriminelle nutzten diesen Hunger nach Informationen konsequent aus. Mit Fehlmeldungen versuchten BetrĂŒger, Malware zu verbreiten, indem sie Nutzer durch falsche Versprechen auf ihre Seiten lockten. Ein Klick auf den Link genĂŒgte â und Viren, Spyware oder Trojaner breiteten sich auf dem Computer aus. Im schlimmsten Fall wurden sensible Daten gestohlen und GerĂ€te beschĂ€digt.
GefÀhrliche Live-Karten
Besondere Vorsicht galt bei sogenannten Live-Karten, die die aktuelle Verbreitung von SARS-CoV-2 darstellten. Forscher warnten vor Karten, die im Hintergrund Malware auf den Computer schmuggeln, wĂ€hrend sie die Ausbreitung des Virus in Echtzeit anzeigen. Verbreitet wurden sie meist per Mail, WhatsApp oder Facebook Messenger. Ein Klick installierte die interaktive Karte auf dem Computer. Nach dem Ăffnen der Datei â hĂ€ufig unter dem Namen Coronamap.exe, rund 3,26 MB gross â wurde zwar die Infektionskarte angezeigt, gleichzeitig aber Schadsoftware geladen.
BetrĂŒger konnten so unbemerkt Nutzernamen, Passwörter und Kreditkartennummern abgreifen. Das Programm machte Screenshots und sammelte Browserverlauf-Daten. In manchen FĂ€llen waren sogar SchlĂŒssel fĂŒr KryptowĂ€hrungen angreifbar. Laut Experten stammt die Software aus der Malware-Familie âAZORult“ â einmal installiert, sind persönliche Daten nicht mehr sicher.
Offizielle Karte im Internet abrufbar
Sicherheitsforscher von Reason Cyber Security haben in ihrem Blog klargestellt: Die richtige Karte der Johns Hopkins University ist im Netz offiziell abrufbar und steht nicht zum Download bereit. Sie gilt als seriöse Quelle fĂŒr den aktuellen Stand der Ausbreitung.
Die interaktive Karte zeigt die Zahl der Infizierten, bestĂ€tigte FĂ€lle pro Land sowie TodesfĂ€lle und Genesungen. Das offizielle Dashboard ist eine Webseite â keine herunterladbare Windows-Applikation.
Gerade in dieser Zeit lohnt es sich, genau hinzuschauen, welche Dateien du öffnest. Ein aktuelles Anti-Malware-Programm auf dem GerĂ€t ist kein Luxus. Und den Virenschutz regelmĂ€ssig auf Updates zu prĂŒfen, kostet wenig â und schĂŒtzt viel.