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Angriff auf Nextcloud-Server durch Ransomware NextCry

Geschrieben von
Roger Klein
ransomware ablÀufe

Derzeit attackiert eine Linux-Ransomware Nextcloud-Server. Sie verschlĂŒsselt Dateien und fordert fĂŒr die EntschlĂŒsselung Lösegeld. Das Einfallstor könnte eine NGINX/PHP-FPM-LĂŒcke sein. Der Erpressungstrojaner lĂ€uft nur unter Linux und ist als NextCry bekannt.

Was ist eine Ransomware?

Diese Malware hat einen einzigen Zweck: Lösegeld erpressen (englisch ransom = „Lösegeld“). Das geschieht durch VerschlĂŒsselung wichtiger Daten auf dem infizierten Rechner – daher auch die Bezeichnungen VerschlĂŒsselungs- oder Erpressungstrojaner, Kryptotrojaner oder Erpressungssoftware.

Wie geht NextCry vor?

Das Programm verschlĂŒsselt Dateien im Cloudspeicher mit 265-Bit-SchlĂŒssellĂ€nge und der Blockchiffre AES, danach erzeugt es eine Lösegeldforderung. Bleeping Computer (IT-News-Webseite) schildert das Vorgehen detaillierter. Die Forderung lag Mitte Dezember 2019 bei 0,025 Bitcoin – am 9. Januar 2020 umgerechnet knapp 180 Euro.

Vor der VerschlĂŒsselung löscht der Trojaner mehrere Ordner, die eine Datenwiederherstellung ermöglicht hĂ€tten. Die Chancen auf EntschlĂŒsselung ohne Lösegeldzahlung sinken dadurch drastisch; einige Experten halten den Versuch fĂŒr gĂ€nzlich aussichtslos. Sie raten deshalb dringend zu permanenten Back-ups (siehe weiter unten).

Die genaue Verbreitung des SchÀdlings ist nicht bekannt. Möglicherweise waren deutsche Nutzer noch nicht betroffen. Threads zu dieser Erpressungs-Malware findest du unter anderem im Security-Forum von Bleeping Computers und im Supportbereich von Nextcloud.

Analyse des SchÀdlings

Die Online-Analyseplattform VirusTotal hat ein einzelnes NextCry-Sample untersucht. Ergebnis (Stand Januar 2020): Nur 18 der 58 wichtigen Antiviren-Engines erkannten den Trojaner – bzw. dieses spezifische Sample. Mehrere Nutzer des Bleeping-Computer-Forums haben sich den NextCry-Code angesehen. Es handelt sich um ein Python-Skript, das zu einer ELF-Datei kompiliert wurde. Der VerschlĂŒsselungsmechanismus ist sicher und intakt. Eine EntschlĂŒsselung ohne Lösegeldzahlung erscheint schlichtweg ausgeschlossen.

Als Angriffsvektor wird möglicherweise CVE-2019-11043 genutzt. Bleeping Computer verweist darauf, dass der erste betroffene Nutzer angab, Nextcloud mit NGINX als Reverse-Proxy zu betreiben. Schon einen Monat zuvor hatte Nextcloud einen Sicherheitshinweis zu einer inzwischen gefixten LĂŒcke im FastCGI-Prozessmanager PHP-FPM veröffentlicht, der fĂŒr NGINX gebrĂ€uchlich ist (CVE-2019-11043). Die LĂŒcke erlaubt entfernten Angreifern unter sehr eng definierten Voraussetzungen die CodeausfĂŒhrung auf verwundbaren Webservern. Der Exploit-Code ist öffentlich zugĂ€nglich.

Gibt es Sicherheitsmaßnahmen gegen die Ransomware?

Ja. Nextcloud-Admins können ihre Systeme gegen das Einfallstor CVE-2019-11043 absichern: die NGINX-Konfigurationsdatei anpassen und die PHP-Packages updaten – so beschrieb es der genannte Sicherheitshinweis.

Stand Januar 2020 ist aber noch unklar, ob dieses Update vollstĂ€ndig schĂŒtzt oder ob weitere, bisher ungefixte Schwachstellen in Nextcloud existieren. Alle Experten betonen deshalb die Notwendigkeit regelmĂ€ssiger Back-ups in einem engen Zeitfenster.

Dass CVE-2019-11043 ein Einfallstor ist, hat Nextcloud im jĂŒngsten Statement bestĂ€tigt. Die Supporter wiesen gleichzeitig darauf hin, dass NGINX nur von wenigen Nextcloud-Nutzern verwendet wird und diese die verwundbaren Packages wahrscheinlich bereits aktualisiert hĂ€tten. Bislang bekannt sind nur zwei ausfĂŒhrliche Angriffsschilderungen. Nextcloud hat die Admins ĂŒber verschiedene KanĂ€le auf die bestehende Gefahr hingewiesen.

Generelle Gefahren durch Ransomware, Schutzmöglichkeiten

NextCry ist nicht der einzige kursierende Erpressungstrojaner. Die Gefahren durch diese Art Malware lassen sich kaum ĂŒberschĂ€tzen. Manche Varianten verschlĂŒsseln gezielt die wichtigsten Dateien auf dem Rechner – bei Windows-Systemen meist unter «Eigene Dateien». E-Mail-Inhalte, Datenbanken, Fotos, Archive: ohne EntschlĂŒsselungspasswort in den meisten FĂ€llen dauerhaft verloren.

Das Lösegeld soll auf verschlĂŒsselten Wegen, oft in Bitcoin, gezahlt werden. Bei Polizeikontakt drohen die Kriminellen mit kompletter Datenvernichtung. Selbst wer zahlt und tatsĂ€chlich ein Passwort erhĂ€lt, sollte die freigegebenen Daten sichern – und den Rechner danach nicht weiter anfassen. Die Schadsoftware kann im Hintergrund weiter aktiv sein und Daten abgreifen. Onlinebanking auf diesem Rechner ist tabu, erst recht zur Lösegeldzahlung. Manche Angreifer geben die Daten trotz Zahlung nie frei.

Experten empfehlen deshalb:

  • Daten regelmĂ€ssig auf externen Medien sichern – diese ausser wĂ€hrend des Back-ups stets vom Rechner getrennt halten.
  • Betriebssysteme immer aktuell halten. Alle angebotenen Updates zĂŒgig installieren.
  • E-Mail-AnhĂ€nge – besonders von unbekannten Absendern – mit grösster Vorsicht behandeln.
  • Virenschutz und Firewall sind Pflicht.

FĂŒr Back-ups gilt die 3-2-1-Regel: drei Kopien auf zwei DatentrĂ€gern, einer davon ausser Haus. Nach jedem Back-up prĂŒfen, ob es funktioniert hat. Alle Fachleute bestehen auf Back-ups; viele lehnen Lösegeldzahlungen prinzipiell ab – das kann sich aber nur leisten, wer seine Daten wirklich konsequent gesichert hat.

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Über die Person

Roger Klein

GeschĂ€ftsfĂŒhrer dataloft GmbH. WordPress seit Version 3, Frauenfeld. Verantwortet bei dataloft Strategie, Architektur und KI-Integration. Baut mit Mattes und Elena rundum.dog, die grösste deutschsprachige Hunde-Wissensplattform.

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