Datenschutz ist kein neues Thema – aber ein dringlicheres. Noch vor wenigen Jahren waren die meisten Patient:innen überzeugt, ihre Daten seien in Spitälern und anderen Einrichtungen im Gesundheitssektor sicher aufgehoben. Dieses Bild bekommt Risse. Untersuchungen zeigen: Datenschutzpannen passieren im Gesundheitswesen regelmässig – und häufiger, als die meisten vermuten.
Datenschutzpannen in Schweizer Spitälern
Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) trat im Frühjahr 2018 in Kraft. Seither hat sich einiges verändert – aber nicht genug. Allein in Deutschland wurden im vergangenen Jahr über 1.000 Datenpannen gemeldet, die entstanden, weil Patienteninformationen an falsche Empfänger verschickt wurden. Unbeabsichtigt, ja – aber nicht weniger gravierend.
Pannen kommen überall vor: in Arztpraxen, Kliniken, Laboren. Schreibfehler, vertauschte Adressen, Verwechslungen bei der schieren Menge an Patient:innen. Meist sind es Einzelfehler ohne erkennbares Muster. Die Analyse gemeldeter Fälle zeigt: In den meisten Fällen steckt menschliches Versagen dahinter.
Datenschutzpannen durch menschliches Versagen
Am Empfang bespricht das Personal Untersuchungsergebnisse – andere Patient:innen im Warteraum können es mithören. Der Empfang ist kurz unbesetzt – genug Zeit, damit Unbefugte über Ablagen oder einen offenen PC auf Patientendaten zugreifen. Angestellte geben detaillierte Gesundheitsinformationen telefonisch weiter, ohne zu prüfen, wer wirklich am Hörer ist.
Das sind keine Einzelfälle. Es sind strukturelle Alltagsfehler beim sorgfältigen Umgang mit sensiblen Patientendaten – und die Folgen können gravierend sein.
Die DSGVO sorgt für strengere Vorschriften
Als Reaktion auf diese Pannen wurde die DSGVO-Meldepflicht deutlich verschärft. Das Problem: Die Dunkelziffer dürfte erheblich höher liegen. Nicht jede Panne wird entdeckt, nicht jede gemeldet.
Was hilft? Warnungen und Mahnungen reichen nicht. Ob hohe Bussgelder Unternehmen wirklich dazu bringen, Datenschutz ernster zu nehmen, bleibt fraglich. Ohne konsequente Umsetzung in der täglichen Praxis wird sich die Zahl der Datenschutzpannen im Schweizer Gesundheitswesen nicht nachhaltig reduzieren lassen.