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Ein Lagebericht zum Datenschutz: Wie sicher sind wir, wie können wir uns verbessern?

Geschrieben von
Roger Klein
End-to-End-VerschlĂŒsselung von Zoom

Die Melde- und Analysestelle Informationssicherung (MELANI) hat kĂŒrzlich zum 30. Mal ihren Halbjahresbericht abgeliefert. Darin finden sich unzĂ€hlige Einzelheiten zu Spionage-VorfĂ€llen, Phishing-Kampagnen, Zuwachs bestimmter Angriffsarten und allerlei Betrugsversuchen. Es geht um Schwachstellen und PrĂ€ventivmassnahmen, nicht zuletzt gegen Datendiebstahl. Ausgangspunkt sind Personendaten im Internet, kurzum: gleichzeitig ein Lagebericht ĂŒber den Datenschutz, mit dem wir uns heute wiederholt – unserem Leitartikel folgend – befassen.

MELANI und der Datenschutz

Die Meldestelle ist direkt vom Bundesrat beauftragt und befasst sich mit dem „Schutz kritischer Infrastrukturen“. Neben Transport und Verkehr, Energie und Gefahrstoffen steht die Informationstechnologie (IT) auf der Liste besagter kritischer Strukturen ganz weit oben. Generell handelt es sich um Einrichtungen mit hoher Bedeutung fĂŒr das staatliche Gemeinwesen – bei einer Störung oder einem Ausfall dieser Strukturen sind wichtige gesellschaftliche Funktionen beeintrĂ€chtigt.

Am 30.01.2019 beschloss der Bundesrat, dass der Bereich noch weiter gestĂ€rkt werden soll: Auf MELANI wird ein „Kompetenzzentrum fĂŒr Cybersicherheit“ aufgebaut. Das Zentrum ist erste Anlaufstelle fĂŒr alle Fragen zu Cyber-Risiken – also Gefahren, die beim Steuern durch die digitale Welt begegnen. Sowohl fĂŒr Privatverbraucher als auch Firmen gibt es ein praktisches Meldeformular, um einen Verdachtsfall zu kommunizieren – der dann entsprechend weiterverfolgt wird.

Kernthemen sowohl von Lagebericht als auch Datenschutz

Der Bericht beschĂ€ftigt sich umfangreich mit Personendaten – oder vielmehr deren Verlust, wenn das Speichermedium von einem Angriff betroffen ist. Die Angriffsarten und ihre möglichen Folgen sind facettenreich. Wir fassen die Ergebnisse ĂŒbersichtlich zusammen. Am Ende stellen wir weitere Überlegungen an, was wir aus den Schilderungen lernen können (und sollten!). In zukĂŒnftigen BeitrĂ€gen gehen wir auf einige Unterpunkte nĂ€her ein.

Spionage und Erpressung

Diese zwei Methoden gehören zum Standardrepertoire von Cyberkriminellen. Bei beiden geht es letztlich um Geld – genauso aber auch um illegalen Datendiebstahl. Über verschiedene Wege sammeln Kriminelle auf nicht legitimem Weg vertrauliche Daten (Spionage); in manchen FĂ€llen fordern sie horrende Zahlungen von den Opfern (Erpressung). Das waren die FĂ€lle allein im zweiten Halbjahr 2019:

  • Microsoft identifiziert Cyberattacken gegen Anti-Doping-Behörden sowie Sportorganisationen, sie stehen im Zusammenhang mit der Verschiebung der Olympischen Spiele.
  • Eine Phishing-Kampagne, ebenfalls mit Olympia-Thematik, erreicht mindestens 170.000 Personen in Japan und den USA.
  • Das IT-Sicherheitsunternehmen „ESET“ meldet die Entdeckung einer SicherheitslĂŒcke bei MSSQL.
  • Zwei „Spear-Phishing“-Wellen gegen Stromanbieter in den USA finden statt.
  • Mehrere „DDoS“-Attacken gegen Schweizer Onlinemedien ereignen sich, einige davon im Zuge einer Erpressung.
  • MELANI erkennt insgesamt ĂŒber 500 gehackte Webseiten in der Schweiz und informiert die Betreiber.
  • Im September bedient sich ein Krimineller des „CEO Frauds“ und imitiert mithilfe von Sprachsoftware sogar die Stimme des GeschĂ€ftsfĂŒhrers.
  • MELANI erhĂ€lt diverse Meldungen ĂŒber falsche Handelsplattformen zu KryptowĂ€hrungen.
  • In 50 LĂ€ndern sind fast 16 Millionen vertrauliche Patientendaten im Netz gelandet.
  • Ein Kontaktmann des russischen Geheimdienstes wird gehackt, seine Daten werden in den Medien publiziert.
  • Das Ticket- und Zahlsystem eines Schweizer Fussballclubs ist von Ransomware betroffen.
  • In Frankreich muss ein UniversitĂ€tsspital vorĂŒbergehend analog arbeiten, da das System ebenfalls von Ransomware befallen ist.
  • Die Ransomware bekannt unter dem Namen „Ryuk“ befĂ€llt fĂŒnf Betriebe der Erdöl- und Gasindustrie.
  • Eine Hacker-Gruppe stiehlt 700 MB Daten von einer Sicherheitsfirma.
  • Der Trojaner „Emotet“ ist nach einer leichten Minderung gegen Jahresende hin wieder zunehmend aktiv.
  • Im Echtzeit-Betriebssystem „VxWorks“ wird eine markante SicherheitslĂŒcke entdeckt.
  • Die Abteilung fĂŒr CyberkriminalitĂ€t der Kantonspolizei ZĂŒrich sperrt 450 Fake-Shops im Internet.
  • 228 GeldwĂ€scher werden verhaftet (Europol-Meldung). Nicht alle, aber einige stehen im Zusammenhang mit GeldwĂ€sche ĂŒber virtuelle WĂ€hrungen.

Attacken auf den Datenschutz

Anhand der vorherigen Liste entsteht vielleicht ein erster Eindruck, auf welche Weise die unterschiedlichen Angriffe daherkommen. Das erste Ziel der Kriminellen ist wie gesagt die Spionage – zeitgleich ist sie der erste Schritt innerhalb einer möglichen „Angriffskette“. Auch wenn die Angriffe verschieden aussehen: In ihren Folgen und Auswirkungen unterscheiden sie sich eher selten.

DDoS-Angriffe

Die AbkĂŒrzung steht fĂŒr „Distributed Denial of Service“ – eins zu eins ĂŒbersetzt: „verteilte Verweigerung des Dienstes“. Die möglichen Folgen sind damit schon beinahe klar: Der Angreifer will das System des Opfers lahmlegen. Solche Attacken können im Zusammenhang mit einer Erpressung stehen – mĂŒssen es aber nicht. Finanzielle SchĂ€den entstehen auch ohne Lösegeld-Forderungen: Systemwiederherstellung und Fehlerbehebung kosten viel. Umsatzeinbussen kommen je nachdem hinzu, wie stark das Angebot eines Betreibers auf digitaler Verarbeitung basiert.

Defacements

Defacement steht fĂŒr „Verunstaltung“ oder „Entstellung“. Bei dieser Methode sind besonders Internetseiten das Ziel – es geht dabei nicht bloss um die optische Verunstaltung einer Homepage, sondern um die gezielte Platzierung schĂ€dlicher Skripts. In einer gehackten Website lassen sich Funktionen integrieren, die entweder SicherheitslĂŒcken im eigenen Betriebssystem ausnutzen oder Schadsoftware weiterverteilen.

Drive-By

Vorbeifahren oder eher „gefahren von“? Beides kann zutreffen. Es gibt sogenannte Drive-By Downloads, nebenbei auch Drive-By Malware und Drive-By Infektionen. Der Begriff steht innerhalb der Informationssicherheit fĂŒr eine Technik, mit der ĂŒblicherweise Daten kompromittiert werden: Ein Download von einem gefĂ€lschten Anbieter, ein unechter Link, der auf etwas anderes verzweigt, falsche Werbung, Fake-News – oder bereits gehackte Webseiten. In allen FĂ€llen glaubt das spĂ€tere Opfer an die Echtheit des Mediums. Statt des erwarteten Ergebnisses landet Malware auf dem GerĂ€t.

Appelle an den Datenschutz

MELANI spart nicht an Empfehlungen fĂŒr Verbraucher. Hinter jedem Kapitel finden sich ganze Blöcke mit relevanten RatschlĂ€gen. Die Rede ist von Grössen wie Microsoft, öffentlichen Dienstleistern wie Stromanbietern und Millionen internationaler DatensĂ€tze. Die echten – erschreckenden – Zahlen verstecken sich leider viel zu oft im Fliesstext. Wer den Lagebericht nur querliest, könnte verleitet sein zu denken: „Das kann mir nicht passieren!“ – und nimmt sich die Folge-Tipps gar nicht mehr zu Herzen.

Wer gut aufgepasst hat, sieht aber auch: Wir sind in der Schweiz mit dem Datenschutz zwar gut aufgestellt, doch auch bei uns gibt es Handlungsbedarf. Reicht die letzte Revision unseres Datenschutzgesetzes aus – oder fĂŒhrt sie letztlich nur zu Spannungen innerhalb der Firmenstruktur? Warum gehen Opfer von CyberkriminalitĂ€t nach wie vor sehr sparsam mit Meldungen um? Warum steht die Angst vor „Public Shaming“ ĂŒber dem Willen, in Sicherheitsstandards zu investieren?

Wusstest du zum Beispiel, dass die eidgenössische ElektrizitĂ€tskommission letztes Jahr bekannt gab, dass in den Sicherheitsmassnahmen unserer ElektrizitĂ€tsversorgung noch Optimierungspotenzial besteht? Und wusstest du, dass auch Schweizer Markennamen von Drive-By Phishing-Kampagnen betroffen waren? Bei den oben in den Stichpunkten genannten Patientendaten gab es zwar keinen Hinweis, dass darin auch Schweizer enthalten waren – allerdings waren einige der betroffenen Server hierzulande ansĂ€ssig.

Lesen Sie weiter…

Hast du ein anstĂ€ndiges Business Continuity Management (BCM)? Wie sieht es mit dem Life-Cycle und Patch-Management in deinem Unternehmen aus? Das – und noch viel mehr – erfĂ€hrst du in unseren nĂ€chsten Blog-BeitrĂ€gen zum „Rundumblick Datenschutz“.

Themen: DatensicherheitSchweizStudie

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Über die Person

Roger Klein

GeschĂ€ftsfĂŒhrer dataloft GmbH. WordPress seit Version 3, Frauenfeld. Verantwortet bei dataloft Strategie, Architektur und KI-Integration. Baut mit Mattes und Elena rundum.dog, die grösste deutschsprachige Hunde-Wissensplattform.

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