Viele Webseiten- und Shopbetreiber fragen sich: Was ist eigentlich einfache Sprache – und wann lohnt es sich, sie zu nutzen? Einfache Sprache macht Texte verständlich für möglichst viele Menschen. Besucher:innen erfassen Informationen schneller und treffen leichter Entscheidungen. Auch wenn Unternehmen in der Schweiz nicht gesetzlich verpflichtet sind, Texte in einfacher Sprache zu schreiben: Für bessere Nutzerfreundlichkeit, Barrierefreiheit und SEO zahlt es sich aus.
Rechtliche Relevanz von einfacher Sprache
Viele Unternehmen fragen sich, ob sie Texte in einfacher Sprache schreiben müssen.
- In der Schweiz: Für private Webseiten oder Shops gibt es keine gesetzliche Pflicht. Du musst also nicht alle Texte in einfacher Sprache schreiben.
- Für öffentliche Stellen in der Schweiz: Bund, Kantone und Gemeinden müssen barrierefreie Inhalte anbieten. Das bedeutet, dass alle Menschen die Informationen verstehen und nutzen können – zum Beispiel Menschen mit Lernschwierigkeiten. Hier wird oft leichte Sprache genutzt.
- Wenn du in der EU tätig bist: Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen in der EU anbieten, müssen digitale Inhalte barrierefrei gestalten (EU Accessibility Act). Das betrifft Websites, Shops, Apps oder Online-Services. Die Inhalte müssen verständlich sein – einfache Sprache hilft, diese Anforderungen zu erfüllen.
Für Schweizer KMUs gilt:
- Keine direkte Pflicht in der Schweiz für Webseiten oder Shops.
- Empfehlenswert, wenn du international tätig bist oder die Nutzerfreundlichkeit verbessern willst.
Warum einfache Sprache für Unternehmen sinnvoll ist
Einfache Sprache bringt handfeste Vorteile – besonders für Unternehmen mit Websites oder Online-Shops.
1️⃣ Mehr Reichweite
Texte in einfacher Sprache werden von mehr Menschen verstanden. Personen, die Deutsch als Fremdsprache sprechen, lesen die Inhalte leichter. Menschen mit Lern- oder Leseschwierigkeiten verstehen die Informationen besser.
So erreichst du eine grössere Zielgruppe und mehr Kunden.
2️⃣ Bessere Nutzererfahrung
Klar formulierte Inhalte reduzieren Rückfragen und Missverständnisse. Besucher:innen finden schneller, was sie suchen. Anleitungen, Produktinfos oder Bestellprozesse werden einfacher verstanden.
Zufriedene Nutzer:innen bleiben länger auf der Website (Verweildauer) und kaufen eher ein (Conversion Rate/Konversionsrate).
3️⃣ SEO-Vorteil
Suchmaschinen wie Google bevorzugen gut strukturierte, verständliche Texte. Klare Überschriften, kurze Sätze und einfache Wörter helfen Suchmaschinen, Inhalte besser einzuordnen.
Wer verständlich schreibt, wird eher gefunden und hat bessere Chancen auf gute Platzierungen (Ranking).
4️⃣ Barrierefreiheit
Einfache Sprache macht deine Inhalte zugänglich für Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder Leseschwierigkeiten. Auch ältere Nutzer:innen oder Personen mit wenig Interneterfahrung profitieren davon.
Barrierefreie Inhalte zeigen, dass dein Unternehmen auf die Bedürfnisse aller Kund:innen achtet – das stärkt dein Image.
Einfache Sprache ist damit kein Nice-to-have. Sie hilft mehr Menschen zu erreichen, verbessert die Nutzererfahrung, stärkt SEO und macht Inhalte zugänglich. Für Webseiten- und Shopbetreiber ist sie ein praktisches Werkzeug – für mehr Reichweite und mehr Kundenzufriedenheit.
Was einfache Sprache konkret bedeutet: Leitfaden mit Beispielen
Einfache Sprache heisst: Texte so schreiben, dass alle Menschen sie leicht verstehen können.
Kurzer, aktiver Satzbau
- Kurze Sätze: 8–12 Wörter, maximal zwei Hauptsätze verbinden.
- Aktive Form: Schreibe „Wir senden dir das Formular“ statt „Das Formular wird dir gesendet“. (Mehr Tipps hier: Lesefreundlichkeit und SEO im Fokus: Aktiver Satzbau macht den Unterschied)
- Keine Schachtelsätze: Nebensätze vermeiden oder auflösen.
Beispiel: Komplex: „Reiche die Unterlagen nicht rechtzeitig ein, kann das zu Verzögerungen führen.“ Einfach: „Reiche die Unterlagen rechtzeitig ein. Sonst verzögert sich alles.“
Einfache Begriffe & Wörter
- Einfache, allgemein bekannte Wörter verwenden.
- Fachbegriffe vermeiden oder erklären.
- Keine Metaphern oder Sprichwörter, die verwirren können.
Beispiel: „Implementierung“ → „Umsetzung“. „Das Projekt ist ins Stocken geraten“ → „Das Projekt geht langsam voran“.
Was ist mit Grammatik und Rechtschreibung?
Einfache Sprache bedeutet verständlich schreiben – nicht, dass Grammatik oder Rechtschreibung egal sind.
Die Grundregeln gelten genauso (Satzbau, Artikel, Satzzeichen sollten richtig sein). Kürzere Sätze helfen, Schwierigkeiten von vornherein zu vermeiden.
Anrede & Höflichkeit: Duzen bevorzugen
Viele andere Sprachen kennen kein Siezen. Im Englischen gibt es nur die Du-Form – die Höflichkeit ergibt sich aus dem Zusammenhang.
Das Siezen kann deshalb verwirrend sein, besonders für Menschen, die Deutsch als Fremdsprache lernen.
In einfacher Sprache ist die Du-Form leichter verständlich.
Einfache Struktur & Übersicht
- Absätze, Überschriften und Listen machen Texte leichter erfassbar.
- Nummerierte Schritte bei Anleitungen.
- Hervorhebungen (fett/unterstrichen) für besonders wichtige Infos.
Zahlen, Daten, Statistiken verständlich darstellen
- Zahlen ausschreiben oder einfach darstellen
- Prozente/Statistiken erklärend beschreiben
- Brüche in einfache Zahlen umwandeln, wenn möglich
Beispiele:
- 3 Tage statt drei Werktage
- 03.03.2026 → 3. März 2026
- 10 von 100 Personen statt 10 %
- Statt: „Unsere Plattform hat 1’250’000 Nutzer“ – Einfach: „Unsere Plattform hat rund 1 Million Nutzer“
- Statt: „Die Aktion gilt vom 01.03. bis 31.03.2026″ – Einfach: „Die Aktion gilt den ganzen März“
- „Ein Drittel der Teilnehmer*innen hat die Umfrage abgeschlossen“ → „Von 3 Teilnehmern hat 1 die Umfrage abgeschlossen“
- „Die Conversion-Rate stieg um 15 %“ → „Von 100 Besuchern haben 15 etwas gekauft. Das sind 15 mehr als vorher.“
Einfache Sprache & Gendern
Gendern ist auch bei einfacher Sprache erlaubt, sollte aber die Verständlichkeit nicht behindern. Kurze Faustregel: In einfacher Sprache hat Verständlichkeit Vorrang vor inklusiver Schreibweise.
Kurze, neutrale Wörter schlagen komplizierte Schreibweisen.
Gendern kann manchmal verwirrend sein – besonders für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder Deutsch als Fremdsprache. Beispiel: „Mitarbeiter:innen“ – einige Personen verstehen nicht sofort, dass das alle Mitarbeiter meint.
Lösung: Verwende einfache, neutrale Begriffe, z. B. „Mitarbeitende“ statt „Mitarbeiter*innen“ (erfüllt sowohl Verständlichkeit als auch Inklusion). Oder schreib kurz „alle Mitarbeiter“ – formal nicht gegendert, aber klar und verständlich.
Prüfen und testen
Lass deine Texte von Personen mit unterschiedlichen Hintergründen lesen – Laien, Lernende, Nicht-Muttersprachler.
Finde heraus, ob jede/r den Text ohne zusätzliche Infos versteht.
Hilfreich: den Text einmal laut vorlesen lassen – von einer anderen Person oder einem Text-to-Speech-Programm. Das bringt oft einen anderen Blick auf das Geschriebene.
Checkliste für einfache Sprache auf einen Blick
✅ Kurze Sätze verwenden
✅ Fachbegriffe vermeiden oder verständlich erklären
✅ Aktive Sprache nutzen
✅ Überschriften, Absätze, Listen für die Struktur nutzen
✅ Zahlen verständlich darstellen
✅ Duzen oder einheitliche Anrede wählen
✅ Texte testen: Können alle Besucher den Inhalt verstehen?