Mit der Anfangs August 2016 vorgestellten Funktion der „Stories“ hat sich Instagram mal schnell mit dem, bei Unternehmen, eher unbeliebten Snapchat angelegt. Der Social-Media-Mainstream wurde durch Content erweitert, der nach einer gewissen Zeit verschwindet. Auch wenn man es auf den ersten Blick nicht sieht: Es gibt Unterschiede zwischen diesen zwei Funktionen.
Facebook – übrigens die Mutter von Instagram – hat nach dem gescheiterten Versuch, Snapchat zu kaufen, mehrfach Apps herausgebracht, die junge Leute von Snapchat wegholen sollten. Die meisten davon wurden bereits wieder eingestampft. Kein Geheimnis ist ausserdem, dass sich immer mehr – vor allem junge – Leute von Facebook und Instagram verabschieden und zu Snapchat wechseln. Was macht man also? Man wandelt Instagram in eine Art Snap-Klon um. Klingt nicht sonderlich innovativ, wirtschaftlich gesehen ist es aber das Richtige. Warum nicht die Stärken von über 500 Millionen aktiven Nutzern der Tochterfirma nutzen – zum Vergleich: Snapchat hat ca. 120 Millionen – um die jungen Leute zurückzuholen?
Gemeinsamkeiten von Instagram und Snapchat
Sowohl Instagram Stories als auch Snapchat bieten wenige Sekunden lange Videoclips im Hochformat. Die Aufnahmen entstehen via Smartphone, sind grundsätzlich spontan produziert, 24 Stunden in der Story sichtbar und werden danach gelöscht. Fügt man einen zweiten Clip hinzu, werden beide nacheinander abgespielt. Fotos können ebenfalls in eine Story geladen werden, gelten aber eher als langweilig.
Bilder und Videos lassen sich mit einer Vielzahl von Filtern und Stickern versehen. Likes oder klassische Kommentarfunktionen gibt es bei beiden nicht – direkte Nachrichten erlauben aber beide Apps. Die Bedienung ist nahezu identisch: Kurzes Antippen des Aufnahmebuttons erzeugt ein Foto, Gedrückthalten ein Video. Doppeltippen wechselt zwischen den Kameras. Ein Tippen auf die rechte Seite des Bildschirms überspringt einen Teil der Story, links geht es zurück.
Was sind die Unterschiede?
Snapchat
Snapchat ist deutlich länger auf dem Markt als Instagram Stories – und das merkt man. So einfach ist es eben nicht, eine App zu kopieren. Snapchat hat bei einigen Funktionen einen klaren Vorsprung, der die App einzigartig macht:
Bearbeitung von Text
Hier hat Snapchat die Nase vorn. Text lässt sich auf verschiedene Arten formatieren und mit verschiedenen Farben ergänzen.
Gesichtsfilter
Hundeohren und -nasen, Stimme verzerren, Gesichter tauschen – diese sogenannten Linsen (interaktive Live-Gesichtsfilter) sind das Erfolgsrezept von Snapchat. Die Linsen werden regelmässig ausgetauscht, neue kommen dazu. Was viele nicht wissen: Linsen können auch von Unternehmen gebucht werden. Zum Zeitpunkt dieses Artikels lief der Film „Kong“ in den Kinos und war als Snapchat-Linse verfügbar. Das ist allerdings eine teure Geschichte – entsprechend kommt das nur für Grossunternehmen in Frage.
Geofilter
Geofilter zeigen den aktuellen Standort des Nutzers. Durch Wischen über den Bildschirm lässt sich, wenn vorhanden, ein Geofilter über das Bild legen. Für Städte, einzelne Ortsteile, Sehenswürdigkeiten und Events gibt es Geofilter im Angebot. Letzteres können Unternehmen kostenpflichtig buchen – und das zu einem überschaubaren Preis. Man kann aber auch selbst einen Geofilter erstellen.
Bitmoji
Die personalisierten Bitmoji-Sticker wurden vor einiger Zeit von Snapchat eingeführt: ein virtuelles Ich erstellen, das sich dann zu Snaps hinzufügen lässt. Folgen sich zwei Bitmoji-User gegenseitig, können sogar gemeinsame Bitmojis erstellt werden.
Funktionen für ein Unternehmen
Content Upload
Mit der Memories-Funktion – eigene Snaps werden dort gespeichert – hat Snapchat eine Möglichkeit eingeführt, älteren oder nicht mit Snapchat produzierten Content in die aktuelle Story einzufügen.
Downloads
Die Story eines kompletten Tages lässt sich herunterladen und archivieren. Das ermöglicht es, die Story auf anderen Kanälen wie YouTube oder der eigenen Website einzubinden. Für ein Unternehmen kein unwichtiger Punkt. Instagram hat diese Funktion damals noch nicht – sie wird aber sehr wahrscheinlich nachkommen.
Instagram Stories
Auch Instagram hat einige interessante Funktionen zu bieten:
Das Interface
Instagram bleibt sich treu. Mit der Einführung der Stories kamen lediglich ein paar neue Knöpfe dazu, das Interface selbst blieb gleich. Man gewöhnt sich schnell daran. Snapchat erfordert da deutlich mehr Einarbeitungszeit.
Dauer der Clips
Instagram erlaubt 15 Sekunden lange Clips, Snapchat nur 10 Sekunden. Das ist ein handfester Vorteil. Wichtigen Content in 10 Sekunden zu verpacken kann ziemlich hektisch werden.
Reichweite
Neue Follower auf Snapchat zu gewinnen ist schwer – man ist dort mehr oder weniger auf Weiterempfehlungen angewiesen. Instagram hat da die Nase vorn: Über Facebook Business lässt sich aktiv um neue Nutzer werben. Für Social-Media-Profis kein Problem. Eine funktionsfähige Vermarktungsplattform fehlt Snapchat schlicht.
Auswertung
Bei Instagram ist die Auswertung einfacher. Man sieht, wie viele Followers man hat, und dank Analyse-Tools noch deutlich mehr: Welche Tageszeiten für einen Post passen, welcher Content wie ankommt, wo die Strategie nachjustiert werden sollte. Das ist bei Snapchat ein grosses Manko. Man sieht zwar, wer die Snaps gesehen hat, weiss aber nicht, wie viele Menschen aktiv folgen. Das lässt sich nur über längere Zeit und mit viel Handarbeit abschätzen.
Instagram gewinnt – vorerst
Aus unternehmerischer Sicht liegt Instagram klar vorne. Follower lassen sich schnell und unkompliziert aufbauen, die Erfolgsmessung liefert harte Fakten, die Reichweite ist grösser. Snapchat punktet beim Spassfaktor – die Linsen sind schlicht cooler – doch an belastbaren Kennzahlen mangelt es nach wie vor.