Eine Kundin schreibt eine lange Mail, die Antwort soll freundlich und kurz sein. Also kopierst du ihre Nachricht in ChatGPT und lässt einen Entwurf schreiben. Das geht schnell und wird oft gut. Nur hast du gerade Name, Anliegen und vielleicht ein paar private Details an einen Anbieter in den USA geschickt. vetline.de hat das Thema kürzlich für Tierarztpraxen aufgegriffen, unter dem Titel «Schnell mal Chatty fragen». Die Frage stellt sich in jedem kleinen Betrieb: Was ist erlaubt, was ist riskant, und was gehört in eine Regel fürs Team?
Das Schweizer Datenschutzgesetz gilt schon heute
Ein eigenes KI-Gesetz hat die Schweiz nicht. Das braucht es für die meisten Fragen aber auch nicht. Der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte (EDÖB) hält fest, dass das geltende Datenschutzgesetz direkt auf KI anwendbar ist. Er hat das 2023 geschrieben und im Mai 2025 bestätigt. Sobald du Personendaten in ein KI-Werkzeug eingibst, bearbeitest du sie im Sinne des Datenschutzgesetzes (DSG), und es gelten dieselben Regeln wie für jede andere Software.
Für den Alltag sind vor allem fünf Punkte wichtig:
- Nur so viel wie nötig. Daten dürfen nur verhältnismässig und für einen erkennbaren Zweck bearbeitet werden (Art. 6). Für einen freundlichen Antwortentwurf braucht die KI den Namen der Kundin nicht.
- Der Anbieter als Dienstleister. Lässt du Daten per Vertrag durch einen Dritten bearbeiten, ist das erlaubt, solange er nur tut, was du selbst tun dürftest, und du dich vergewisserst, dass die Daten bei ihm sicher sind (Art. 9). Verwendet ein Anbieter die Eingaben zusätzlich für eigene Zwecke, etwa um sein Modell zu trainieren, geht das über diese Rolle hinaus.
- Daten im Ausland. Die meisten KI-Dienste stehen in den USA. Dorthin dürfen Personendaten nur, wenn der Schutz dort angemessen ist oder durch Garantien sichergestellt wird (Art. 16). Für die USA anerkennt der Bundesrat das nur bei Unternehmen, die nach dem Swiss-US Data Privacy Framework zertifiziert sind (Datenschutzverordnung, Anhang 1). In der offiziellen Liste fanden wir am 5. November 2026 Microsoft und Google, OpenAI und Anthropic dagegen nicht. Fehlt die Zertifizierung, braucht es andere Garantien, zum Beispiel Standarddatenschutzklauseln im Vertrag.
- Informieren. Wer Personendaten bearbeitet, muss die Betroffenen über Zweck und Empfänger informieren, bei einer Bekanntgabe ins Ausland auch über das Land (Art. 19). In der Praxis gehört der KI-Anbieter in deine Datenschutzerklärung.
- Gesundheitsdaten sind heikel. Angaben über die Gesundheit einer Person sind besonders schützenswert (Art. 5). Krankheitsgeschichten, Diagnosen oder Therapiedetails haben in einem Gratis-Chatbot nichts verloren.
Die Schweigepflicht gilt für jeden Beruf
Viele denken beim Berufsgeheimnis an Ärztinnen und Anwälte. Das DSG geht weiter. Nach Art. 62 macht sich strafbar, wer vorsätzlich geheime Personendaten weitergibt, die er in einem Beruf erfahren hat, der die Kenntnis solcher Daten erfordert. Eine Liste bestimmter Berufe gibt es dort nicht. Verfolgt wird auf Antrag, die Busse beträgt bis zu 250 000 Franken, und Hilfspersonen sind mit erfasst. Dazu kommt Art. 9: Eine Auftragsbearbeitung ist nur zulässig, wenn keine gesetzliche oder vertragliche Geheimhaltungspflicht die Weitergabe verbietet.
Für Berufe mit eigenem Geheimnis, etwa im Gesundheitswesen, gelten zusätzlich deren Regeln. Ob ein KI-Dienst dann überhaupt in Frage kommt, ist im Einzelfall zu klären.
Was die Anbieter mit deinen Eingaben machen
Hier liegt der grösste Unterschied zwischen Privat- und Geschäftsabo.
- OpenAI schreibt für ChatGPT Free, Plus und Pro, dass Inhalte zum Training verwendet werden können. Abschalten lässt sich das in den Einstellungen unter den Datenkontrollen (englisch Data controls › Improve the model for everyone). Für ChatGPT Business, Enterprise und die API gilt laut OpenAI standardmässig: kein Training mit deinen Daten.
- Anthropic lässt Nutzerinnen und Nutzer von Claude Free, Pro und Max seit 2025 selbst wählen, ob Chats ins Training gehen (englisch Model Improvement in den Datenschutz-Einstellungen). Für Claude Team, Enterprise und die API gilt laut Anthropic, dass Ein- und Ausgaben standardmässig nicht ins Training fliessen.
Ein Geschäftskonto kostet etwas mehr. Dafür ist geregelt, was mit den Daten geschieht, und du hast einen Vertrag, auf den du dich gegenüber Kunden berufen kannst.
Wann der EU AI Act dich betrifft
Das KI-Gesetz der EU gilt auch für Unternehmen ausserhalb der EU, wenn die Ausgabe eines KI-Systems in der EU verwendet wird (Art. 2 Abs. 1 lit. c). Ein Schweizer Betrieb mit Kundschaft in Deutschland oder Österreich kann also betroffen sein. Wer KI beruflich einsetzt, ist nach dem Gesetz «Betreiber» (Art. 3 Nr. 4). Für die meisten KMU zählen zwei Punkte:
- Transparenz seit 2. August 2026. Ein Chatbot muss als Maschine erkennbar sein (Art. 50 Abs. 1). Diese Pflicht richtet sich nach dem Wortlaut an den Anbieter des Systems. Wer einen Chatbot auf die eigene Website stellt, sollte ihn trotzdem klar kennzeichnen, denn auch der EDÖB verlangt, dass man weiss, ob man mit einer Maschine spricht. Deepfakes, also echt wirkende KI-Bilder, -Videos oder -Tonaufnahmen etwa von Personen oder Orten, müssen als künstlich offengelegt werden (Art. 50 Abs. 4).
- KI-Kompetenz im Team. Ursprünglich verlangte Art. 4 Massnahmen, um nach besten Kräften sicherzustellen, dass das Personal über ausreichende KI-Kompetenz verfügt. Mit der Änderungsverordnung (EU) 2026/1744 wurde das abgeschwächt. Gefordert sind nun Massnahmen, welche die Kompetenz fördern, ein bestimmtes Niveau ist nicht mehr vorgeschrieben. Eine kurze Einführung und eine schriftliche Regel erfüllen das in einem kleinen Betrieb gut.
In der Schweiz selbst ist eine KI-Regulierung erst in Vorbereitung. Der Bundesrat hat im Februar 2025 entschieden, die KI-Konvention des Europarats zu ratifizieren. Die Vernehmlassung ist laut Bund für den Frühling 2027 geplant.
Die Antwort prüfen, bevor sie rausgeht
Neben dem Datenschutz gibt es ein zweites Risiko, und das ist im Alltag häufiger: Die KI liegt falsch und klingt dabei sicher. Eine erfundene Zahl in der Offerte, eine falsche Frist im Kundenbrief, ein Paragraf, den es nicht gibt. Verantwortlich ist, wer den Text verschickt. Was das haftungsrechtlich bedeutet, haben wir im Beitrag KI-Agenten: Wer haftet, wenn die KI Schaden anrichtet? zusammengetragen. Kurz gesagt: in aller Regel du.
Eine Nutzungsregel fürs Team
Eine Seite reicht. Sie sollte diese Punkte beantworten:
- Welche Werkzeuge? Eine kurze Liste der erlaubten Dienste, am besten mit Geschäftskonto. Private Konten bleiben für Betriebsdaten tabu.
- Was nie hinein darf. Passwörter und Zugangsdaten, Gesundheitsdaten, vollständige Kundendossiers, alles, was unter eine Schweigepflicht fällt.
- Anonymisieren als Standard. «Die Kundin» statt des Namens, «Ort» statt der Adresse. Die KI braucht den Sachverhalt, nicht die Person.
- Prüfen vor dem Versand. Jeder KI-Text, der an Kunden, Behörden oder in die Öffentlichkeit geht, wird von einem Menschen gelesen und verantwortet. Zahlen, Daten, Fristen und Rechtsangaben werden einzeln nachgeprüft.
- Offen kennzeichnen. Ein Chatbot auf der Website sagt, dass er eine KI ist. Künstlich erzeugte Bilder von Menschen werden als solche markiert.
- Eine zuständige Person. Jemand im Betrieb führt die Liste, beantwortet Fragen und passt die Regel an, wenn sich etwas ändert.
Bei dataloft
Wir setzen KI täglich ein, in der Recherche, beim Schreiben und bei der Pflege von Websites. Kundendaten verarbeiten wir dabei ausschliesslich mit unserem lokalen KI-System Hermes, nicht in Cloud-Diensten. Ein festes Regelwerk legt fest, was die KI mit welchen Daten tun darf, und überwacht die Einhaltung. Was veröffentlicht wird, liest vorher ein Mensch. Beim Aufsetzen einer Nutzungsregel für deinen Betrieb helfen wir gerne.
Was offen bleibt
Wie die Gerichte die Grenze zwischen Auftragsbearbeitung und eigener Datennutzung der KI-Anbieter ziehen, ist in der Schweiz noch nicht geklärt. Auch die kantonalen Regeln zu einzelnen Berufsgeheimnissen haben wir für diesen Beitrag nicht im Detail geprüft. Und die Schweizer KI-Vorlage kennt noch niemand im Wortlaut.
Dieser Beitrag ist eine Einordnung und keine Rechtsberatung. Für deinen konkreten Fall frag eine Anwältin oder einen Anwalt.
Dieser Beitrag wurde KI-gestützt erstellt und vor der Veröffentlichung von unserer Redaktion geprüft und freigegeben.