Zum Inhalt springen

KI-Sichtbarkeit: Was Schweizer OnlinehÀndler wissen und kaum tun

Geschrieben von
Roger Klein
Suchanfrage und KI-Antwortkarte mit Quellen; die Quelle mit Einkaufstaschen-Symbol ist blau hervorgehoben und mit einem Haken bestÀtigt.

Wer heute ein Produkt sucht, fragt immer öfter zuerst ChatGPT, Gemini oder Claude. Ob dein Shop in der Antwort vorkommt, entscheidet sich nicht mehr nur bei Google. Die Fachhochschule Nordwestschweiz hat dazu 473 OnlinehĂ€ndler befragt, neun von zehn davon aus der Schweiz. Die OnlinehĂ€ndlerbefragung 2026 von Darius Zumstein, Adele Dörner, Sonja SchĂŒler und Aldo Gnocchi ist im September erschienen. Payrexx hat dazu ein Interview mit Studienleiter Darius Zumstein gefĂŒhrt. Ihr Befund in einem Satz: Die HĂ€lfte der HĂ€ndler hĂ€lt KI-Sichtbarkeit fĂŒr wichtig, aber kaum jemand weiss, wie es um die eigene steht.

Was die Studie zeigt

Die meisten Befragten sind kleine Betriebe, 61 Prozent haben ein bis vier Mitarbeitende. FĂŒr 87 Prozent bringt der eigene Shop relevanten Umsatz. Das wichtigste Marketinginstrument ist nach wie vor die Suchmaschinenoptimierung (88 Prozent).

Bei der KI-Sichtbarkeit sieht es anders aus:

  • 51 Prozent halten Generative Engine Optimization (GEO) fĂŒr relevant oder eher relevant.
  • Fast drei Viertel haben keine Strategie fĂŒr KI und KI-Agenten. Nur 2 Prozent setzen eine um.
  • Nach dem Anteil der Bots an ihrem Traffic gefragt, konnte mehr als die HĂ€lfte keinen Wert nennen. Bei denen, die es wussten, lag der Median bei 0,8 Prozent.
  • Gemessen wird wenig: 18 Prozent verfolgen, wie oft sie in KI-Antworten auftauchen, 13 Prozent die Besuche, die ĂŒber KI-Systeme kommen.

Gleichzeitig erwarten die HĂ€ndler viel von KI-Agenten. Drei Viertel rechnen damit, dass Kundinnen und Kunden Produkte bald ĂŒber Agenten suchen und Preise vergleichen lassen. Dass ein Agent den ganzen Kauf erledigt, erwartet gut jeder fĂŒnfte. Auf der Kundenseite ist der Wandel erst am Anfang: Laut dem E-Commerce-Stimmungsbarometer von Post und Ipsos, das die Studie zitiert, beginnen 9 Prozent die Produktsuche am ehesten in einem KI-Chat, 28 Prozent nutzen KI-Chats wöchentlich.

Das Thema ist erkannt, aber kaum angegangen. Wer jetzt anfĂ€ngt, ist frĂŒh dran.

Worum es bei GEO geht

Generative Engine Optimization heisst, Inhalte so aufzubereiten, dass KI-Systeme sie finden, verstehen und in ihren Antworten nennen oder verlinken. Die Studie unterscheidet davon die bezahlte Variante, Generative Engine Advertising, also Werbung in KI-Antworten. Dazu haben wir kĂŒrzlich die wichtigsten Fragen zu ChatGPT-Werbung zusammengetragen. Beides zusammen nennen die Autoren Generative Engine Marketing.

GEO baut auf SEO auf. KI-Systeme mit Websuche greifen auf einen Suchindex zu. Was dort nicht steht oder schlecht lesbar ist, kommt auch in der Antwort nicht vor.

Wo die HÀndler danebenliegen könnten

Die Studie hat gefragt, welche Massnahmen die HĂ€ndler einsetzen und welchen Einfluss sie ihnen zutrauen. Vorne liegen strukturierte Produktdaten (33 Prozent sehen grossen Einfluss), relevante Inhalte (32 Prozent) und eine klare Website-Struktur (28 Prozent). Ganz hinten: Quellenangaben und genannte Autorinnen und Autoren mit 8 Prozent. 44 Prozent geben gar keine Quellen an.

Die Autoren weisen selbst darauf hin, dass das subjektive EinschĂ€tzungen sind und kein Nachweis der Wirkung. Das Paper «GEO: Generative Engine Optimization» einer Forschungsgruppe um die Princeton University, vorgestellt 2024 an der KDD-Konferenz, hat gemessen, welche Änderungen an einem Text dessen Sichtbarkeit in KI-Antworten erhöhen. Am besten wirkten wörtliche Zitate, konkrete Zahlen statt Umschreibungen und Quellenangaben. Die Sichtbarkeit, gemessen am Anteil des Textes in der KI-Antwort, stieg dabei je nach Methode um rund 30 bis 40 Prozent. Das klassische Vollstopfen mit Suchbegriffen brachte kaum etwas und schnitt auf der Hauptmessgrösse sogar schlechter ab. Getestet wurde 2023/24 mit GPT-3.5 und Perplexity, heutige Systeme können anders gewichten.

Ausgerechnet das, was die HĂ€ndler am wenigsten wichtig finden, hilft im Experiment am meisten. Ein Laborversuch ist nicht der Alltag eines Shops, und die Ergebnisse schwanken je nach Thema. Die Richtung ist aber deutlich: Belegte, zitierbare Aussagen machen einen Text fĂŒr Maschinen offenbar wertvoller. FĂŒr Menschen ĂŒbrigens auch. Wir haben das in unserer Serie zu E-E-A-T ausfĂŒhrlicher beschrieben.

Was die Anbieter selbst sagen

Rund um GEO kursieren viele Rezepte. Die Dokumentation der Anbieter ist nĂŒchterner und hilft beim Sortieren.

Google schreibt in seinem Leitfaden zu den KI-Funktionen, fĂŒr AI Overviews und den AI Mode gebe es keine zusĂ€tzlichen Anforderungen und keine besondere Optimierung. Neue Dateien, eigene KI-Textdateien oder spezielles Markup seien nicht nötig. Voraussetzung ist, dass die Seite indexiert ist und mit Snippet in der Suche erscheinen darf. Strukturierte Daten bleiben sinnvoll, sie sollten aber zum sichtbaren Text passen. Die Klicks aus den KI-Funktionen zĂ€hlt die Search Console zum normalen Web-Traffic. Seit Ende August 2026 gibt es dort zusĂ€tzlich einen eigenen Bericht fĂŒr die KI-Funktionen, der die Impressionen ausweist.

OpenAI unterscheidet in seiner Crawler-Dokumentation vier Bots, drei davon sind fĂŒr Shops relevant. OAI-SearchBot sorgt dafĂŒr, dass Websites in der Suche von ChatGPT erscheinen. GPTBot sammelt Inhalte fĂŒr das Training der Modelle. ChatGPT-User ruft Seiten ab, wenn jemand im Chat danach fragt. Der vierte, OAI-AdsBot, prĂŒft nur die Zielseiten von Anzeigen in ChatGPT und sammelt nichts fĂŒrs Training. Die Einstellungen sind unabhĂ€ngig voneinander: Du kannst das Training ausschliessen und trotzdem in der Suche auftauchen.

Anthropic regelt es fĂŒr Claude Ă€hnlich: ClaudeBot fĂŒr das Training, Claude-SearchBot fĂŒr die Suche, Claude-User fĂŒr Abrufe im Auftrag von Nutzern. Wer Claude-SearchBot sperrt, kann laut Anthropic an Sichtbarkeit in den Suchantworten von Claude verlieren.

Daraus folgt ein naheliegender Fehler: Wer in der robots.txt pauschal alle KI-Bots aussperrt, etwa per Vorlage eines Sicherheits-Plugins, sperrt auch die Suchbots aus. Der Shop taucht dann in den Suchantworten von ChatGPT und Claude kaum noch als Quelle auf, ohne dass es jemand bemerkt.

Wie du anfangen kannst

FĂŒr die meisten Punkte reicht ein genauer Blick auf das, was schon da ist.

  • robots.txt prĂŒfen. Sind OAI-SearchBot, Claude-SearchBot, PerplexityBot und Googlebot zugelassen? Ob du das Training erlaubst, ist eine eigene Entscheidung.
  • Indexierung sicherstellen. Was Google nicht im Index hat, fehlt auch in den KI-Antworten. Die Search Console zeigt, welche Seiten ausgeschlossen sind und warum.
  • Produktdaten vollstĂ€ndig halten. Preis, VerfĂŒgbarkeit, Varianten, Masse, Material: als strukturierte Daten nach Schema.org und deckungsgleich mit dem, was auf der Seite steht.
  • Belegbar schreiben. Konkrete Zahlen, Quellenangaben, ein sichtbarer Name hinter dem Text. Ein Absatz, der eine Frage fĂŒr sich allein beantwortet, lĂ€sst sich leichter zitieren.
  • Selbst nachfragen. Stell ChatGPT, Gemini und Claude die Fragen, die deine Kundschaft stellt. Wirst du genannt? Stimmen die Angaben? Einmal im Monat dieselben Fragen ergibt eine einfache Messreihe.
  • Zugriffe messen. Besuche von chatgpt.com oder perplexity.ai tauchen in der Webanalyse als Verweise auf, Impressionen in Googles KI-Funktionen im neuen Bericht der Search Console. Die Server-Logs zeigen, welche Bots wie oft kommen.

Mit Agenten, die selbst einkaufen, muss sich ein kleiner Shop heute noch nicht befassen. Die Grundlagen von oben sind aber auch dafĂŒr die Voraussetzung: Ein Agent kann nur kaufen, was er findet und versteht.

Bei dataloft

Wir betreuen die Websites unserer Kundinnen und Kunden technisch und redaktionell und kĂŒmmern uns dabei auch um die Auffindbarkeit in Suchmaschinen und KI-Systemen. Auf unserem eigenen Hundeportal rundum.dog setzen wir das tĂ€glich um, mit Quellen, Autorenangaben und strukturierten Daten. Wenn du wissen willst, wie dein Shop oder deine Website in ChatGPT und Co. dasteht, schauen wir es uns gerne mit dir an.

Die Studie «OnlinehĂ€ndlerbefragung 2026 – Der Onlinehandel im KI-Wandel» der FHNW entstand mit Worldline, Payrexx und elf weiteren Forschungspartnern. Alle Zahlen in diesem Beitrag stammen aus der Studie, sofern nicht anders verlinkt.

Dieser Beitrag wurde KI-gestĂŒtzt erstellt und vor der Veröffentlichung von unserer Redaktion geprĂŒft und freigegeben.

Hat dich der Artikel ins GrĂŒbeln gebracht?

Wir besprechen sowas gerne im ErstgesprĂ€ch — unverbindlich, persönlich, in der Regel innerhalb eines Werktags.

Direkt zum Kontakt
Noch was Grösseres?

rundum.dog — unsere Hunde-Wissensplattform.

Unser Eigenprojekt und Live-Beweis: eigenes KI-Plugin auf Anthropic-API-Basis, 17 Custom Post Types, ein Betrieb, den wir tÀglich am Laufen halten.

rundum.dog ansehen ↗
Über die Person

Roger Klein

GeschĂ€ftsfĂŒhrer dataloft GmbH. WordPress seit Version 3, Frauenfeld. Verantwortet bei dataloft Strategie, Architektur und KI-Integration. Baut mit Mattes und Elena rundum.dog, die grösste deutschsprachige Hunde-Wissensplattform.

Mehr ĂŒber uns →

Schreib uns oder ruf an.
Meist antwortet ein Mensch innerhalb eines Werktags.

Roger Klein
GeschĂ€ftsfĂŒhrer
E-Mail
info@dataloft.ch
Telefon
+41 52 511 05 05
Adresse
dataloft GmbH · Rietweg 1 · 8506 Lanzenneunforn TG