Wer mehrere Bankkonten bei verschiedenen Instituten hat, kennt das Problem: Girokonto hier, Sparkonto da, vielleicht noch eine Kreditkarte oder ein Firmenkonto. Den Ăberblick zu behalten kostet Zeit. Genau da setzt Multibanking an â alle Konten zentral ĂŒber eine einzige Plattform oder App verwalten, statt sich bei jeder Bank separat einzuloggen.
Was in der EU dank der PSD2-Richtlinie lĂ€ngst Standard ist, nimmt in der Schweiz gerade Fahrt auf. Banken öffnen ihre Systeme, Fintechs entwickeln neue Lösungen â fĂŒr Privatpersonen und Unternehmen gleichermassen.
Dieser Artikel erklÀrt, was Multibanking konkret bedeutet, welche Vorteile und Risiken es mit sich bringt, wie der rechtliche Rahmen aussieht und welche Anbieter in der Schweiz 2025 bereits Lösungen im Angebot haben. Am Ende folgt ein FAQ-Teil mit den wichtigsten Fragen.
Was bedeutet Multibanking?
Multibanking bezeichnet die Möglichkeit, Bankkonten bei verschiedenen Banken zentral ĂŒber eine einzige Plattform zu verwalten. Statt sich bei jedem Institut separat einzuloggen, hast du alle KontostĂ€nde, Transaktionen und Zahlungsfunktionen gebĂŒndelt im Blick â entweder in einer App oder im E-Banking einer Bank, die Multibanking anbietet.
Abgrenzung zum klassischen Online-Banking
Beim normalen Online-Banking greifst du immer nur auf das Konto bei der jeweiligen Bank zu. Wer mehrere Bankverbindungen hat, muss sich also auch mehrfach anmelden und die Finanzen manuell zusammensetzen.
Multibanking verbindet unterschiedliche Konten in einem digitalen Cockpit und ermöglicht einen ganzheitlichen Ăberblick â unabhĂ€ngig davon, bei welcher Bank die Konten gefĂŒhrt werden.
đ Kurz: Multibanking schafft einen zentralen Zugang zu allen Finanzen â kein Jonglieren mehr zwischen Logins.
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Vorteile von Multibanking
- Der grösste Vorteil liegt in der Ăbersichtlichkeit: Alle KontostĂ€nde und Transaktionen laufen in einer OberflĂ€che zusammen. Finanzielle Entscheidungen werden einfacher, weil du jederzeit siehst, wie es insgesamt steht.
- Zeitersparnis: Das stĂ€ndige Wechseln zwischen Bankportalen fĂ€llt weg. Zahlungen kannst du teilweise direkt aus der Multibanking-Plattform heraus auslösen â egal, bei welcher Bank das Konto liegt.
- Finanzplanung: Viele Multibanking-Lösungen bieten automatische Kategorisierung von Ausgaben, Budgetplanung oder Sparziele. Das verbessert nicht nur den Ăberblick, sondern erleichtert auch die aktive Steuerung der eigenen Finanzen.
- Einfache Integration fĂŒr Unternehmen: Besonders fĂŒr KMU und SelbststĂ€ndige praktisch. Alle GeschĂ€ftskonten zentral steuern statt mehrere Systeme parallel zu pflegen â das vereinfacht Buchhaltung, LiquiditĂ€tsplanung und Cash-Management.
Nachteile und Risiken von Multibanking
Multibanking bietet viele Vorteile â aber vor dem ZusammenfĂŒhren aller Konten in einer App solltest du die Risiken kennen.
- Sicherheit und Datenschutz: Multibanking erfordert, dass die Plattform auf Kontoinformationen und teilweise Zahlungsfunktionen zugreifen kann. Sensible Daten landen damit bei einem Drittanbieter. WĂ€hle deshalb nur Anbieter mit starker VerschlĂŒsselung, Zwei-Faktor-Authentifizierung und transparenten Datenschutzrichtlinien.
- AbhĂ€ngigkeit von Schnittstellen: Nicht jede Bank stellt alle Daten oder Funktionen fĂŒr Multibanking bereit. Die Nutzung hĂ€ngt von offenen API-Schnittstellen der Banken ab. FĂ€llt eine Schnittstelle aus oder wird sie geĂ€ndert, kann das zu temporĂ€ren EinschrĂ€nkungen fĂŒhren.
- Unterschiedlicher Funktionsumfang: Je nach Bank oder App werden nicht alle Kontotypen unterstĂŒtzt. Manche Apps können Kreditkarten, Depots oder PayPal-Konten nicht oder nur eingeschrĂ€nkt einbinden.
- Rechtliche Unterschiede: In der EU regelt die PSD2-Richtlinie, dass Drittanbieter mit Zustimmung des Kunden auf Kontodaten zugreifen dĂŒrfen. In der Schweiz ist die Nutzung freiwillig â nicht jede Bank unterstĂŒtzt Multibanking, und der Funktionsumfang kann stark variieren.
Rechtlicher Rahmen: Die PSD2 und die Schweiz
Die gesetzlichen Vorgaben unterscheiden sich deutlich zwischen der EU und der Schweiz â und das wirkt sich direkt auf die Nutzung von Multibanking aus.
Die Payment Services Directive 2 (PSD2) ist eine EU-Richtlinie, die seit 2018 gilt. Sie verpflichtet Banken dazu, Drittanbietern Zugriff auf Kontoinformationen und teilweise Zahlungsfunktionen zu ermöglichen â wenn die Kunden dem ausdrĂŒcklich zustimmen.
- Vorteil: Du kannst mit einer einzigen App Konten bei verschiedenen Banken verwalten.
- Sicherheit: Starke Kundenauthentifizierung (z. B. Zwei-Faktor-Login) ist verpflichtend.
- Ergebnis: Multibanking ist in der EU rechtlich abgesichert und technisch gut umsetzbar.
In der Schweiz gibt es keine gesetzliche Pflicht wie PSD2. Banken mĂŒssen Multibanking-Schnittstellen also nicht öffnen.
Einige Banken und Fintechs tun es trotzdem freiwillig. Technische Standards entstehen ĂŒber Open-Finance-Initiativen. Der Funktionsumfang hĂ€ngt stark von der Bank ab â nicht alle Konten oder Zahlungsfunktionen lassen sich integrieren.
Auf den Punkt gebracht:
- EU: Multibanking wird durch PSD2 gestĂŒtzt, der Zugang fĂŒr Drittanbieter ist gesetzlich geregelt.
- Schweiz: Alles freiwillig, aber die Entwicklung lĂ€uft â vor allem ĂŒber Open-Finance-Plattformen und Kooperationen zwischen Banken und Fintechs.
đ Wer Multibanking in der Schweiz nutzen möchte, sollte prĂŒfen, ob die eigene Bank die nötigen Schnittstellen anbietet und welche Plattformen kompatibel sind.
Wer 2025 Multibanking in der Schweiz anbietet
Multibanking ist in der Schweiz noch nicht so verbreitet wie in der EU, gewinnt aber an Gewicht. Banken und Fintechs bieten mittlerweile Lösungen an, um Konten verschiedener Institute zentral zu verwalten.
| Anbieter / Bank | Zielgruppe | Status & Funktionen von Multibanking |
|---|---|---|
| PostFinance | Privatkunden | ab H2 2025; Konten verschiedener Banken in App und E-Finance anzeigen, Zahlungen auslösen |
| Luzerner Kantonalbank (LUKB) | Privatkunden | ab 2025; Ăbersicht aller Konten, Ausgabenanalyse, Budgetplanung, Sparziele |
| UBS | Firmenkunden | fĂŒr KMU; Anzeige von Fremdbank-Konten, ZahlungsauftrĂ€ge aus E-Banking heraus |
| Credit Suisse (CS) | Firmenkunden | âCredit Suisse Direct“; Ăbersicht ĂŒber Fremdbankkonten, Zahlungsmanagement |
| ZĂŒrcher Kantonalbank (ZKB) | Firmenkunden | EBICS-basierte Funktionen; primĂ€r fĂŒr Unternehmen mit mehreren Konten |
| Numbrs | Privatkunden | App-basiertes Multibanking; Konten verschiedener Banken zusammenfĂŒhren |
| Yapeal / Neon | Privatkunden | Digitale Konten mit Multibanking-Möglichkeiten; Fokus auf mobiles Banking |
| Contovista / Finnova | Banken & Fintechs | Plattformen fĂŒr Multibanking; Integration ĂŒber bLink fĂŒr verschiedene Banken möglich |
Es hÀngt also stark davon ab, welche Bank oder welches Fintech du nutzt:
- Privatkunden können besonders auf PostFinance, LUKB, Neon oder Numbrs setzen.
- Unternehmen profitieren von erweiterten Lösungen bei UBS, CS und ZKB.
- Fintechs treiben Innovationen voran und ermöglichen neue Wege der Kontoverwaltung â oft digital und app-basiert.
FAQ – HĂ€ufige Fragen zu Multibanking
Ist Multibanking sicher?
Ja â wenn du seriöse Anbieter nutzt. Etablierte Plattformen und Banken setzen auf starke VerschlĂŒsselung, Zwei-Faktor-Authentifizierung und moderne Sicherheitsstandards. Gib Zugangsdaten nie an unsichere Apps weiter und prĂŒfe, ob die Plattform den Datenschutz ernst nimmt.
Kann mein Multibanking-Account gehackt werden?
Ein Restrisiko besteht wie bei allen digitalen Finanzlösungen â es bleibt aber ĂŒberschaubar, wenn du auf seriöse Anbieter, aktuelle Software und Zwei-Faktor-Authentifizierung setzt. Banken und Fintechs ĂŒberwachen ihre Systeme laufend auf Angriffe und Schwachstellen. Bei einer soliden Sicherheitsarchitektur mĂŒssten Angreifer gleichzeitig mehrere Schutzschichten ĂŒberwinden, um direkten Kontozugriff zu erhalten.
Welche Multibanking-Apps gibt es in der Schweiz?
Einige bekannte Beispiele:
- Numbrs â App-basiert, fĂŒr Privatkunden.
- Yapeal & Neon â digitale Konten, teilweise Multibanking-Funktion integriert.
- Finanzguru â App fĂŒr FinanzĂŒbersicht und Budgetplanung, teilweise auch Multibanking.
- ZusĂ€tzlich bieten Banken wie PostFinance oder LUKB kĂŒnftig eigene Lösungen direkt im E-Banking an.
Ich bin bei mehreren Banken, aber nur eine bietet Multibanking an. Funktioniert das und was muss ich tun?
Ja, das funktioniert, solange die Bank, die Multibanking anbietet, Schnittstellen zu deinen anderen Banken bereitstellt.
- PrĂŒfe, ob die App oder das E-Banking deiner Bank Fremdbankkonten einbinden kann.
- Du musst jedes Fremdbankkonto einmalig autorisieren, damit die Daten abgerufen werden dĂŒrfen.
- Danach erscheinen alle Konten zentral, und du kannst Zahlungen und Ăbersicht nutzen.
Kann man einmal eingerichtetes Multibanking auch wieder löschen?
Ja, jederzeit:
- Du kannst die VerknĂŒpfungen zu einzelnen Konten oder allen Konten wieder entfernen.
- Bei Drittanbieter-Apps solltest du sicherstellen, dass gespeicherte Daten gelöscht werden.
- Die ursprĂŒnglichen Konten bleiben unverĂ€ndert; es wird nur der zentrale Zugriff aufgehoben.
Was Multibanking in der Praxis bringt
Multibanking erleichtert den Ăberblick ĂŒber mehrere Konten und spart im Alltag Zeit. Ob Privatperson oder Unternehmen â die zentralisierte Ansicht von KontostĂ€nden, UmsĂ€tzen und Zahlungsfunktionen sorgt fĂŒr mehr Transparenz und eine bessere Finanzplanung.
In der Schweiz entwickeln Banken und Fintechs die Angebote weiter: PostFinance und LUKB fĂŒr Privatkunden, UBS, CS und ZKB fĂŒr Firmenkunden â die Möglichkeiten wachsen. Entscheidend bleibt dabei, auf seriöse Anbieter, aktuelle Sicherheitsstandards und Datenschutz zu achten.
Mit der richtigen Lösung behĂ€ltst du den Ăberblick, kannst Zahlungen effizient erledigen und deine Finanzen ĂŒber einen zentralen Zugang steuern â ohne stĂ€ndig zwischen Portalen zu wechseln.