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Opfer von Ransomware wurden laut FBI um mehr als 140 Millionen Dollar erpresst

Geschrieben von
Roger Klein
Ryuk ist der mit großem Abstand "erfolgreichste" Erpressungs-Trojaner. (Bild: RSAConference/FBI)

Die Crimeware-Szene hat eine lukrative Einnahmequelle gefunden: Erpressung. Begonnen hat alles schon 1989 – damals trat wohl die Mutter der Ransomware auf. Der AIDS Trojan Disk verschlĂŒsselte Daten und zeigte eine Nachricht an: Die Lizenz sei abgelaufen, der Nutzer mĂŒsse sie verlĂ€ngern. Einer der ersten Angreifer aus dem Netz war TROJ_PGPCODER.A. Die ersten Erpresser begnĂŒgten sich noch mit wenigen hundert Dollar.

Zahl der Angriffe von Ransomware Erpressern steigt

Mit dem steigenden Wert von Daten in der digitalisierten Welt stiegen auch die Zahl der Angriffe und die erpressten Summen. Viele Unternehmen sind ohne Zugriff auf ihre Daten nicht mehr handlungsfĂ€hig – was die Bereitschaft erhöht, hohe Summen zu zahlen. Firmen, die nicht zahlen können oder wollen, droht der Bankrott.

Allein Ryuk erpresste bisher ĂŒber 61 Millionen Dollar

Die aktuell «erfolgreichste» Software heisst Ryuk. Laut FBI-Special Agent Joel deCapua erpressten die Cyberkriminellen mit dieser Schadsoftware innerhalb von 20 Monaten 61,26 Millionen US-Dollar. deCapua berichtete davon auf der RSA-Konferenz. Er koordiniert beim FBI die Identifizierung und Verfolgung von Cyberkriminellen.

Der Special Agent leitete die Ermittlungen einiger spektakulÀrer FÀlle: 2014 untersuchte er Hackerangriffe auf US-Finanzinstitute und einen Insider-Angriff in einer Investmentbank. 2017 war er an den Ermittlungen gegen einen der grössten Ransomware-Angriffe beteiligt.

Ryuk ist nur die Spitze des Eisbergs

Ryuk erbeutete in den vergangenen sieben Jahren gut 42 % aller durch Ransomware erpressten Gelder. Die Liste der Schadprogramme ist aber lang. Knapp 24,5 Millionen US-Dollar gingen an die Initiatoren von Crysis/Dharma, mit Bitpaymer erpressten Kriminelle gut acht Millionen US-Dollar. Der Gesamtschaden belief sich auf 144,35 Millionen Dollar, so Joel deCapua auf der RSA Conference.

Die Statistik erfasst alle dem FBI bekannten ZahlungseingĂ€nge ĂŒber Bitcoin-Wallets – erhoben fĂŒr den Zeitraum 2013 bis 2019, basierend auf allen in Erpressungsaktionen verwendeten Wallets. Als zerstörerischste Schadsoftware erwies sich dabei Emotet. Zu diesem Schluss kommt nicht nur das FBI: Auch das Bundesamt fĂŒr Sicherheit attestiert Emotet eine verheerende Wirkung. Emotet entfaltet sie, indem es auf infizierten Computern weitere Schadsoftware ausrollt – darunter Ryuk und den Banking-SchĂ€dling TrickBot.

Moral gibt es bei Cyberkriminellen nicht

Die Cyberkriminellen beschrÀnken sich nicht auf Industrieunternehmen. MehrtÀgige ProduktionsausfÀlle können besonders mittelstÀndische Firmen in existenzielle Not bringen. Bei Privatnutzern haben es die TÀter vor allem auf Online-Banking-Daten abgesehen. Dass sie auch vor Krankenhausnetzwerken nicht haltmachen, zeigt, wie weit die Skrupellosigkeit reicht.

MittelstÀndische Unternehmen in den Bankrott getrieben

Angriffe auf Firmen und Organisationen gelten als besonders eintrĂ€glich – die Forderungen gehen oft in die Millionen. Wer nicht zahlt oder nicht zahlen will, riskiert die Pleite. Das trifft nicht nur kleine Betriebe, wie das Beispiel des Fensterherstellers Swiss Windows zeigt.

Das Unternehmen stand eigentlich solide da: drei Standorte, 170 Mitarbeitende, gut gefĂŒllte AuftragsbĂŒcher. Dann kam der Mai 2019 – und mit ihm Ryuk. Die Schadsoftware griff auf den Firmenserver zu und verschlĂŒsselte das Fensterbauprogramm vollstĂ€ndig. Kunden- und Maschinendaten waren weg. Die tĂ€glichen Backups erwiesen sich als nutzlos.

Der Produktionsausfall dauerte ĂŒber einen Monat. Die Nachfolgekosten waren hoch, und die Entscheidung, nicht zu zahlen, fiel – die IT-Infrastruktur musste ohnehin ausgetauscht werden. Problematisch war, dass der Angriff öffentlich wurde: Ein Investor sprang ab, Kunden forderten Vertragsstrafen fĂŒr nicht rechtzeitig gelieferte Waren. Am Ende war das Unternehmen pleite. 170 Mitarbeitende standen ohne Job da.

Wie funktioniert Ransomware?

Die Schadsoftware kommt oft per E-Mail. Emotet fungiert dabei als Transportmittel fĂŒr weitere Schadprogramme – vor Ryuk war das TrickBot, ein Banking-SchĂ€dling, der in einigen Unternehmen SchĂ€den in Millionenhöhe verursachte.

Das gefĂ€hrliche Trio tritt oft als Word-Dokument auf. Wer es öffnet, holt sich Besuch ins Firmennetzwerk: Emotet schafft den Zugang und durchsucht das Netz nach sensiblen Daten. TrickBot kopiert alle Kontozugangsdaten. Ryuk vollendet die Mission – es verschlĂŒsselt alle wichtigen Daten und löscht dabei gleich alle Sicherungskopien mit. Eine Wiederherstellung ist danach kaum möglich.

Wer die Daten zurĂŒckhaben will, muss entweder die IT-Infrastruktur neu aufbauen und auf ein externes Backup zurĂŒckgreifen – oder zahlen. Die Forderungen sind dabei nicht zufĂ€llig: TrickBot ermittelt vorab den finanziellen Rahmen eines Unternehmens. Die Lösegeldforderung richtet sich danach. Privatpersonen sind selten das Ziel, weil sich dort weniger herausholen lĂ€sst.

Empfehlungen fĂŒr Ransomware-Betroffene

Wer einen Befall feststellt, schaltet den Rechner so schnell wie möglich hart aus – Knopf drĂŒcken, kein regulĂ€res Herunterfahren. Nur so lĂ€sst sich der noch nicht verschlĂŒsselte Teil der Daten möglicherweise retten.

Vom Zahlen eines Lösegelds rĂ€t das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ausdrĂŒcklich ab. Beim Zahlungsvorgang erhalten die TĂ€ter neue persönliche Daten – und es ist nicht gesichert, dass sie die Forderung danach nicht erhöhen.

Antivirenprogramme können Schadsoftware teilweise entfernen, dazu ist aber ein sauberes Betriebssystem nötig. IT-Sicherheitsexperten haben in einigen FĂ€llen EntschlĂŒsselungssoftware entwickelt, die betroffene Daten wiederherstellt. Auf jeden Fall: Experten fĂŒr Computersicherheit beiziehen und Anzeige erstatten – das empfiehlt das BSI ausdrĂŒcklich.

Schutzmaßnahmen gegen Ransomware-Angriffe

RegelmĂ€ssige Datensicherungen sind das Fundament – aber nur dann sinnvoll, wenn sie auf einem externen DatentrĂ€ger liegen, der nicht dauerhaft am System hĂ€ngt. Ist er permanent angeschlossen, verschlĂŒsselt Ransomware auch das Backup.

Betriebssystem-Updates so schnell wie möglich einspielen. E-Mails unbekannter Absender sind ein besonderes Risiko: AnhĂ€nge nicht öffnen, E-Mail löschen. Virenschutz mit aktuellen Signaturen und eine Firewall sind keine Option, sondern Pflicht. Auch das Dateisystem spielt eine Rolle – versionierende Dateisysteme, wie sie etwa Linux nutzt, erhöhen die WiderstandsfĂ€higkeit. In Firmennetzwerken lohnt es sich, IT-Sicherheitsexperten beizuziehen.

Themen: FinanzenMalware

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Über die Person

Roger Klein

GeschĂ€ftsfĂŒhrer dataloft GmbH. WordPress seit Version 3, Frauenfeld. Verantwortet bei dataloft Strategie, Architektur und KI-Integration. Baut mit Mattes und Elena rundum.dog, die grösste deutschsprachige Hunde-Wissensplattform.

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