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Bande fahndet mittel Ransomware nach Erpressungspotential

Geschrieben von
Roger Klein
Schloss und Schild fĂŒr digitale Sicherheit

Daten zu verschlĂŒsseln reicht vielen Schadprogrammen nicht mehr. Sie setzen zusĂ€tzlich auf „Public Shaming“ – die Bloßstellung der GeschĂ€digten. Die Schadsoftware Sodinokibi, auch als REvil bekannt, ist dabei besonders aktiv.

Daten absaugen und unbrauchbar machen

Das Perfide an moderner Schadsoftware ist ihre komplexe Funktionsweise. Die Malware hĂ€lt sich auf infizierten Systemen eine HintertĂŒr offen, um Daten abzusaugen. Bekannt ist das beispielsweise von Emotet, das gleichzeitig Trickbot und die Ransomware Ryuk an Bord hat. Die SchĂ€dlinge tauschen sich ĂŒber Backdoors mit Command-and-Control-Servern aus. DarĂŒber organisieren sie das Nachladen weiterer Payloads – und stehlen parallel Daten vom befallenen System.

Erpresser stellen Ransomware Opfer bloß

Seit Mitte letzten Jahres ist der VerschlĂŒsselungstrojaner Sodinokibi aktiv, auch als REvil bekannt. Die Entwickler hatten von Anfang an mehr im Sinn als das blosse Unbrauchbarmachen von Daten. Ist der Virus erst platziert, greifen die Angreifer gezielt sensible Daten ab. Im Fokus stehen Firmenrechner und -netzwerke. FĂŒr zusĂ€tzlichen Druck sorgt „Public Shaming“: Die Erpresser schalten eigene Websites auf, veröffentlichen dort gestohlene Dokumente und machen die Erpressung publik. IT-Sicherheitsspezialisten beobachten diese Strategie seit einiger Zeit bei immer mehr Ransomware-Familien.

Gezielte Suche nach schÀdlichen Informationen

Das Ziel dahinter ist klar. Lange versuchten viele Unternehmen, Erpressungen aus dem Cyberraum zu vertuschen – die Angst vor Vertrauensverlust war zu gross. Lieber zahlten sie, schwiegen und retteten damit im besten Fall ihre Daten und ihre Reputation bei Investoren, Lieferanten und Kunden. Genau dort setzt Sodinokibi an. Die Software sucht gezielt nach vertraulichen Unternehmensdaten und kompromittierendem Material. Leaks sollen den Betrieb direkt schĂ€digen.

Die Entwickler von Sodinokibi gehen dabei weit. In einem Blog namens Happy Blog drohten die Kriminellen einem Unternehmen konkret damit, gestohlene Sozialversicherungsnummern und Geburtsdaten im Darknet zu verkaufen. Ausserdem kĂŒndigten sie an, „schmutzige“ Finanzgeheimnisse offenzulegen.

Worum es geht, ist nicht mehr nur die DatenrĂŒckgabe. Betroffene stehen unter dem Druck, die Veröffentlichung sensibler Informationen zu verhindern. Der Angriff trifft nicht mehr nur das Unternehmen, sondern auch Mitarbeitende und Kunden, deren Daten im Netzwerk liegen. Besonders verheerend: Die Erpresser drohen damit, alle betroffenen Personen persönlich zu informieren – inklusive Nennung der Datenquelle. Ein Vertrauensschaden, von dem sich viele Unternehmen kaum erholen.

Neue Masche kĂŒndigte sich an

Neu ist die Drohung nicht. Die Entwickler von Sodinokibi kĂŒndigten dieses Vorgehen bereits Ende 2019 an: Wer nicht zahlt, riskiert die Veröffentlichung der Daten oder deren Verkauf an Konkurrenten. Maze setzte diese Drohung im Dezember 2019 als erste Gruppe in die Tat um und stellte Daten online. Auf einer Internetseite veröffentlichten die Kriminellen Unternehmensnamen, die eine Lösegeldzahlung verweigert hatten – samt Angriffsdatum, gestohlener Datenmenge, IP-Adressen und Computernamen der infizierten Server.

FĂŒr Experten ist diese Entwicklung keine Überraschung. Drohungen, gestohlene Daten zu veröffentlichen, gibt es seit Jahren. In Deutschland war Maze etwa im November aktiv: Die BetrĂŒger versandten E-Mails als 1&1-Rechnung getarnt, mit einem Word-Dokument im Anhang, das beim Öffnen einen Makro-Code lud. Im Januar griffen weitere Gruppen auf diese Masche zurĂŒck – darunter die Entwickler von Nemty und Bit PyLock.

Handgesteuerte Malware

Seit Februar haben IT-Sicherheitsexperten einen neuen SchĂ€dling im Blick. „DoppelPaymer“ verschlĂŒsselt nicht mehr die gesamte IT-Infrastruktur eines Unternehmens. Analysten von Microsoft zeigten, dass die Malware nur einen kleinen Teil verschlĂŒsselt – wĂ€hrend sich ein anderer Teil still in weiteren Systembereichen einnistet. So stellen die Entwickler sicher, dass sie jederzeit wieder Zugriff haben.

Microsoft stuft solche menschengesteuerten Kampagnen als erhebliche Bedrohung ein. Die Angreifer kennen Systemadministration, verstehen Netzwerkschwachstellen und passen ihre Schadsoftware gezielt an die vorgefundene Infrastruktur an. Sichtbar sind nur die VerschlĂŒsselungen – das Ausspionieren weiterer Daten lĂ€uft unbemerkt im Hintergrund. Die Netzwerke funktionieren wĂ€hrenddessen ohne sichtbare EinschrĂ€nkungen. Der Einstieg erfolgt meist ĂŒber einfache Schadsoftware wie Banking-Trojaner. Die Antivirensoftware erkennt diese Angriffe sogar – sie dienen aber als Ablenkung, um Zugang zu Administratorrechten zu erlangen und die Schutzsoftware dann lautlos abzuschalten.

Ransomware dient dem Datendiebstahl

Die neuen Kampagnen zielen nicht mehr hauptsĂ€chlich auf DatenverschlĂŒsselung. Die Erpressung geht weit ĂŒber das Angebot hinaus, gegen Lösegeld Daten wiederherzustellen. Und auch der Diebstahl der Daten selbst ist nicht das grösste Problem. Es ist die Androhung der Veröffentlichung – und die Entschlossenheit der TĂ€ter, diese wirklich durchzuziehen. Unternehmen stecken in einer noch grösseren ZwickmĂŒhle: Ein Angriff lĂ€sst sich nicht mehr verheimlichen, das Vertrauen ist weg. Im schlimmsten Fall werden kritische FinanzvorgĂ€nge öffentlich. Die Kontrolle ĂŒber das Geschehen liegt vollstĂ€ndig bei den Erpressern. FĂŒr die Angreifer lohnt sich der Aufwand schon dann, wenn nur ein Bruchteil der betroffenen Unternehmen nachgibt.

Kriminelle DatenverschlĂŒsselung ist damit kĂŒnftig als das zu behandeln, was sie ist: ein potenzieller Angriff auf sensible Daten. Systemspezialisten mĂŒssen solche Ereignisse frĂŒhzeitig erkennen und alle Betroffenen so schnell wie möglich informieren. Nur wer dem Leak der Kriminellen zuvorkommt, hat eine Chance, den Schaden zu begrenzen.

Themen: CybercrimeMalware

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Über die Person

Roger Klein

GeschĂ€ftsfĂŒhrer dataloft GmbH. WordPress seit Version 3, Frauenfeld. Verantwortet bei dataloft Strategie, Architektur und KI-Integration. Baut mit Mattes und Elena rundum.dog, die grösste deutschsprachige Hunde-Wissensplattform.

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