Das Bundesamt fĂŒr Cybersicherheit (BACS) meldet eine neue Welle von Phishing-Angriffen ĂŒber Microsoft SharePoint. Besonders heikel: Selbst die Zwei-Faktor-Authentisierung (2FA) kann hier ausgehebelt werden â wenn du nicht aufmerksam bist. Hier erfĂ€hrst du, wie die Masche ablĂ€uft, warum sie so schwer zu erkennen ist und wie du dich schĂŒtzt.
Kurze Einordnung: Microsoft SharePoint
SharePoint ist ein System von Microsoft, das Firmen nutzen, um Dateien online zu speichern, zu teilen und gemeinsam daran zu arbeiten. Stell dir einen Online-Ordner fĂŒr Teams vor â Ă€hnlich wie Dropbox, aber tiefer ins Firmen-Intranet eingebettet: Dokumente, News, HandbĂŒcher, Projektseiten.
Mitarbeitende bekommen Einladungen per E-Mail und sind es gewohnt, auf Links zu klicken.
Genau das nutzen BetrĂŒger bei dieser Phishing-Masche aus.
Wie die neue Phishing-Masche funktioniert
Die BetrĂŒger verschicken gefĂ€lschte E-Mail-Einladungen, die scheinbar von Kolleginnen, Kollegen oder bekannten Unternehmen stammen â mit einem Link zu einem Dokument auf SharePoint. Auf den ersten Blick wirkt alles echt:
- Die erste Login-Seite ist die echte Microsoft-Seite.
- Die Absenderadresse lĂ€sst sich leicht fĂ€lschen oder wirkt glaubwĂŒrdig.
- Moderne Ăbersetzungstools sorgen fĂŒr fehlerfreie Texte.
Keine typischen Betrugshinweise. Kein schlechtes Deutsch. Kein seltsames Layout.
So werden die Daten abgegriffen: Ablauf der Phishing-Masche im Detail
- Du klickst auf den SharePoint-Link â die echte Microsoft-Loginseite öffnet sich.
- Du loggst dich ein â Microsoft schickt wie gewohnt einen Sicherheitscode (2FA).
- Du gibst den Code ein â Die BetrĂŒger sitzen in Echtzeit zwischen deinem Browser und Microsoft. Sie leiten deinen Code sofort weiter und nutzen ihn direkt fĂŒr einen parallelen Login.
- Der eigentliche Angriff â Im Dokumentbereich öffnet sich ein weiterer Link, z. B. zu einem PDF.
- Auf der gefÀlschten Folgeseite wirst du erneut zum Login aufgefordert.
- Dein Passwort und der 2FA-Code werden live abgefangen â und können von den Angreifern genutzt werden.
Wichtig: Microsoft selbst wurde nicht gehackt. Die Angreifer sitzen wie ein âZwischenstation-Server“ zwischen dir und Microsoft. Alles, was du eingibst, wird direkt weitergeleitet.
Warum diese Masche so schwer zu erkennen ist
- Der erste Login ist echt â du hast bereits Vertrauen aufgebaut.
- Das Layout der gefÀlschten Seite ist identisch.
- Der Sicherheitscode ist echt â dein Gehirn sagt: âAlles korrekt.“
- Dokumentenfreigaben per Mail gehören zum Firmenalltag â Klickreflex, ohne genauer hinzuschauen.
Diese Methode heisst Real-Time-Phishing oder Man-in-the-Middle-Phishing: Technisch wird nichts gehackt â die Angreifer nutzen dein Verhalten aus, um Zugriff zu erhalten.
Praktische Schutzmassnahmen fĂŒr Unternehmen und Privatpersonen
- Nie ĂŒber Mail-Links einloggen â direkt ĂŒber die offizielle Microsoft-Website oder App gehen.
- Unerwartete Dokumentfreigaben prĂŒfen â besonders bei unbekannten Absendern oder wenn die Anfrage ĂŒberraschend kommt.
- E-Mail-Adressen genau lesen â kleine Schreibfehler oder zusĂ€tzliche Zeichen sind Hinweise auf FĂ€lschungen.
- Hardware-Keys nutzen â Security-Keys (z. B. USB-Stick zum Einloggen) senken das Risiko erheblich, weil Codes dabei nicht abgefangen werden können.
- Auf ungewöhnliches Verhalten achten â mehrfache Anmeldeanfragen oder sofortige Datei-Downloads sind verdĂ€chtig.
- Kolleginnen, Kollegen und das persönliche Umfeld aufklĂ€ren â auch legitime Seiten und echte Sicherheitscodes können missbraucht werden.
Die SharePoint-Phishing-Masche ist gefÀhrlich, weil sie vertraute AblÀufe nutzt: echte Login-Seiten, echte Sicherheitscodes, gewohnte Dokumentenfreigaben. Wer nicht blind auf Links klickt und 2FA nur auf verifizierten Seiten eingibt, macht es Angreifern deutlich schwerer.