Zum Inhalt springen

Experten weisen am Polizeikongress auf Gefahren der IT-Sicherheitslage hin

Geschrieben von
Roger Klein
cloud speed security

Das Internet als weltumspannende Plattform fĂŒr Kriminelle – der Polizeikongress stand im Zeichen einer ernĂŒchternden IT-Sicherheitslage.

Der EuropĂ€ische Polizeikongress rĂŒckte dieses Jahr die zunehmend schlechtere Sicherheitslage im Web in den Mittelpunkt: Immer ausgefeiltere Ransomware, Phishing-Mails als Dauergefahr fĂŒr Zahlungsprozesse, wachsende kriminelle AktivitĂ€t im Dark Web – das alles untergrĂ€bt das Vertrauen in die Strafverfolgung im Netz.

Die bedeutendsten EinschĂ€tzungen lieferte Fernando Ruiz, leitender Beamter des Europol-Zentrums fĂŒr CyberkriminalitĂ€t „European Cybercrime Centre“. Sein Ausgangspunkt: das Internet Organized Crime Threat Assessment 2019.

Technischer Fortschritt als SicherheitsrĂŒckschritt

Besondere Aufmerksamkeit widmete Ruiz dem Verhalten von Kriminellen im Darknet. Typisch sei ein stĂ€ndiger Wechsel zwischen Plattformen; das Angebot an Crime-as-a-Service verlagere sich zunehmend auf professionelle DDoS-Attacken gegen Unternehmen und Privatpersonen. Das klassische Phishing bleibe aber Nummer eins. Daneben machen fortschreitende technische Möglichkeiten es heute einfach, Deepfake-Videos zu produzieren und neue Zahlungsarten zu unterwandern. Am Ende seiner PrĂ€sentation betonte Ruiz die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit – Politiker, StaatsanwĂ€lte, Unternehmer, Forschende und andere Organisationen mĂŒssten produktiv kooperieren.

Das Bild, das andere Konferenzteilnehmer zeichneten, fĂ€llt kaum besser aus: Jörg Angerer, Oberstaatsanwalt der Landeszentralstelle Cybercrime in Koblenz, beklagte mangelnde Kooperationsbereitschaft auf staatlicher Seite. Je nach festgestelltem Ziel einer IT-Attacke sei ein anderes Ressort zustĂ€ndig – in der frĂŒhen Angriffsphase lĂ€sst sich der konkrete Zweck eines Angriffs jedoch kaum bestimmen. Die fehlenden organisatorischen Strukturen zwischen Bund und LĂ€ndern bremsen die Ermittlungen zusĂ€tzlich. Das Thema ist ein Dauerbrenner auf dem Polizeikongress, ohne dass sich bislang Wesentliches geĂ€ndert hĂ€tte.

Angerer sprach auch die hohe Dunkelziffer an: Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst nur VorfĂ€lle, deren Tatort sich nachweislich auf dem Gebiet der Bundesrepublik befindet. Angesichts weit verbreiteter VPN-Nutzung und anderer Verschleierungsmethoden ist diese Zuordnung aber nur selten mit Gewissheit möglich. Deutschland sei insgesamt unzureichend auf die Verlagerung krimineller AktivitĂ€ten ins Netz vorbereitet – Angriffe auf kritische Infrastruktur könnten nur begrenzt abgewehrt werden. Anonymisierungstools wie Tor-Browser und Botnetze sowie die internationale Vernetzung der TĂ€ter tun ihr Übriges. Angerers Fazit: Das Internet bleibt eine ideale Plattform fĂŒr KriminalitĂ€t – und ein Ort, an dem man leicht unerkannt davonkommt.

Zu viel Datenmaterial fĂŒr zu wenige Mitarbeiter

Rechtshilfemechanismen mit US-Behörden seien zu komplex, die auszuwertenden Datenmengen zu gross – fĂŒr beides fehlten personelle und technische KapazitĂ€ten, sodass relevante Daten zu schnell veralten.

Ein wichtiges Einfallstor fĂŒr Cyberkriminelle sind die eigenen Mitarbeiter, betonte Anton Kreuzer, Leiter des Sicherheitsunternehmens DriveLock. Er nannte konkrete Zahlen: Rund 80 % aller Angriffe liessen sich verhindern, wenn Mitarbeitende keine verdĂ€chtigen Links in E-Mails anklicken wĂŒrden. Gezielte Schulungen könnten dabei helfen, das Bewusstsein zu schĂ€rfen und die Belegschaft auf immer komplexere Angriffsmuster vorzubereiten. Erschwerend kommt hinzu, dass Kriminelle hĂ€ufig mit kleineren BetrĂ€gen beginnen – eine Taktik, die SicherheitslĂŒcken lange offen lĂ€sst. Als Beispiel nannte Kreuzer den Trojaner „Emotet“, der sich durch einen verzögerten und damit oft unbemerkten Download auf Firmen-PCs auszeichnet.

Das Risikobewusstsein in Deutschland sei bislang wenig ausgeprÀgt: WÀhrend asiatische Grosskonzerne IT-Sicherheit als strategische Investition betrachteten, wollten deutsche Unternehmen erst den ROI sehen, bevor sie zu ernsthaften Sicherheitsmassnahmen greifen.

Positive Prognosen trotze negativer Bestandaufnahme

Ramon Mörl, CEO des Sicherheitsunternehmens itWatch, setzte in seinem Auftritt einen bewusst anderen Akzent. Er verwies auf erste Erfolge bei behördenĂŒbergreifenden Kooperationen. Zugleich plĂ€dierte er klar fĂŒr eine Aufgabentrennung: Sicherere Software sei zwar notwendig, aber Mitarbeitende sollten von Sicherheitsaufgaben entlastet werden – sie sind darauf schlicht nicht vorbereitet und können einem Unternehmen nur begrenzt zu echter Sicherheit verhelfen. Polizeiliche SpezialkrĂ€fte sollten sich weniger mit SicherheitslĂŒcken in bestehenden Systemen beschĂ€ftigen und stĂ€rker auf reale Ermittlungen konzentrieren. Die Entwicklung und Verbreitung von Security-Software gehöre in die HĂ€nde echter Profis.

Den prĂ€gnantesten Punkt hob Mörl fĂŒr den Schluss auf: Die Bedienungsfreundlichkeit aktueller Sicherheitslösungen lasse bis heute zu wĂŒnschen ĂŒbrig. Das zeige sich schon am Beispiel der Kanzlerin, die lieber zum privaten Handy griff als zum DienstgerĂ€t. Moderne Sicherheitssoftware erreicht schlicht nicht den Komfort von Apps und Programmen, die vollstĂ€ndig auf NutzerbedĂŒrfnisse ausgerichtet sind. UnverstĂ€ndliche Interfaces, komplexe BedienablĂ€ufe und aufwĂ€ndige Einweisungen sprechen nicht dafĂŒr, dass sich IT-Sicherheit so bald auf unseren Dienst- und PrivatgerĂ€ten durchsetzt, so Mörl.

Themen: IT-Sicherheit

Hat dich der Artikel ins GrĂŒbeln gebracht?

Wir besprechen sowas gerne im ErstgesprĂ€ch — unverbindlich, persönlich, in der Regel innerhalb eines Werktags.

Direkt zum Kontakt
Noch was Grösseres?

rundum.dog — unsere Hunde-Wissensplattform.

Unser Eigenprojekt und Live-Beweis: eigenes KI-Plugin auf Anthropic-API-Basis, 17 Custom Post Types, ein Betrieb, den wir tÀglich am Laufen halten.

rundum.dog ansehen ↗
Über die Person

Roger Klein

GeschĂ€ftsfĂŒhrer dataloft GmbH. WordPress seit Version 3, Frauenfeld. Verantwortet bei dataloft Strategie, Architektur und KI-Integration. Baut mit Mattes und Elena rundum.dog, die grösste deutschsprachige Hunde-Wissensplattform.

Mehr ĂŒber uns →

Schreib uns oder ruf an.
Meist antwortet ein Mensch innerhalb eines Werktags.

Roger Klein
GeschĂ€ftsfĂŒhrer
E-Mail
info@dataloft.ch
Telefon
+41 52 511 05 05
Adresse
dataloft GmbH · Rietweg 1 · 8506 Lanzenneunforn TG