Fake Abmahnungen erkennen: So schützt du dich vor betrügerischen Forderungen

Geschrieben von
Miriam Schäfer
Fake Abmahnungen erkennen Mahnung Mahnschreiben Fake or Real

Immer mehr Unternehmen und Privatpersonen erhalten Abmahnungen, Rechnungen oder Zahlungsaufforderungen, die auf den ersten Blick offiziell wirken – bei genauerem Hinsehen jedoch Fälschungen sind. Ob per E-Mail oder per Post: Solche Fake-Abmahnungen können verunsichern und im schlimmsten Fall Geld kosten. Hier sind die wichtigsten Erkennungsmerkmale.

Wie gelangen Betrüger an meine Postanschrift oder Emailadresse?

Betrüger nutzen öffentlich zugängliche Datenquellen, um an E-Mail-Adressen oder Postanschriften zu kommen:

  • Handelsregistereinträge: Wer ein Unternehmen gründet oder eine Einzelfirma anmeldet, erscheint im Handelsregister – inklusive Geschäftsadresse. Diese Daten sind online abrufbar und werden oft automatisiert ausgelesen.
  • Impressumspflicht auf Webseiten: Betreibst du eine Webseite mit geschäftlichem oder redaktionellem Inhalt, musst du in den meisten Fällen ein Impressum mit vollständiger Adresse und E-Mail veröffentlichen. Diese Informationen lassen sich leicht kopieren und missbrauchen.
  • Domainregistrierung (WHOIS-Daten): Bei der Registrierung von Domains können persönliche Daten – je nach Provider und Datenschutzoption – öffentlich einsehbar sein. So erfahren Dritte, wer hinter einer bestimmten Domain steckt.
  • Datenlecks & E-Mail-Sammlungen: Manche E-Mail-Adressen stammen aus gehackten oder öffentlich gewordenen Datenbanken – etwa durch Datenlecks bei Online-Diensten. Diese Listen werden im Darknet gehandelt und von Kriminellen für Spam und Phishing genutzt.
  • Soziale Netzwerke und Eigenveröffentlichung: Wer geschäftliche Kontaktdaten in Social-Media-Profilen, Foren oder öffentlich zugänglichen PDFs (Lebensläufe, Präsentationen, Whitepapers) hinterlegt, macht sie damit automatisch zugänglich.

Wer ist betroffen?

Kurz gesagt: alle. Besonders häufig trifft es Personen und Unternehmen in diesen Situationen:

  • Du bist gerade umgezogen und hast deine Adresse bei Behörden, Handelsregister oder anderen Stellen aktualisiert.
  • Du hast ein neues Unternehmen gegründet oder dich als Selbstständige:r irgendwo registriert.
  • Du hast kürzlich eine Webseite oder Domain angemeldet – z. B. mit Impressumspflicht.
  • Deine Daten sind online öffentlich zugänglich (z. B. via WHOIS, Handelsregister, Impressum).
  • Du hast dich bei einem Online-Dienst oder Business-Verzeichnis eingetragen.

Fake-Abmahnungen nutzen gezielt öffentlich zugängliche Informationen, um echt zu wirken – besonders kurz nach Neuregistrierungen oder Umzügen. Selbst wenn du sorgfältig mit deinen Daten umgehst: Viele Informationen sind durch gesetzliche Vorgaben oder geschäftliche Notwendigkeiten zwingend öffentlich. Das erleichtert Betrügern die Arbeit erheblich.

In welchen Formen gibt es Fake Abmahnungen?

Fake-Abmahnungen treten in sehr unterschiedlichen Formen auf – oft täuschend echt und auf die Zielperson zugeschnitten:

  • E-Mails mit angeblich juristischen Drohungen, etwa wegen Urheberrechtsverletzung, Markenrechtsverstössen oder Datenschutzvergehen
  • Briefe mit Zahlungsaufforderungen, oft mit Fristen und Einschüchterungstaktiken
  • Rechnungen für angebliche Dienstleistungen, z. B. für Branchenbucheinträge oder Domainregistrierungen
  • Scheinbar offizielle Dokumente mit dem Wappen oder Logo einer Behörde – ohne dass irgendeine Verbindung besteht

Das Ziel ist immer dasselbe: Stress und Verunsicherung, die zu schnellen Zahlungen oder voreiligen Reaktionen verleiten. Je nach Zustellweg unterscheiden sich die Erkennungsmerkmale.

Fake Abmahnungen erkennen – Emails

E-Mails sind für Betrüger besonders attraktiv: schnell verschickt, leicht skalierbar, und viele Empfänger klicken in der Eile auf Links oder Anhänge. Es gibt aber einige klare Warnsignale – E-Mails lassen sich dadurch etwas leichter einordnen als postalische Schreiben.

  • ⚠️ Verdächtige Absenderadresse: Der Absender wirkt auf den ersten Blick vertraut – dahinter verbirgt sich aber oft eine kryptische Domain oder eine Adresse mit Rechtschreibfehlern.
  • ‼️ Druck durch Fristen oder Drohungen: Sätze wie «Letzte Mahnung vor Einleitung rechtlicher Schritte» oder «Zahlung innerhalb von 24 Stunden erforderlich» sollen Druck aufbauen. Rechtlich gesehen sind solche Fristen meist haltlos.
  • ⚠️ Anhang im Word- oder ZIP-Format: Rechtsanwälte verschicken sensible Inhalte nicht ungefragt in unsicheren Dateiformaten. Solche Anhänge enthalten oft Schadsoftware oder führen zu Phishing-Seiten.
  • ⚠️ Fehlende oder unklare Mandantenangaben: Echte Abmahnungen nennen den konkreten Mandanten, das betroffene Werk (z. B. ein Foto oder Text) und den genauen Verstoss. Fehlen diese Details, ist das ein Alarmsignal.
  • ⚠️ Ungewöhnliche Sprache oder Stilbrüche: Viele Fake-Mails sind maschinell übersetzt und enthalten holprige Formulierungen, veraltete oder fehlerhafte Anredeformen.

Fake Abmahnungen erkennen – Postalische Schriftstücke

Per Briefpost versendete Fake-Abmahnungen wirken oft täuschend echt – mit professionellem Briefpapier, offiziellen Stempeln oder Siegeln und manchmal sogar echten Absenderadressen. Umso wichtiger ist ein kritischer Blick.

  • Fehlende Nachvollziehbarkeit der Forderung: Wenn nicht klar wird, was du angeblich falsch gemacht haben sollst – keine klar benannte Urheberrechtsverletzung, kein konkreter Bezug zu deinem Geschäft –, ist Skepsis angebracht.
  • 🛡️ Gefälschte Symbole und Siegel: Viele gefälschte Schreiben arbeiten mit dem Schweizerkreuz, Gerichtssiegeln oder QR-Rechnungen, die offiziell aussehen. Auch ein Registrierungsvermerk beim Handelsregister oder ein «Rechtsanwaltstitel» sind leicht fälschbar.
  • Keine oder zweifelhafte Unterschrift: Fehlt die Unterschrift, ist sie nur ein eingescanntes Bild oder wirkt künstlich erzeugt – Vorsicht.
  • ⚠️ Ungewöhnliche Zahlungsinformationen: Zahlungsaufforderungen auf ein Konto im Ausland oder mit falschem IBAN-Landeskürzel sind ein klares Warnsignal.
  • 📞 Kein erreichbarer Ansprechpartner: Fake-Briefe nennen oft nur E-Mail-Adressen – oder Telefonnummern, bei denen nie jemand abhebt. Bei seriösen Kanzleien erreichst du in der Regel jemanden.
  • 🔍 Absender prüfen: Existiert die Kanzlei oder Firma wirklich? Hat sie eine eigene Webseite? Stimmen Adresse, Telefonnummer und UIDs mit einem offiziellen Registereintrag überein? Das lässt sich einfach nachprüfen – zum Beispiel über den Zentralen Firmenindex der Schweizer Eidgenossenschaft, der auf die Daten aller kantonalen Handelsregisterämter zugreift.

💡 Tipp: Professionelles Layout und juristisches Vokabular sind kein Echtheitsbeweis. Bei Unsicherheit: Rücksprache mit einer Anwältin oder einem Anwalt halten, oder die zuständige Handelskammer kontaktieren.

Tags: CybercrimeDatensicherheitFinanzenKommunikation
Über die Autor:in

Miriam Schäfer

Social Media und redaktionelle Inhaltspflege rundum.dog seit April 2026. Schreibt für dataloft zu Datenschutz, Online-Recht, Social-Media-Trends und KI-Themen.

→ Wir

Hat dich der Artikel ins Grübeln gebracht?

Wir besprechen sowas gerne im Erstgespräch — schreib uns oder ruf an. Unverbindlich, persönlich, in der Regel innerhalb von 24 Stunden werktags.

→ Direkt zum Kontakt

Wenn du gleich noch was Grösseres anschauen willst

rundum.dog — unsere Hunde-Wissensplattform.

Die grösste deutschsprachige Hunde-Wissensplattform. Unser Eigenprojekt, unser Live-Beweis. Mit ca. einer Million Sessions pro Monat, eigenem KI-Plugin auf Anthropic-API und 17 Custom Post Types.

→ rundum.dog ansehen

Schreib uns oder ruf an.
Wir antworten in der Regel innerhalb von 24 Stunden werktags.

Roger Klein
Geschäftsführer
E-Mail
info@dataloft.ch
Telefon
+41 52 511 05 05
Adresse
dataloft GmbH · Rietweg 1 · 8506 Lanzenneunforn TG