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Fake Abmahnungen erkennen: So schützt du dich vor betrügerischen Forderungen

Miriam Schäfer · 6. Mai 2025 · 4 Min. lesen

Immer mehr Unternehmen und Privatpersonen erhalten Abmahnungen, Rechnungen oder Zahlungsaufforderungen, die auf den ersten Blick offiziell wirken – bei genauerem Hinsehen jedoch Fälschungen sind. Ob per E-Mail oder per Post: Solche Fake-Abmahnungen können verunsichern und im schlimmsten Fall Geld kosten. Hier sind die wichtigsten Erkennungsmerkmale.

Wie gelangen Betrüger an meine Postanschrift oder Emailadresse?

Betrüger nutzen öffentlich zugängliche Datenquellen, um an E-Mail-Adressen oder Postanschriften zu kommen:

  • Handelsregistereinträge: Wer ein Unternehmen gründet oder eine Einzelfirma anmeldet, erscheint im Handelsregister – inklusive Geschäftsadresse. Diese Daten sind online abrufbar und werden oft automatisiert ausgelesen.
  • Impressumspflicht auf Webseiten: Betreibst du eine Webseite mit geschäftlichem oder redaktionellem Inhalt, musst du in den meisten Fällen ein Impressum mit vollständiger Adresse und E-Mail veröffentlichen. Diese Informationen lassen sich leicht kopieren und missbrauchen.
  • Domainregistrierung (WHOIS-Daten): Bei der Registrierung von Domains können persönliche Daten – je nach Provider und Datenschutzoption – öffentlich einsehbar sein. So erfahren Dritte, wer hinter einer bestimmten Domain steckt.
  • Datenlecks & E-Mail-Sammlungen: Manche E-Mail-Adressen stammen aus gehackten oder öffentlich gewordenen Datenbanken – etwa durch Datenlecks bei Online-Diensten. Diese Listen werden im Darknet gehandelt und von Kriminellen für Spam und Phishing genutzt.
  • Soziale Netzwerke und Eigenveröffentlichung: Wer geschäftliche Kontaktdaten in Social-Media-Profilen, Foren oder öffentlich zugänglichen PDFs (Lebensläufe, Präsentationen, Whitepapers) hinterlegt, macht sie damit automatisch zugänglich.

Wer ist betroffen?

Kurz gesagt: alle. Besonders häufig trifft es Personen und Unternehmen in diesen Situationen:

  • Du bist gerade umgezogen und hast deine Adresse bei Behörden, Handelsregister oder anderen Stellen aktualisiert.
  • Du hast ein neues Unternehmen gegründet oder dich als Selbstständige:r irgendwo registriert.
  • Du hast kürzlich eine Webseite oder Domain angemeldet – z. B. mit Impressumspflicht.
  • Deine Daten sind online öffentlich zugänglich (z. B. via WHOIS, Handelsregister, Impressum).
  • Du hast dich bei einem Online-Dienst oder Business-Verzeichnis eingetragen.

Fake-Abmahnungen nutzen gezielt öffentlich zugängliche Informationen, um echt zu wirken – besonders kurz nach Neuregistrierungen oder Umzügen. Selbst wenn du sorgfältig mit deinen Daten umgehst: Viele Informationen sind durch gesetzliche Vorgaben oder geschäftliche Notwendigkeiten zwingend öffentlich. Das erleichtert Betrügern die Arbeit erheblich.

In welchen Formen gibt es Fake Abmahnungen?

Fake-Abmahnungen treten in sehr unterschiedlichen Formen auf – oft täuschend echt und auf die Zielperson zugeschnitten:

  • E-Mails mit angeblich juristischen Drohungen, etwa wegen Urheberrechtsverletzung, Markenrechtsverstössen oder Datenschutzvergehen
  • Briefe mit Zahlungsaufforderungen, oft mit Fristen und Einschüchterungstaktiken
  • Rechnungen für angebliche Dienstleistungen, z. B. für Branchenbucheinträge oder Domainregistrierungen
  • Scheinbar offizielle Dokumente mit dem Wappen oder Logo einer Behörde – ohne dass irgendeine Verbindung besteht

Das Ziel ist immer dasselbe: Stress und Verunsicherung, die zu schnellen Zahlungen oder voreiligen Reaktionen verleiten. Je nach Zustellweg unterscheiden sich die Erkennungsmerkmale.

Fake Abmahnungen erkennen – Emails

E-Mails sind für Betrüger besonders attraktiv: schnell verschickt, leicht skalierbar, und viele Empfänger klicken in der Eile auf Links oder Anhänge. Es gibt aber einige klare Warnsignale – E-Mails lassen sich dadurch etwas leichter einordnen als postalische Schreiben.

  • ⚠️ Verdächtige Absenderadresse: Der Absender wirkt auf den ersten Blick vertraut – dahinter verbirgt sich aber oft eine kryptische Domain oder eine Adresse mit Rechtschreibfehlern.
  • ‼️ Druck durch Fristen oder Drohungen: Sätze wie «Letzte Mahnung vor Einleitung rechtlicher Schritte» oder «Zahlung innerhalb von 24 Stunden erforderlich» sollen Druck aufbauen. Rechtlich gesehen sind solche Fristen meist haltlos.
  • ⚠️ Anhang im Word- oder ZIP-Format: Rechtsanwälte verschicken sensible Inhalte nicht ungefragt in unsicheren Dateiformaten. Solche Anhänge enthalten oft Schadsoftware oder führen zu Phishing-Seiten.
  • ⚠️ Fehlende oder unklare Mandantenangaben: Echte Abmahnungen nennen den konkreten Mandanten, das betroffene Werk (z. B. ein Foto oder Text) und den genauen Verstoss. Fehlen diese Details, ist das ein Alarmsignal.
  • ⚠️ Ungewöhnliche Sprache oder Stilbrüche: Viele Fake-Mails sind maschinell übersetzt und enthalten holprige Formulierungen, veraltete oder fehlerhafte Anredeformen.

Fake Abmahnungen erkennen – Postalische Schriftstücke

Per Briefpost versendete Fake-Abmahnungen wirken oft täuschend echt – mit professionellem Briefpapier, offiziellen Stempeln oder Siegeln und manchmal sogar echten Absenderadressen. Umso wichtiger ist ein kritischer Blick.

  • Fehlende Nachvollziehbarkeit der Forderung: Wenn nicht klar wird, was du angeblich falsch gemacht haben sollst – keine klar benannte Urheberrechtsverletzung, kein konkreter Bezug zu deinem Geschäft –, ist Skepsis angebracht.
  • 🛡️ Gefälschte Symbole und Siegel: Viele gefälschte Schreiben arbeiten mit dem Schweizerkreuz, Gerichtssiegeln oder QR-Rechnungen, die offiziell aussehen. Auch ein Registrierungsvermerk beim Handelsregister oder ein «Rechtsanwaltstitel» sind leicht fälschbar.
  • Keine oder zweifelhafte Unterschrift: Fehlt die Unterschrift, ist sie nur ein eingescanntes Bild oder wirkt künstlich erzeugt – Vorsicht.
  • ⚠️ Ungewöhnliche Zahlungsinformationen: Zahlungsaufforderungen auf ein Konto im Ausland oder mit falschem IBAN-Landeskürzel sind ein klares Warnsignal.
  • 📞 Kein erreichbarer Ansprechpartner: Fake-Briefe nennen oft nur E-Mail-Adressen – oder Telefonnummern, bei denen nie jemand abhebt. Bei seriösen Kanzleien erreichst du in der Regel jemanden.
  • 🔍 Absender prüfen: Existiert die Kanzlei oder Firma wirklich? Hat sie eine eigene Webseite? Stimmen Adresse, Telefonnummer und UIDs mit einem offiziellen Registereintrag überein? Das lässt sich einfach nachprüfen – zum Beispiel über den Zentralen Firmenindex der Schweizer Eidgenossenschaft, der auf die Daten aller kantonalen Handelsregisterämter zugreift.

💡 Tipp: Professionelles Layout und juristisches Vokabular sind kein Echtheitsbeweis. Bei Unsicherheit: Rücksprache mit einer Anwältin oder einem Anwalt halten, oder die zuständige Handelskammer kontaktieren.

Miriam Schäfer Erstellt und betreut Fachinhalte für dataloft zu Datenschutz, Online-Recht, KI und digitalen Trends. Verantwortlich für Content, Redaktion und Social Media bei rundum.dog.

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