Dass auch innerhalb der berĂŒhmten Google-Maschinerie bereits diverse Massnahmen getroffen wurden, um fachgerecht auf Krisenzeiten zu reagieren, haben wir in einigen weiteren Artikeln schon nĂ€her beleuchtet. Heute befassen wir uns mit der brandaktuellen Lockerung von den Google-My-Business (GMB) Richtlinien, die unerwartet NamenszusĂ€tze gestattet.
Am 01.04.2020 wurde vonseiten des verifizierten GMB Twitter-Accounts ein Beitrag in Umlauf gebracht, der seitdem fĂŒr brandheisse Diskussionen sorgt. Darin hiess es ĂŒbersetzt: âNeue Ăffnungszeiten? Nur Lieferung? COVID-19-UpdatebeitrĂ€ge werden oben in deinem GeschĂ€ftsprofil bei der lokalen Suche angezeigt.“ Reale Krisenreaktion oder bloss ein (unangebrachter) Aprilscherz? Wir klĂ€ren das auf!
My Business – Die kostenlose SelbstprĂ€sentation fĂŒr Unternehmen
Was ist das ĂŒberhaupt genau, dieses âGoogle My Business“? Viele Unternehmen nutzen den Dienst bereits, ohne sich dem eigentlichen Nutzen bewusst zu sein â geschweige denn, daraus den maximalen Effekt zu ziehen.
Die Plattform liefert Besuchern ein Online-Dashboard, auf dem sie sich ĂŒber Firmenauftritte informieren können. GeschĂ€ftseintrĂ€ge in My Business werden in Maps veröffentlicht und erhalten damit quasi automatisch einen zugehörigen Standort. Da alle Google-Dienste eng miteinander verknĂŒpft sind, war es noch nie so einfach, ein Unternehmen im Web zu platzieren.
Qualifikation fĂŒr GMB
So simpel es klingt, so leicht ist es de facto auch: Der einzige wesentliche Grundsatz, um sein GeschĂ€ft fĂŒr einen Eintrag in My Business qualifizieren zu können, ist das Bestehen persönlichen Kundenkontakts. Wer fĂŒr seine Kundschaft erreichbar ist und/oder sie beliefert, hat Anrecht auf den GeschĂ€ftseintrag.
TatsÀchlich erstellt Google eine Vielzahl der EintrÀge eigenstÀndig. Der GeschÀftsinhaber kann sich im Nachhinein als Inhaber verzeichnen und den eigenen My-Business-Auftritt nach Belieben gestalten.
Kleiner Aufwand, grosses Potenzial
Selbst wenn die öffentliche PrĂ€senz bereits vorhanden ist, greifen fĂŒr alle Betreiber weitere Richtlinien. KĂŒmmert sich der GeschĂ€ftsinhaber nicht selbst darum, dauert es nicht lange, bis Google-Nutzer ihrerseits Informationen vorschlagen, die dem Firmenprofil hinzugefĂŒgt werden.
- Branche/Kategorie
- Ăffnungszeiten
- Anschrift und Kontaktdaten
sind dabei nur die SchlĂŒsselelemente, die mit einem entsprechenden Eintrag daherkommen.
Die praktische Plattform lĂ€sst sich bei Bedarf zusĂ€tzlich mit Bildern, Firmenlogo, speziellen Angeboten oder gar der Bereitstellung von Speisekarten erweitern. WĂ€hrend die Branchen strikt vorgegeben sind und kein offizielles Verzeichnis fehlende Inspiration liefert, fĂ€llt es vielen Unternehmen schwer, sich korrekt darzustellen â sie greifen auf professionelle UnterstĂŒtzung zurĂŒck. Es existieren Marketingagenturen, die sich konkret auf die GMB-PrĂ€sentation spezialisieren.
Der Nutzen aller GMB-BemĂŒhungen liegt auf der Hand: Interessenten stossen bei ihrer Suche auf Google-Treffer und sehen relevante Informationen ohne weitere Klicks. Sie profitieren ĂŒber die Bewertungsmöglichkeit von echten Kundenrezensionen. Ăber Bilder, Wegbeschreibung und Co. erhalten sie EindrĂŒcke, fĂŒr die sie sich nicht erst zu einem direkten Besuch ĂŒberwinden mĂŒssen. Kurz: zielgerichteter Aufbau geschĂ€ftlicher Kontakte und Kaufinteresse â kostenfreie Werbung.
Richtlinien sollen fĂŒr vereinheitlichten, seriösen Umgang sorgen
Neben den erwĂ€hnten vorgegebenen Kategorien gibt es diverse weitere Richtlinien, deren Einhaltung sich GeschĂ€ftstreibende mit ihrem Auftritt verpflichten. Die dafĂŒr bereitgestellte Google-Hilfe liefert einen Fachtext, der sage und schreibe 2.000 Wörter umfasst â und das, ohne Drop-Down-Elemente aufzuklappen. Nachvollziehbar, warum einige Firmen externe UnterstĂŒtzung hinzuziehen.
Grob umrissen behandeln die Richtlinien Vorgaben fĂŒr die Unterscheidung qualifizierter und unqualifizierter EintrĂ€ge sowie entsprechende Ausnahmen, die Inhaberschaft, Auswahl der richtigen Kategorie, Unternehmensbeschreibung, Kontaktdaten und nicht zuletzt LeistungsĂŒbersichten.
Damit nĂ€hern wir uns des Pudels Kern. Mit zwei Arten von LeistungsĂŒbersichten ordnet sich das GeschĂ€ft entweder der Gastronomie oder dem Dienstleistungssektor zu. Bei ersterem entsteht daraus ĂŒblicherweise eine Speise- und GetrĂ€nkekarte, bei letzterem eine Auflistung der angebotenen Leistungen.
Corona fĂŒhrt zu Novum innerhalb der Richtlinien-Auslegung
Corona beeinflusst die wirtschaftliche Unternehmensstellung enorm â kleinere Betriebe sind unmittelbar betroffen. FliessbĂ€nder stehen still, LagerbestĂ€nde sind ausgeschöpft, GeschĂ€fte mĂŒssen geschlossen bleiben, soziale Kontakte sind aufs Minimum beschrĂ€nkt. Dem lokalen Anbieter scheint es schier unmöglich, seinen Betrieb aufrechtzuerhalten.
Nicht nur auf der offiziellen GMB-Hilfeseite wird Soforthilfe angeboten. Zuletzt aktualisiert am 30.03.2020 empfiehlt Google, das Unternehmensprofil zu aktualisieren und auf die herrschende Krisenzeit anzupassen. Neben der Ănderung von Ăffnungszeiten, vorĂŒbergehenden Schliessungen oder gezielter Beitragserstellung, um die Kundschaft ĂŒber Ănderungen auf dem Laufenden zu halten, wurde die einzigartige Möglichkeit geschaffen, FirmenzusĂ€tze in den Namen aufzunehmen.
Normalerweise streng untersagt, plötzlich angeraten? Kein Aprilscherz!
In der Tat! Wortwörtlich besagen die Richtlinien: âEs ist nicht erlaubt, dem Namen eines Unternehmens unnötige Informationen hinzuzufĂŒgen“. Die Firma hat sich namentlich genau so darzustellen, wie sie es im ânormalen GeschĂ€ftsbetrieb“ tut. Da das auf der Homepage beispielhaft verwendete MustercafĂ© ein CafĂ© ist, wird nichts anderes geduldet. Bei Nichtbeachtung droht eine Sperrung. Damit waren auch ergĂ€nzende Slogans verboten, die den Betrieb etwas krisensicherer gestalten könnten.
Die Betonung liegt auf âwaren„. Man ist fast verleitet zu sagen, âdank“ Corona steht Unternehmen nun das Tor offen, ihre NamenseintrĂ€ge mit ZusĂ€tzen zu versehen, um allen Nutzern auf einen Blick anzuzeigen, wie der momentane Status aussieht: Liefert das kleine Restaurant um die Ecke aufgrund der Corona-Krise direkt nach Hause? Darf man sich die Lebensmittel vom Tante-Emma-Laden persönlich abholen? Nur zwei Beispiele zu unzĂ€hligen Auslegungen.
Der Teufel muss sich vorerst nicht im Detail verstecken
Nachfolgend veranschaulichen wir noch einmal nÀher, wie die Gestaltung besagter NamenszusÀtze beziehungsweise GMB-Updates aussehen könnte, damit du dich trotz Corona-Krise klar in My Business positionieren kannst und deine Kunden effektiv abholst:
- Das Restaurant, das normalerweise reiner Lokalbetrieb ist und jetzt ausnahmsweise liefern möchte, lĂ€sst sich mit dem Zusatz âLieferservice“ kurzerhand erweitern.
- Dasselbe gilt fĂŒr GaststĂ€tten, die ihre Speisen nunmehr zur Abholung anbieten â hier wĂ€re beispielsweise der Zusatz âZum Mitnehmen“ angebracht. Eventuell darf auch ein Anglizismus wie âTakeaway“ verwendet werden.
- Du hast aufgrund der Corona-UmstÀnde einen geÀnderten Standort oder bietest andernorts angepasstes Warensortiment an? Hinterlege das in GMB und lotse deine Kunden an die richtige Stelle.
- Kommuniziere geĂ€nderte Ăffnungszeiten deutlich â das gilt zum Beispiel auch fĂŒr abweichende Kontaktdaten.
- Falls du es nicht lĂ€ngst tust, nutz insbesondere jetzt die LeistungsĂŒbersicht. Hier kannst du abgewandelte Speisekarten und Serviceleistungen prĂ€sentieren.
Notfallplan zu Krisenzeiten
Die offizielle Verlautbarung ist aus der Corona-Krise heraus entstanden und wird zeitlich befristet sein. Alles, was ĂŒber die gezeigten Beispiele hinausgeht oder die EinschĂ€tzung der Befristung betrifft, basiert bis dato auf GerĂŒchten und Foren-Diskussionen. Auch Google möchte bis auf den Twitter-Post noch keine nĂ€here Stellungnahme abgeben â der Konzern ist mit COVID-19 Ă€hnlich beschĂ€ftigt wie die ĂŒbrige Bevölkerung.
Eines lĂ€sst sich aber klar sagen: Lass dich nicht von der Krise ĂŒbermannen, sondern bleib aktiver Mitgestalter. Bleib nicht bloss am Ball â spiel ihn auch weiter. Nutz deinen GMB-Auftritt, entdecke neue Funktionen, seien sie auch zeitlich begrenzt, und mach sie dir zunutze. Denk bei allem, was du im Internet tust, an die altbewĂ€hrten Sprichworte âVertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ und âAlles, was nicht offiziell verboten ist, ist automatisch erlaubt“. Denn genau diese Thematik begegnet uns heute mit GMB-Richtlinien plus Corona-Krise.