Wir wissen es lĂ€ngst: Bei einem Hacker-Angriff sind nicht zwangslĂ€ufig nur die „Kleinen“ betroffen. Diesmal traf es den Riesen „Stadler Rail“, einen der fĂŒhrenden Hersteller von Schienenfahrzeugen. Höchstwahrscheinlich sind nicht nur wertvolle Daten abgeflossen â auch die Erpressung scheint noch nicht endgĂŒltig vom Tisch. Wir schauen etwas genauer hin und erkunden mögliche ZusammenhĂ€nge zwischen Erfolg und AngriffsflĂ€che.
Der Fall Stadler
Das Unternehmen hat es selbst veröffentlicht: Ăber eine hauseigene Pressemitteilung wurde bekannt, dass der Konzern mit Schadsoftware angegriffen wurde. Erst wenige Tage liegt es zurĂŒck, dass interne Ăberwachungsdienste den Hacker-Angriff feststellten. Zudem kommuniziert Stadler eine damit einhergehende Erpressung und einen potenziellen Datenabfluss. Details â zur Höhe des Lösegelds, zur TĂ€terschaft oder zum genauen Ausmass des Datendiebstahls â sind nicht publik.
Stadler scheint mit seiner Reaktion das Richtige getan zu haben: sofortige Sicherheitsmassnahmen, externe Spezialisten, strafrechtliche Anzeige. Der Betrieb lÀuft wieder wie gewohnt.
Stadler Rail
Vor ĂŒber 75 Jahren etablierte sich Stadler als Hersteller von Schienenfahrzeugen â und schrieb damit global Erfolgsgeschichte. Was in der Schweiz, genauer in ZĂŒrich, begann, ist heute mit vielen Standorten international vertreten. Stadler setzt (gemĂ€ss Selbstdarstellung auf dem Unternehmensauftritt) auf modernste Technologie mit klarem Fokus auf RentabilitĂ€t und ZuverlĂ€ssigkeit.
Hacker-Angriff absehbar?
Anfang des Jahres wurden Unruhen unter den Stadler-AktionĂ€ren laut. Wo es anfangs boomte, ging der Kurs zuletzt unerwartet zurĂŒck. Die Auftragslage war ausserordentlich gut: Allein im ersten Quartal holte Stadler neue Order im Wert von rund 1,4 Milliarden Franken rein. Newcastle bestellte 42 neue ZĂŒge â zugehörige InstandhaltungsvertrĂ€ge und Neubauten von Zugdepots sollen ĂŒber 800 Millionen Franken wert sein.
Vielleicht ging das alles etwas zu schnell? Jedenfalls wurden Börsen-Investitionen vorsichtiger. Die Frage, die sich Investoren stellen dĂŒrften: Wie rasant darf Innovation vonstatten gehen, bevor sie zu riskant wird? Ob Stadler in seinem forschen Wachstum zu wenig Fokus auf Cyber-Sicherheit gesetzt hat, bleibt eine theoretische Frage.
Keine Angst vor „Public Shaming“
In einem Punkt gehen wir mit Stadler absolut konform: Es war richtig, Hacker-Angriff und Erpressung publik zu machen. Viel zu oft ziehen sich Opfer aus Scham zurĂŒck. Damit gehen wertvolle Erfahrungswerte verloren â und das wirtschaftliche Vertrauen in den GeschĂ€ftskontakt kann zusĂ€tzlich Schaden nehmen.
Stadlers Kunden machen sich jetzt wahrscheinlich Sorgen, inwiefern ihre eigenen Daten betroffen sind. Trotzdem bezieht der Konzern klare Stellung. Die Pressemitteilung ist keine „Entschuldigung“ â sie hĂ€lt fest, dass der Angriff professioneller Natur war. Das ist ein wichtiger Punkt: Selbst MarktfĂŒhrer können wir nicht verurteilen. Die AngriffsflĂ€che wĂ€chst automatisch mit dem Erfolg.
Trojaner hinter Hacker-Angriff?
Aufgrund der Erpressung liegt die Vermutung nahe, dass sich ein Trojaner hinter der Schadsoftware verbirgt. Trojanische Pferde fressen sich durch das betroffene System und verschlĂŒsseln hĂ€ufig sowohl ihre Spuren als auch alle Daten, mit denen sie in BerĂŒhrung kommen. Manche Trojaner-Familien können dabei „Nachrichten“ der Hacker mitliefern â statt der gewohnten ProgrammfunktionalitĂ€t erscheinen dann Meldungen mit Erpressungs-Mitteilungen.
Im Fall Stadler drohten die Hacker mit der Veröffentlichung vertraulicher Daten. Den Angriff wollten sie nur gegen Zahlung eines hohen Geldbetrags einstellen.
Die richtige Strategie bei Hacker-Angriff
Wie angedeutet, gehen wir in mehreren Punkten mit Stadlers Reaktion mit. Ein tiefgreifendes VerstĂ€ndnis der Hacker-HintergrĂŒnde ist dabei nicht zwingend â meistens geht es um finanzielle Motive, manchmal um Neid, manchmal geschieht es grundlos.
Du musst weder genauso erfolgreich noch Àhnlich gut situiert wie Stadler sein, um bei einem Hacker-Angriff richtig zu reagieren.
- Schnell, aber gezielt: Setz auf dein Business Continuity Management (BCM), wenn du selbst Opfer eines Angriffs bist. Das bedeutet: Systeme zunĂ€chst herunterfahren, um die Attacke kurzfristig zu stoppen â dann Schritt fĂŒr Schritt und mit zusĂ€tzlichen Sicherheitsmassnahmen wieder hochfahren.
- Stadler konnte dank umfangreicher Backups seine Systeme zĂŒgig wiederherstellen. Hier gilt: besser Vorsicht als Nachsicht â es ist nie zu spĂ€t, in Datensicherungen zu investieren.
- «Keine Angst vor Public Shaming» klingt nach Wiederholung â ist es auch, aber wir können es nicht oft genug sagen. Informiere deine Mitarbeitenden und GeschĂ€ftskontakte. Das gegenseitige Vertrauen zahlt sich aus.
- Langfristig sind wir nur dann vor neuen Angriffen sicherer, wenn TÀter dingfest gemacht werden. Erstatte strafrechtliche Anzeige und lass dir von den Behörden helfen.
- Hast du alle Massnahmen beherzigt? Dann gibt es keinen Grund, auf eine Erpressung einzugehen. Wer zahlt, finanziert die nÀchste Attacke.
- Weitere Strategien zum Umgang bei Hacker-Angriffen findest du (unter anderem) in diesem Blog-Beitrag.