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Malvertising – aktuelle Angriffe auf Revive Adserver

Geschrieben von
Roger Klein
Google Ads

Was bedeutet der Begriff Malvertising?

Malvertising setzt sich aus «Malware» (schĂ€dliche Software) und «Advertising» (Werbung) zusammen. Gemeint ist eine Methode, mit der Schadprogramme ĂŒber normale Internet-Werbung verbreitet werden. Besonders heimtĂŒckisch: Manche infizierten Anzeigen mĂŒssen nicht einmal angeklickt werden. Ein Drive-by-Download reicht — sobald die Werbeanzeige lĂ€dt, ist der Rechner infiziert.

FĂŒr einen Angreifer muss der eigentliche Server dabei nicht unter Kontrolle gebracht werden. Es genĂŒgt, wenn die Werbung vor dem Hochladen nicht sorgfĂ€ltig geprĂŒft wird. Das klingt fahrlĂ€ssig, ist in der Praxis aber ein strukturelles Problem: Viele Webseitenbetreiber — auch seriöse — fehlen schlicht die technischen Mittel oder Ressourcen, jede Anzeige grĂŒndlich zu ĂŒberprĂŒfen.

Als Schutz fĂŒr dich als Nutzerin oder Nutzer bleiben Adblocker das wirksamste Mittel. Diese Browser-Erweiterungen verhindern, dass Werbeinhalte ĂŒberhaupt geladen werden — infizierte Anzeigen kommen so gar nicht erst auf deinen Rechner.

Die aktuellen Angriffe

Die Sicherheitsfirma Confiant warnte vor Angriffen auf Revive Adserver und damit kompromittierte Werbeserver. Die Infizierung lief ĂŒber manipulierte Flash-Update-Banner.

Die Angreifergruppe nutzt dabei klassisches Malvertising, um die Rechner von Endnutzern zu infizieren — potenziell trifft das jeden. Nach Angaben von Confiant sind rund 60 Werbeserver betroffen.

Erste Spuren dieser Angriffe fanden sich im August 2019. Ob sie davor unentdeckt liefen, lĂ€sst sich nicht feststellen. Die Gruppe nennt sich «Tag Barnakle» und nutzte veraltete Revive-Installationen als Einstiegspunkt. Über die damit verbundenen SicherheitslĂŒcken konnten sich die Angreifer dauerhaft auf fremden Servern einnisten.

Was passiert, nach dem die Angreifer die Kontrolle ĂŒber die Werbeserver ĂŒbernommen haben?

Die regulĂ€re Werbung lĂ€uft nach der Übernahme scheinbar normal weiter. ZusĂ€tzlich wird ein getarntes Schadscript ausgeliefert, das Inhalte von einer separaten Domain nachlödt — einem Werbenetzwerk, das fĂŒr Malware-Verteilung bekannt ist. Du als Nutzerin oder Nutzer bekommst von dieser Verbindung nichts mit.

Das typische Angriffsmittel ist ein Banner, das sich als Flash-Update tarnt. Es soll dich dazu bringen, das Banner anzuklicken und ein vermeintliches Update zu installieren. Was danach auf deinem Rechner landet, war zum Zeitpunkt der Analyse noch unklar. Klar ist: Flash-Updates ĂŒber Werbebanner solltest du nie ausfĂŒhren.

FĂŒr Verschleierung sorgen die Angreifer mit Cookies, die verhindern, dass dieselbe Person die Malware zu oft zu Gesicht bekommt. Das Schadscript prĂŒft ausserdem, ob die Entwicklerkonsole im Browser geöffnet ist — ein Hinweis darauf, dass jemand aktiv nach ungewöhnlichen AktivitĂ€ten sucht.

Wie verbreitet ist die Schadsoftware im Web?

Eine genaue Zahl lĂ€sst sich nicht nennen. Confiant konnte die beschriebenen AktivitĂ€ten auf 360 Websites beobachten — wie hoch die Dunkelziffer ist, weiss niemand.

Der Grund: Die kompromittierten Adserver spielen ihre Inhalte per Programmatic Advertising auf mehrere tausend unterschiedliche Websites aus. Wie viele davon betroffen sind, bleibt offen. Bei einem der gehackten Server dokumentierte Confiant 1,25 Millionen Anzeigenabrufe pro Tag — die Reichweite ist also erheblich.

Direkte Angriffe auf Adserver waren bis dahin selten. Verbreitung ĂŒber Werbung lĂ€uft normalerweise anders: ĂŒber gehackte oder gefĂ€lschte Accounts auf etablierten WerbemarktplĂ€tzen oder ĂŒber kompromittierte WordPress-Installationen. Adserver direkt zu kapern erfordert deutlich mehr technisches Wissen — das macht solche Angriffe schwerer aufzuspĂŒren und schwerer abzuwehren.

Tag Barnakle arbeitet anders als die meisten Malvertiser: Die Gruppe kauft ĂŒber gefĂ€lschte Werbefirmen AnzeigeplĂ€tze auf legitimen Websites und fĂŒllt sie mit schĂ€dlichen Inhalten. Die Webseitenbetreiber wissen davon nichts — und profitieren trotzdem von den Werbeeinnahmen. Manche schauen weg, solange die Kasse stimmt.

Dass diese Methode so selten ist, hat zwei GrĂŒnde. Erstens erfordert das Kapern eines Adservers erhebliches technisches Know-how. Zweitens empfinden viele Malvertiser ihre Angriffe als Grauzone — die direkte Kompromittierung eines Servers ist das klar nicht. Wer so vorgeht, bricht das Gesetz, und zwar im grossen Stil. Die meisten schrecken davor zurĂŒck. Tag Barnakle nicht.

Schutz vor den Angriffen

Der wirksamste Schutz bleibt der Adblocker. Es gibt viele kostenlose Optionen, die zuverlĂ€ssig verhindern, dass infizierte Werbeinhalte auf deinen Rechner gelangen. ZusĂ€tzlich gilt: Werbebanner im Netz nicht anklicken und niemals Software ĂŒber eine Werbeanzeige installieren — egal wie dringend das Update aussieht.

Themen: AdvertisingCybercrimeMalware

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Über die Person

Roger Klein

GeschĂ€ftsfĂŒhrer dataloft GmbH. WordPress seit Version 3, Frauenfeld. Verantwortet bei dataloft Strategie, Architektur und KI-Integration. Baut mit Mattes und Elena rundum.dog, die grösste deutschsprachige Hunde-Wissensplattform.

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