Pomelli im Test: KI-Kampagnen auf Basis deiner Webseite
Geschrieben von
Miriam Schäfer
Pomelli verspricht KI-generierte Marketingkampagnen, individuell auf deine Webseite und deine Marke zugeschnitten. Statt nur einzelne Prompts zu verarbeiten, analysiert die Plattform deine Webseite, erkennt visuelle Elemente, Markenfarben, Inhalte und Strukturen und baut daraus deine digitale Marken-DNA. Auf dieser Grundlage generiert sie Kampagnen und kreative Inhalte, die deutlich stärker auf deine Marke abgestimmt sind als die generischen Ergebnisse anderer KI-Tools. Ich habe Pomelli in den vergangenen Tagen intensiv getestet. Hier zeige ich dir Schritt für Schritt, wie das Tool funktioniert, mit welchen Kniffen du die besten Outputs bekommst und wo die Stärken und Schwächen liegen.
Was genau ist Pomelli?
Pomelli ist ein experimentelles KI-Marketingtool von Google Labs und Google DeepMind. Die Plattform nutzt Künstliche Intelligenz, um auf Basis von Webseiten und ihren Marken Social Media Kampagnen zu erstellen. Im Mittelpunkt (und das ist der entscheidende Unterschied zu anderen Tools auf diesem Sektor) steht nicht nur die Generierung von Bildern oder Texten, sondern allem voran das Markenverständnis.
Anders als vergleichbare Tools startet Pomelli nicht mit einem leeren Prompt-Feld, es analysiert die eigene Webseite und erstellt auf dieser Basis eine ganz persönliche Marken-DNA, die es für alle weiteren Inhalte nutzt.
Deine „Business DNA“: Fundament des gesamten Systems
Der Start mit Pomelli könnte kaum einfacher sein. Du gibst einfach die URL deiner Webseite ein.
Sofort loslegen kannst du aber leider noch nicht, denn dieser Schritt dauert eine Weile. Aber genau dieser Schritt ist es, der Pomelli von so vielen anderen KI-Tools unterscheidet. Klassische Bild- oder Textgeneratoren starten bei Null und du musst ihnen erklären, wie du welchen Output haben möchtest. Pomelli hingegen nimmt dir diese ganze Arbeit ab, denn es analysiert deine Webseite und sammelt:
Deine bzw. die Tonalität deiner Marke
Markenfarben und visuelle Ästhetik
Markenlogo
Headlines, CTAs und Slogans
Markenwerte
Schriftarten
Bilder von der Webseite
Den ersten entscheidenden Schritt siehst du an diesem Sreenshot, wo ich am Beispiel unseres Portals rundum.dog eine Business-DNA habe erstellen lassen.
Der Prozess hat bei mir im Schnitt bis zu zehn Minuten gedauert.
Aber das Warten lohnt sich: Am Ende hast du deine sogenannte Business DNA, ein digitales Markenprofil, auf dessen Grundlage du später umfangreiche Kampagnen kreieren kannst.
Dein Branding zentral verwalten
Hast du deine Webseite eingegeben und Pomelli alle relevanten Inhalte analysiert, gelangst du automatisch in ein Menü, das in drei Bereiche unterteilt ist: Overview (Übersicht), Catalog und Assets.
Business DNA – Overview
In der Overview hast du einen schönen Schnappschuss davon, was Pomelli von deiner Webseite gesammelt hat. Allem voran natürlich die URL deiner Webseite, danach das Markenlogo, die vorherrschende Schriftart sowie deine Markenfarben.
Gefällt dir etwas davon nicht oder möchtest du etwas ändern, hinzufügen oder löschen, kannst du das an dieser Stelle ganz einfach tun.
Business DNA mit URL, Markenlogo, Schriftart und Markenfarben am Beispiel unserer Webseite rundum.dog
Business DNA – Catalog
Im Bereich „Catalog“ zeigt Pomelli die verschiedenen Inhalte und Bereiche an, die es auf deiner Webseite gefunden hat. Technisch gesehen handelt es sich dabei zunächst schlicht um Unterseiten (am Beispiel von rundum.dog etwa der Blog, das Dienstleister-Verzeichnis, der Veranstaltungskalender, Gefahrenmeldungen und der Tiervermittlungsbereich).
Funktional steckt allerdings weit mehr dahinter, denn Pomelli kann diese Seiten später als kontextbezogene Bausteine für deine Kampagnen nutzen.
Bestimmte Inhalte im Catalog sind besonders prädestiniert, um auf die Marke zugeschnittene Werbekampagnen zu erstellen:
Produktseiten von Webshops oder Kategorien
Dienstleistungen oder Kategorien davon
Landingpages
Blogs
Angebotsseiten
Projekte oder besondere Themenschwerpunkte
Auch hier gilt übrigens: Wenn Pomelli etwas nicht von selbst gefunden hat, kannst du durch einen Klick auf „Add from URL“ nochmals eine exakte URL vorgeben oder aber mit „Add from scratch“ eine weitere Sektion hinzufügen, inklusive Bild, Name und kompletter Beschreibung.
Business DNA – Assets
Die Assets in Pomelli sind quasi deine visuelle Datenbasis. Hier sammelt es alle Elemente, die du später für Kampagnen oder den Fotoeditor verwenden kannst.
Mir ist an dieser Stelle aufgefallen, dass es nur die letzten/aktuellsten Bilder von der Webseite zieht und nach ca. 25 Bildern Schluss war (obwohl wir hunderte von Bildern allein auf dem Blog haben).
Das ist aber kein Problem, denn wie bei den anderen Bereichen kannst du auch hier nach Belieben neue Elemente per URL oder direktem Upload hinzufügen.
Tipp: Dieser Bereich ist das verbindende Element zwischen klarem Branding und Kampagnenerstellung. Achte deshalb darauf, dass ein guter Grundstock von Elementen vorhanden ist, die am besten zu deiner Marke passen. Dazu gehören neben deinem Markenlogo die aktuellsten Bilder, die auch auf deiner Webseite sichtbar sind.
Das Herzstück: Campaigns mit Pomelli erstellen
Der Bereich „Campaigns“ ist das zentrale Element von Pomelli und gleichzeitig der Part, in dem es sich von klassischen KI-Tools abhebt.
Im ersten Schritt erstellst du eine neue Kampagne. Dafür hast du ein zentrales Eingabefeld („describe the campaign you want to create„). Hier gehört dein Promt/Briefing rein.
Ergänzend dazu stehen dir drei zentrale Steuerungselemente zur Verfügung:
Product: Falls gewünscht, kannst du hier auswählen, auf welchen Bereich deiner Webseite sich die Kampagne beziehen soll. In meinem Test war genau dieser Punkt entscheidend, damit die generierten Inhalte nicht wie „generische KI-Werbung“ wirken, sondern echten Bezug auf konkrete Inhalte der eigenen Webseite nehmen.
Images: Hiermit legst du fest, welche visuellen Elemente in der Kampagne zu nutzen sind. In der Regel erstellt Pomelli einen Mix aus bestehenden Assets (zufällig ausgewählt, aber doch recht passend zum Prompt) und 1-2 neuen Bildideen, es sei denn, du gibst strikt mindestens 4 Elemente vor.
Aspect Ratio: Du bestimmt das Format für die Plattformen und hast die Wahl zwischen Story (hochkant 9:16), Square (quadratisch 1:1) und Feed (4:5). Besonders wichtig, wenn du Inhalte speziell für verschiedene Kanäle (z.B. Stories hochformatig, Instagram Posts vertikal, LinkedIn quadratisch) gestalten willst.
Wie bearbeite und optimiere ich Kampagnen?
Nach dem Prompt und (optional, aber empfohlen) Auswahl der drei Steuerelemente beginnt der zweite wichtige Teil: der Feinschliff. Pomelli ist nicht nur ein reines Generierungstool, es besitzt auch einen (wenn auch eher dezenten) Editor-Charakter.
Sobald du die Kampagnenerstellung in Pomelli startest, macht es dir standardmässig vier Vorschläge. Klicke denjenigen an, der dir am ehesten zusagt (keine Sorge, er muss noch nicht perfekt sein, denn der Feinschliff kommt jetzt) und/oder schmeisse die aus der Liste, die überhaupt nicht passen.
Hier haben wir mit Pomelli für rundum.dog eine Kampagne erstellt, die den Veranstaltungskalender auf unserem Portal bewerben sollte.
Header
Der Header ist die Haupt-/Kernaussage deiner Kampagne, dein Aufhänger. Pomelli macht immer einige Initialvorschläge. Passt der nicht, hast du folgende Möglichkeiten zur Bearbeitung:
Vorgabe eines Textes zur 1:1 Übernahme
Eingabe eines neuen/geänderten Prompts über den Zauberstab-Button (neues Textfeld öffnet sich: Describe what you want the header to say)
Auswahl einer Schriftart (Drop-Down-Liste)
Änderung der Farbe (Farbpalette oder Farbcode)
Grösse & Höhe der Schrift
Description
Die Description ergänzt den Header, erscheint meistens weniger prominent darunter und liefert zusätzliche Informationen. Du hast hier dieselben Möglichkeiten zur Bearbeitung wie beim Header (Text, Schriftart, Farbe, Grösse). Die Tonalität kannst du also ganz flexibel anpassen, von sachlich über emotional bis werblich bekommt Pomelli alles ganz gut hin.
Call to Action
Der Call to Action (CTA) ist ein zentrales Element für Kampagnen, bei denen es um Conversion geht. Standardmässig war dieses Element bei uns gar nicht integriert. Dennoch hast du über das Menü auf der rechten Seite immer die Option, diesen Button hinzuzufügen.
Ist er noch nicht im ersten Vorschlag enthalten, klicke einfach unter Call to Action auf „Generate“. Sobald er erscheint, hast du auch wieder die Möglichkeit, ihn inhaltlich und optisch zu bearbeiten (Text, Schriftart, Farbe, Grösse).
Weitere Funktionen
Innerhalb der Bearbeitung einzelner Kampagnenelemente hast du neben dem Menü rechts (Header, Description, Call to Action) natürlich immer zentral die Ansicht des fertigen Produkts.
Wie du an diesem Screenshot siehst, stehen dir an dieser Stelle noch zwei ganz nützliche Funktionen zur Verfügung:
„Version History„, „Fix Layout“ und natürlich der Download-Button.
Die Versionshistorie war bei mir ein wahres Zaubermittel, wenn ich mal Änderungen durchgeführt habe, bei denen plötzlich nur Kraut und Rüben herauskam. Mit einem Klick auf den Pfeil nach links gelangst du zur vorherigen Version und die letzten Änderungen werden rückgängig gemacht – sehr praktisch, wenn die Finger mal schneller waren als der Verstand.
„Fix Layout“ ist eine Funktion, mit der Pomelli automatisch versucht, das Gesamtlayout „stabil“ und „sauber“ zu halten. Je nachdem, was du gerade vor dir siehst, hat der Button manchmal gar keine Funktion bzw. es ändert sich nichts. Bei mir waren in einigen Anwendungsfällen aber mal Teile der Schrift abgeschnitten oder Abstände falsch, dann hat der Button „Fix Layout“ das bereinigt.
Die Funktionalität des Download-Buttons ist wahrscheinlich klar. Das Schöne ist: selbst, wenn du einzelne Inhalte später löschst oder veränderst, du kannst dir hier bereits jedes Bild einzeln herunterladen. Ich habe das regelmässig gemacht, damit am Ende auch wirklich nichts verlorengeht.
Was kann Pomelli gut und was nicht?
Nachdem ich Pomelli über eine Woche lang intensiv genutzt habe, zeigt sich mir ein klares Bild: Es ist spannend und hat meine Erwartungen in vielen Punkten übertroffen. Trotz allem ist es noch kein ausgereiftes All-in-One-System.
Der Ansatz, Werbekampagnen (es können genauso gut auch einfach nur normale Social Media Posts sein, wie man an meinen Tests sieht) aus bestehenden Webseiten zu entwickeln, funktioniert in der Praxis besser als gedacht.
Gleichzeitig sind mir einige klare Grenzen und dezente Mankos aufgefallen, die im Arbeitsalltag manchmal lästig sind.
Stärken
Einer der grössten Pluspunkte ist definitiv die Business DNA mit all ihren Facetten. Pomelli schafft es damit, Farben, Stilrichtung und Tonalität der Webseite erstaunlich gut zu erfassen und mit Visuals auf den Punkt zu bringen. Mir gefällt die Kombination aus schlichtem Briefing (das erstaunlich kurz ausfallen darf und trotzdem gute Ergebnisse liefert) und kompakten, nutzerfreundlichen Bedienelementen zum Verfeinern.
Gerade für Social Media ist es ein echter Vorteil, Posts zu erstellen, die visuell perfekt zur eigenen Marke passen.
Nicht zuletzt ist der Start mit Pomelli denkbar einfach. URL eingeben, fertig. Ich brauche keinen Code und kein Expertenwissen, um irgendwelche Funktionen zu verstehen oder zu bedienen.
Von alldem abgesehen: Pomelli ist in dieser Fassung komplett kostenlos. Und ich bin abgeneigt, einem geschenkten Gaul ins Maul zu schauen.
Schwächen
Natürlich gibt es trotzdem immer irgendwas zu meckern. Einer der negativen Punkte, die mir am stärksten aufgefallen sind, sind die teilweise enorm langen Ladezeiten bei der Generierung von Kampagnen. Das unterbricht spürbar den Workflow, besonders, wenn du nacheinander mehrere Varianten durchlaufen und testen möchtest.
Ein Punkt, der mich irritiert hat, ist die uneinheitliche Sprache in den Systemtexten von Pomelli. Ich kann alle Inhalte sauber auf deutsch generieren, aber die Systemhinweise und Infoblöcke – auch bei der Kampagnenvorschau – bleiben auf englisch. Kein Drama, aber doch ein Punkt, der die sonst so aufgeräumte Oberfläche etwas stört.
Am negativsten ist die stark beeinträchtigte kreative Freiheit im Layout. Du kannst Elemente wie CTA-Buttons oder Textblöcke nicht vollständig frei positionieren oder auf dem Bild bewegen, Pomelli platziert sie immer an einem vordefinierten Raster. Zwar nachvollziehbar für so ein Tool, dennoch schränkt das die gestalterische Flexibilität enorm ein.
Zuletzt muss gesagt sein, dass Pomelli sich ausschliesslich an den vorhandenen Webseiteninhalten und Assets orientieren kann. Eine völlig unabhängige „Off Topic“ Kampagne lässt sich deshalb nicht mal eben so erstellen.
Mein Testurteil: Starkes KI-Tool mit wenigen Mankos
Nach mehreren Tagen intensiver Nutzung hinterlässt Pomelli bei mir insgesamt einen sehr positiven Eindruck. Die Plattform zeigt eindrücklich, wohin sich KI-gestütztes Marketing entwickelt, wenn nicht nur einzelne Inhalte generiert werden, sondern der gesamte Marken- und Kampagnenkontext mitgedacht wird.
Unterm Strich bleibt der Eindruck eines sehr starken KI-Tools mit klar erkennbarem Potenzial. Pomelli ist besonders dort spannend, wo es um markenkonsistente, schnell erstellbare Kampagnen auf Basis einer bestehenden Webseite geht. Gleichzeitig merkt man aber auch, dass es sich noch um ein relativ junges, experimentelles Produkt handelt, das in einigen Bereichen noch Feinschliff benötigt.
Mein Fazit fällt insgesamt positiv aus: Pomelli ist kein perfektes Tool, aber ein sehr überzeugender Ansatz für die Zukunft von KI-gestütztem Marketing.
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