In nur wenigen Themenbereichen haben sich so viele Strategien gesellschaftlich etabliert wie im Marketing. Du hast bestimmt schon einmal von der AIDA-Formel oder den «vier grossen R des Marketings» gehört. Sobald du in der Suchmaschine deiner Wahl danach stöberst, erhĂ€ltst du zahlreiche Treffer, darunter sogar eigenstĂ€ndige EintrĂ€ge in beispielsweise Wikipedia. Bei der Suche nach den «4R» erfolgt sogleich der Verweis auf den Marketingplan. Was versteckt sich hinter all den Begrifflichkeiten? Braucht es fĂŒr eine erfolgreiche Marketing-Strategie zwangslĂ€ufig AIDA, IDAA oder 4R? Schauen wir es uns einmal nĂ€her an.
Buchstaben-Formeln fĂŒrs Marketing
In unserem kĂŒrzlichen Artikel zum Thema Markenbildung und Brand-Experience haben wir die besagte AIDA-Formel bereits kurz angeschnitten. Interessant ist, dass AIDA inzwischen ein wenig abgewandelt auch als IDAA daherkommt. Wir klĂ€ren die Unterschiede â sofern es sie gibt â auf. Die 4R hingegen, wenn man sie denn als Formel versteht, weist einige deutlichere Unterschiede auf.
AIDA
Wie bei so vielen modernen Definitionen handelt es sich bei AIDA um die Anfangsbuchstaben englischer Wörter. Ausnahmsweise sind die einzelnen Begriffe jedoch vollwertig durch deutsche Ăbersetzungen ersetzbar.
- A (Original fĂŒr «Attention») steht fĂŒr Aufmerksamkeit
- I (Original fĂŒr «Interest») steht fĂŒr Interesse
- D (Original fĂŒr «Desire») ist zwar eigentlich als Begehren oder Wunsch gelĂ€ufig, passend ist allerdings auch Drang
- A (Original fĂŒr «Action») steht fĂŒr Aktion
IDAA
Eigentlich ist das immer noch die AIDA-Formel, irgendwie aber auch nicht. Im Grunde wurden die Buchstaben einfach nur ein wenig durcheinandergewĂŒrfelt. Wenn man die neue Version nĂ€her betrachtet, entsteht daraus allerdings eine ganz andere Marketing-Strategie.
- I fĂŒr Interesse
- D fĂŒr Drang
- A fĂŒr Aufmerksamkeit
- A fĂŒr Aktion
4R
Bei den vier R ist die Reihenfolge nebensĂ€chlich. Vielmehr sollen die Kernworte eine entscheidende Rolle innerhalb der Marketing-Strategie einnehmen. Ăbrigens standen frĂŒher 4 P fast sinngemĂ€ss fĂŒr die 4 R, wobei das neue Modell den Kunden intensiver einbezieht.
- Relevanz: Sowohl das werbende Unternehmen selbst als auch die angebotenen Produkte/Dienstleistungen mĂŒssen fĂŒr den Kunden relevant sein, um ĂŒberhaupt auf dem Markt wahrgenommen zu werden.
- RationalitÀt: Die Unternehmensprozesse basieren auf rational getroffenen Entscheidungen. Der Wert liegt auf VerhÀltnismÀssigkeit von Investitionen und Nutzen.
- Ranking: Die Bedeutung liegt wahrscheinlich klar auf der Hand â gemeint ist die Platzierung auf den vorderen RĂ€ngen, sei es in der Suchmaschine oder auf dem Markt.
- ReaktivitĂ€t: Um die Prozesse nicht allzu statisch zu gestalten, ist die ReaktionsfĂ€higkeit des Unternehmens gefragt. Darunter fĂ€llt auch, dass man auf KundenbedĂŒrfnisse und deren Kritik eingeht.
Buchstabensuppe: Weitere Marketing Instrumente
Mit der Zusammenfassung der «bekanntesten» Modelle sind wir ĂŒbrigens damit noch lange nicht am Ende. Vorhin haben wir kurz die «4P» erwĂ€hnt. Nach gesellschaftlich anerkannter Definition stehen die besagten P’s fĂŒr:
- P in Produkt, aber auch die gesamte Produktpolitik
- P im Preis inklusive der Preispolitik
- Promotion â besser auch als Kommunikationspolitik bekannt
- Place / Platz oder auch die Vertriebspolitik
Das klingt alles nach recht viel Politik, nicht wahr? Im Grunde können wir das Politik-Wort an jedes beliebige Einzelinstrument des Marketings anhĂ€ngen: Da wĂ€ren zum Beispiel die Unternehmenspolitik, die Wettbewerbspolitik, die Marktpolitik â und jedes einzelne Wort ist vom Duden anerkannt.
Marketing ist Politik
Ist das wirklich so? Unserer Meinung nach passt es ganz gut. Wer sich den Wikipedia-Eintrag zur Definition von Politik ansieht, erkennt entscheidende Gemeinsamkeiten. Bereits am Satzbeginn steht dort, dass der Politikbegriff fĂŒr die Regelung von Angelegenheiten steht. Lassen wir den Bezug zum Allgemeinwesen weg, passt es genauso prĂ€chtig aufs Marketing. Auch die verbindlichen Entscheidungen fallen ins Auge.
Marketing vereint all das: Mit den unterschiedlichen Instrumenten, die uns zur VerfĂŒgung stehen, erarbeiten wir eine Marketing-Strategie, aus der wir dann die entsprechenden Angelegenheiten regeln. Unsere Entscheidungen folgen dem definierten Regelwerk â und sollen möglichst verbindlich sein.
Eine bunte Mischung aus Allem
Aber mĂŒssen wir uns bei der Wahl der «richtigen» Marketing-Strategie zwangslĂ€ufig auf nur eine der bekannten Formeln festlegen? Wahrscheinlich gibt es ihn ohnehin nicht, den einzig korrekten Weg. Wichtig ist aber, vor allem in Sachen Marketing: Wir mĂŒssen dynamisch bleiben, denn so ist auch der Markt.
Warum also nicht ein kunterbunter Mix aus allen Buchstaben, die besagte Buchstabensuppe? Damit vereinen wir alle positiven Aspekte, die uns neue Kunden gewinnen lassen. Mit Marketing wollen wir Aufmerksamkeit und Interesse erwecken, die letztlich zum Kaufwunsch leiten. Wir haben Politik fĂŒr die Produkte, Preise, Kommunikation und den Vertriebsweg. Und wir vergessen dabei nicht die Relevanz, das rationale Denken, das Ranking und die Reaktionen.
Uns persönlich gefĂ€llt jedenfalls jede Formel, die den Kunden in den Fokus rĂŒckt. Wie wĂ€re es also mal mit dem Buchstaben K und einer ganz neuen Formel? K fĂŒr den Kern â und der beinhaltet KundenwĂŒnsche, Kundenzufriedenheit und alles, was dazugehört. Die Kommunikation wĂ€re damit mit ihrem Anfangsbuchstaben ebenso abgedeckt. Lassen wir uns ĂŒberraschen, was uns in der wechselhaften Dynamik des Marketings in Zukunft noch so alles begegnet.