Alle Jahre wieder fĂŒhrt Addiction Suisse Studien unter anderem zur Mediennutzung durch Kinder im Schulalter durch. In den zuletzt prĂ€sentierten Ergebnissen zeichnen sich deutliche Trends ab.
Studien zur Mediennutzung
Im Rahmen der alle vier Jahre durchgefĂŒhrten «Health Behaviour in School-aged Children» (HBSC)-Studie werden 11- bis 15-jĂ€hrige SchĂŒlerinnen und SchĂŒler in europĂ€ischen LĂ€ndern zu Gesundheit und Verhalten befragt. Die Schweiz beteiligt sich seit 1986 ĂŒber Sucht Schweiz an der Untersuchung â unter der Schirmherrschaft des WHO-RegionalbĂŒros fĂŒr Europa.
Die HBSC-Studie erfasst LebensumstĂ€nde und -stile von Jugendlichen international und vergleicht die Daten ĂŒber LĂ€nder und Jahre hinweg.
Finanziert wird sie durch das Bundesamt fĂŒr Gesundheit (BAG) und die Mehrheit der Kantone. Die Ergebnisse fliessen direkt in nationale und kantonale PrĂ€ventions- und Gesundheitsförderungsprogramme ein.
Mediennutzung durch Jugendliche steigt
An der letzten Befragung, die umfassende Zahlen fĂŒr 2022 liefert, nahmen ĂŒber 9’000 Schweizer Jugendliche teil. Die wichtigsten Erkenntnisse im Ăberblick:
- 80 % der Jungen und 90 % der MÀdchen (jeweils 15-jÀhrig) verbringen mindestens tÀglich Zeit in sozialen Netzwerken.
- 10 % der MĂ€dchen zwischen 11 und 15 Jahren berichten nach eigenen Angaben ĂŒber einen Kontrollverlust bei der Mediennutzung. Bei den Jungen im selben Alter sind es 4 %.
- Der Anteil bei den MĂ€dchen hat sich im 4-Jahres-Vergleich etwa verdoppelt. Als Hauptursache gilt die Corona-Pandemie und der damit verbundene soziale RĂŒckzug.
- Rund 33 % der Jungen spielen tÀglich Online-Games. Bei den MÀdchen sind es etwa 5 %.
- Rund 3 % aller Jugendlichen stufen ihr eigenes Spielverhalten als problematisch ein.
Die vollstÀndige Studie findest du hier.
Potenzielle Auswirkungen von ĂŒbermĂ€ssigem Bildschirmkonsum
FrĂŒhere Studien deuten darauf hin, dass exzessive Bildschirmzeit diverse Risiken birgt.
Bei jĂŒngeren Kindern kann viel Zeit vor dem Bildschirm KonzentrationsfĂ€higkeit und Aufmerksamkeitsspanne beeintrĂ€chtigen â mit Folgen fĂŒr die schulischen Leistungen.
GerĂ€t die Mediennutzung ausser Kontrolle, kommen weitere gesundheitliche Probleme dazu: Wer mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringt, bewegt sich weniger â das erhöht das Risiko fĂŒr Ăbergewicht. KĂŒnstliches Bildschirmlicht kann die Melatonin-Produktion stören und die SchlafqualitĂ€t verschlechtern. Und wer weniger persönlichen sozialen Kontakt hat, trĂ€gt ein erhöhtes Risiko fĂŒr Depressionen oder Angststörungen.
Digitale Erziehung
Kinder brauchen einen verlĂ€sslichen Rahmen fĂŒr ihre Mediennutzung â keinen Verbotskatalog, sondern konkrete Orientierung. Ein paar AnsĂ€tze, die funktionieren:
- Klare Regeln fĂŒr die Bildschirmzeit helfen Kindern, ein Gleichgewicht zu finden.
- Inhalte im Blick behalten: Was Kinder konsumieren, sollte altersgerecht sein â das lĂ€sst sich mit kurzen gemeinsamen Nutzungsphasen gut einschĂ€tzen.
- Gemeinsam nutzen: Wer Bildschirmzeit mit Kindern teilt, versteht ihre digitale Welt besser und kann gezielter begleiten.
- Online-Sicherheit erklÀren: Kinder sollten verstehen, welche Risiken im Netz existieren und warum PrivatsphÀre zÀhlt.
- Offline-Zeit aktiv fördern: Draussen spielen, lesen, andere treffen â das gehört zum Ausgleich dazu, nicht als Strafe, sondern als fester Bestandteil.
- Selbst Vorbild sein: Kinder orientieren sich am Verhalten ihrer Eltern. Wer selbst entspannt mit Bildschirmen umgeht, sendet das stÀrkste Signal.