Von Homeoffice bis Shared Desk: Arbeitsplatzkonzepte unter der Lupe

Geschrieben von
Miriam Schäfer
Arbeitsplatzkonzepte im Vergleich

Die Digitalisierung und der Wunsch nach mehr Flexibilität haben in den letzten Jahren eine ganze Reihe neuer Arbeitsplatzkonzepte hervorgebracht. Für Mitarbeitende und Unternehmen bringt das echte Fragen mit sich: Hält das, was sich hinter Begriffen wie „Shared Desk“ und „Activity-Based Working“ verbirgt, was es verspricht? Oder ist da mehr Marketing als Substanz?

Die gängigsten Arbeitsplatzkonzepte

Arbeitsplatzkonzepte unterscheiden sich in Struktur, Flexibilität und Design – und werden je nach Unternehmensgrösse, Branche und Kultur unterschiedlich umgesetzt. Hier ein Überblick über die verbreitetsten Modelle.

Einzelbüros

Das Einzelbüro ist das klassische Modell: Jede Person hat einen eigenen, abgeschlossenen Raum – ausgestattet mit Schreibtisch, Stuhl, Stauraum und persönlichen Gegenständen. Ruhig, privat, individuell gestaltbar.

Vorteile aus Mitarbeitenden- und Unternehmersicht

  • Konzentriertes Arbeiten ohne Ablenkungen – produktiv für Aufgaben, die Fokus erfordern.
  • Privatsphäre: Sensible Gespräche und vertrauliche Aufgaben lassen sich diskret erledigen.
  • Personalisierung: Der Raum passt sich den eigenen Bedürfnissen an.

Nachteile aus Mitarbeitenden- und Unternehmersicht

  • Isolation: Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen findet seltener statt.
  • Teamarbeit wird durch räumliche Trennung erschwert.
  • Einzelbüros brauchen viel Fläche – das treibt die Mietkosten.

Grossraumbüros

Im Grossraumbüro – auch Open-Space-Büro – arbeiten viele Personen gemeinsam in einem offenen Bereich, ohne Trennwände oder mit minimaler Abgrenzung. Schreibtische stehen in Reihen oder Clustern, Besprechungsräume und Loungebereiche sind frei zugänglich.

Vorteile aus Mitarbeitenden- und Unternehmersicht

  • Austausch und Zusammenarbeit funktionieren ohne Barrieren – Informationen fliessen schneller.
  • Der direkte Kontakt zwischen Personen kann Kreativität und Innovation fördern.
  • Mehr Personen auf derselben Fläche – das spart Kosten.

Nachteile aus Mitarbeitenden- und Unternehmersicht

  • Lärm und Ablenkungen beeinträchtigen die Konzentration – und damit die Produktivität. Auch für Unternehmen ein Nachteil.
  • Vertrauliche Gespräche sind kaum möglich.
  • Enger Kontakt erhöht das Ansteckungsrisiko und kann zu mehr Krankheitsausfällen führen.

Arbeitsplatzkonzept mit Kombizonen

Kombizonen-Büros verbinden Einzelbüros und offene Arbeitsbereiche. Mitarbeitende wählen je nach Bedarf: ruhige Zonen für Fokusarbeit, offene Bereiche für Teamarbeit, gemeinsame Räume wie Küchen oder Lounges. Die Trennung erfolgt über flexible Trennwände, mobile Möbel oder unterschiedliche Bodenbeläge.

Vor- und Nachteile ähneln denen der Einzel- und Grossraumbüros – weil das Modell beides vereint: Privatsphäre und Kommunikationsmöglichkeiten in einem flexiblen Rahmen.

Flexible Arbeitsplätze (Hot Desking)

Beim Hot Desking gibt es keinen festen Schreibtisch – Mitarbeitende suchen sich täglich einen freien Platz. Die Arbeitsstationen sind standardisiert und sofort nutzbar, Schliessfächer oder mobile Aufbewahrungslösungen nehmen persönliche Gegenstände auf.

Vorteile aus Mitarbeitenden- und Unternehmersicht

  • Flexibilität: Der Platz passt sich der Tagesaufgabe an.
  • Wechselnde Sitznachbarschaften erleichtern den Kontakt zu verschiedenen Kolleginnen und Kollegen.
  • Weniger Schreibtische, weniger Platzbedarf, weniger Kosten – die Bürofläche lässt sich besser anpassen.

Nachteile aus Mitarbeitenden- und Unternehmersicht

  • Kein persönlicher Raum – das Arbeitsumfeld bleibt unpersönlich.
  • Täglich einen Platz zu suchen kostet Zeit und kann auf Dauer frustrieren.
  • Das Unternehmen muss sicherstellen, dass immer genug Plätze verfügbar sind – das erfordert Planung.

Aktivitätsbasierte Arbeitsumgebungen (Activity-Based Working, ABW)

Bei ABW richtet sich der Arbeitsplatz nach der Tätigkeit. Es gibt keine festen Plätze – stattdessen verschiedene Zonen: ruhige Bereiche für Fokusarbeit, offene Flächen für Teams, Besprechungsräume, Kreativräume, Entspannungszonen. Die Möbel sind modular und lassen sich schnell umstellen.

Vor- und Nachteile von ABW

  • Verschiedene Umgebungen können kreative Denkprozesse unterstützen – ein Vorteil besonders für spezifische Aufgaben.
  • Ständig wechselnde Arbeitsplätze können das Gefühl von Zugehörigkeit und Stabilität untergraben.
  • Die Einführung erfordert sorgfältige Planung und oft umfangreiche Umbaumassnahmen.
  • Mitarbeitende müssen das Konzept mittragen wollen – Schulungen und Übergangszeit sind nötig.

Home Office / Remote Work

Home Office bedeutet: arbeiten von zuhause oder einem anderen Ort ausserhalb des Büros. Durch Digitalisierung und die COVID-19-Pandemie hat dieses Modell massiv an Bedeutung gewonnen. Remote Work kann auch Coworking Spaces oder das Arbeiten unterwegs einschliessen – je nach Job.

Vorteile aus Mitarbeitenden- und Unternehmersicht

  • Arbeitszeiten und Umgebung lassen sich selbst bestimmen – das verbessert die Work-Life-Balance und kann Stress reduzieren.
  • Pendelzeiten und -kosten fallen weg. Unternehmen sparen Bürofläche und Infrastruktur.
  • Unternehmen können Talente weltweit rekrutieren, unabhängig vom Standort.

Nachteile aus Mitarbeitenden- und Unternehmersicht

  • Fehlender persönlicher Kontakt kann zu Isolation und schwächerem Teamgefühl führen.
  • Technische Probleme oder mangelnde Ausstattung zuhause können die Arbeit erschweren.
  • Arbeitszeiten und Produktivität lassen sich für Arbeitgebende schwieriger überblicken.
  • Remote Work kann Sicherheitsrisiken beim Datenschutz und der IT-Infrastruktur mit sich bringen – besonders wenn von verschiedenen Standorten auf sensible Daten zugegriffen wird.

Arbeitsplatzkonzept Co-Working Spaces

Co-Working Spaces sind geteilte Arbeitsräume für Unternehmen, Start-ups, Freelancer und Remote-Arbeitende. Sie bieten eine flexible Alternative zum klassischen Büro: offene Arbeitsbereiche, Einzelarbeitsplätze, Besprechungsräume, Lounges und oft Gemeinschaftseinrichtungen wie Küchen oder Cafés.

Vorteile aus Mitarbeitenden- und Unternehmersicht

  • Vernetzung mit anderen Fachleuten und Unternehmen – das kann neue Geschäfts- oder Karrierechancen eröffnen.
  • Flexible Mietoptionen ohne langfristige Bindung – besonders praktisch für Start-ups und kleine Unternehmen, die sich schnell anpassen müssen.

Nachteile aus Mitarbeitenden- und Unternehmersicht

  • Kein privater Rückzugsort – vertrauliche Gespräche und Aufgaben sind im offenen Raum schwierig. Ablenkungen durch andere Nutzer kommen hinzu.
  • Unternehmen haben wenig Einfluss auf Gestaltung und Verwaltung des Raums – bei speziellen Anforderungen problematisch.
  • Eine starke Unternehmenskultur und Identität aufzubauen fällt in einem geteilten Raum schwerer.
  • Geteilte Netzwerke und Räume können Sicherheitsrisiken für sensible Unternehmensdaten bedeuten.

Arbeitsplatzkonzept Desk Sharing

Beim Desk Sharing teilen sich mehrere Personen einen Arbeitsplatz – je nach Bedarf oder Arbeitszeit. Die Plätze sind minimalistisch eingerichtet und standardisiert, persönliche Gegenstände werden täglich mitgenommen oder in Schliessfächern verstaut.

Die Vor- und Nachteile ähneln denen des Hot Desking.

Hybrid-Arbeitsplatzkonzepte

Hybride Modelle verbinden Büro und Remote Work: Mitarbeitende wechseln flexibel zwischen beiden. Die Büros bieten Hot Desks, flexible Arbeitsbereiche und Besprechungsräume, die IT-Infrastruktur ermöglicht nahtloses Arbeiten von überall. Koordinierte Kommunikation und klare Richtlinien sind dabei Voraussetzung.

Marketing oder Mehrwert? Die Rolle der Anglizismen bei den Arbeitsplatzkonzepten

Die vorgestellten Konzepte decken eine breite Palette ab – und sollen modernen Anforderungen an Flexibilität und Effizienz gerecht werden. Schaut man genauer hin, stimmt das Bild aber nicht immer mit der Realität überein. Begriffe wie „Hot Desking“, „Co-Working“ oder „Shared Desk“ klingen modern und international – das ist kein Zufall. Sie transportieren eine Modernität, die in Marketing-Strategien gezielt eingesetzt wird.

Das heisst nicht, dass die Konzepte nichts taugen. Aber sie verdienen kritische Betrachtung. Der Verlust an persönlichem Raum – beim Desk Sharing oder im Open-Space-Büro – belastet auf Dauer Wohlbefinden und Produktivität. Und die viel beschworene Flexibilität von Remote Work oder hybriden Modellen bringt eigene Belastungen mit sich: ständig wechselnde Umgebungen, andere Anforderungen, neue Reibungsflächen.

Individualität statt Anglizismen – Was wirklich bei der Arbeitsplatzgestaltung zählt

Unternehmen sollten genau abwägen, welche Konzepte zu ihrer Kultur und den Bedürfnissen ihrer Mitarbeitenden passen. Wer sich von Anglizismen leiten lässt, verliert dabei schnell das Wesentliche aus dem Blick: Jedes Konzept hat Vor- und Nachteile.

Was zählt, ist ein Arbeitsumfeld, das den individuellen Anforderungen gerecht wird – nicht eines, das einem modischen Begriff folgt. Nur dann wird die Einführung neuer Arbeitsplatzmodelle auch in der Praxis funktionieren.

Tags: ArbeitskulturTechnologienVergleich
Über die Autor:in

Miriam Schäfer

Social Media und redaktionelle Inhaltspflege rundum.dog seit April 2026. Schreibt für dataloft zu Datenschutz, Online-Recht, Social-Media-Trends und KI-Themen.

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