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Warum Buy Now Pay Later (BNPL) in der Schweiz so wenig verbreitet ist

Geschrieben von
Miriam SchÀfer
Verschiedene Zahlungsmethoden QR-Code EC-Karte Kreditkarte Kontaktloses Bezahlen Buy Now Pay Later BNPL

Wer aus Deutschland in die Schweiz zieht, merkt schnell, wie unterschiedlich sich der Alltag anfĂŒhlen kann – besonders beim Einkaufen. Was mir frĂŒh aufgefallen ist: die Zahlungsmöglichkeiten. In Deutschland sind Klarna, PayPal-Ratenzahlung oder Rechnungskauf mit Zahlungsziel fast selbstverstĂ€ndlich. In der Schweiz lĂ€uft das anders. BNPL ist hier kaum verbreitet – und dafĂŒr gibt es viele GrĂŒnde.

Was ist „Buy Now Pay Later“ (BNPL) ĂŒberhaupt?

BNPL («Buy Now Pay Later») ist eine Zahlungsart, bei der du die Ware sofort erhĂ€ltst, aber erst spĂ€ter bezahlst – oft zinslos innerhalb eines festen Zeitrahmens (z. B. 30 Tage) oder in Raten. Anbieter wie Klarna, Afterpay oder PayPal Ratenzahlung sind in vielen LĂ€ndern stark gewachsen, besonders im Onlinehandel.

Was BNPL fĂŒr Konsumenten attraktiv macht:

  • Mehr FlexibilitĂ€t bei grösseren Ausgaben
  • Kein direkter LiquiditĂ€tsabfluss
  • Spontane Kaufentscheidungen werden erleichtert

In der Schweiz scheint das Konzept trotzdem nicht recht Fuss zu fassen. Warum?

Persönliche Erfahrungen: Vorkasse statt Zahlungsziel

In Deutschland war ich gewohnt, erst zu bezahlen, wenn die Ware ankam – oder zumindest mit einem Zahlungsziel von 14 oder 30 Tagen. Das gab mir FlexibilitĂ€t und Vertrauen. In der Schweiz ist das ganz anders:

  • Bei den meisten grossen OnlinehĂ€ndlern wird direkt bei Bestellung belastet – per Kreditkarte, Twint oder E-Banking. Erst danach geht die Ware in den Versand.
  • Im Möbelhaus musste ich 100 % Vorkasse leisten, bevor die Produktion massgefertigter Artikel ĂŒberhaupt begann.
  • Bei Veranstaltungs-Buchungen war sofortige Zahlung fĂ€llig – keine Reservierung ohne vorherigen Geldeingang.

Und noch etwas: Selbst wenn ich online per BankĂŒberweisung zahlen will, ist «sofort» keine Option. Anders als in Deutschland, wo EchtzeitĂŒberweisungen lĂ€ngst Standard sind, dauert eine Zahlung hier mindestens einen Banktag. Im E-Banking lĂ€sst sich nur «morgen» als AusfĂŒhrungsdatum wĂ€hlen – anfangs ein völlig ungewohntes System fĂŒr mich.

Vorkasse als Standard in der Schweiz: Die GrĂŒnde

Dass Buy Now Pay Later in der Schweiz bisher kaum Fuss gefasst hat, liegt an mehreren Faktoren – wirtschaftlichen, kulturellen und rechtlichen.

Vorkasse und Direktzahlung kulturell verankert

Die Schweiz hat eine lang etablierte Zahlungskultur, die stark auf Vorkasse und Sofortzahlung basiert:

  • Viele Onlineshops fordern Zahlung vor Versand
  • Auch im stationĂ€ren Handel wird selten auf Rechnung gekauft
  • Selbst bei Retouren gibt es oft kein RĂŒckerstattungsversprechen, solange die Ware nicht eingetroffen und geprĂŒft ist

Diese Praxis ist tief verankert – fĂŒr viele HĂ€ndler eine SelbstverstĂ€ndlichkeit. BNPL brĂ€uchte hier ein kulturelles Umdenken.

Grosse Beliebtheit anderer Zahlungsmethoden

Buy Now Pay Later ist zwar kaum verbreitet, aber bequeme Alternativen gibt es:

  • Twint: In der Schweiz enorm populĂ€r, besonders fĂŒr mobile Zahlungen.
  • Kreditkarten: Immer noch weit verbreitet – mit sofortiger Belastung.
  • Rechnungskauf ĂŒber Anbieter wie Powerpay: Eine Art Schweizer «Light»-Version von BNPL, aber mit sofortiger FĂ€lligkeit und oft hohen MahngebĂŒhren.

Wer mit diesen Methoden zufrieden ist, verspĂŒrt keinen grossen Druck, auf neue Modelle umzusteigen.

Strenge Regulierung: Konsumkredite stark eingeschrÀnkt

Die Schweiz hat ein sehr restriktives Konsumkreditgesetz (KKG), das auch fĂŒr BNPL gilt, sobald es als Kreditform eingestuft wird. Die wichtigsten Punkte:

  • Anbieter mĂŒssen eine BonitĂ€tsprĂŒfung vornehmen, um Überschuldung zu vermeiden.
  • Es gelten Obergrenzen fĂŒr Zinsen – was das GeschĂ€ftsmodell fĂŒr Anbieter wenig attraktiv macht.
  • Werbung fĂŒr Konsumkredite ist stark eingeschrĂ€nkt, besonders wenn sie «leichtfertigen Konsum» fördern könnte.
  • Ergebnis: Der administrative Aufwand fĂŒr Anbieter ist hoch, das Risiko ebenfalls – das schreckt ab.

Vorsichtiger Umgang mit Verschuldung

Das VerhĂ€ltnis zu Schulden ist in der Schweiz deutlich kritischer als in anderen LĂ€ndern. Konsumkredite und Ratenzahlungen gelten tendenziell als Zeichen von «sich etwas nicht leisten können» – nicht als clevere Finanzplanung.

  • Privatverschuldung ist niedriger als etwa in Deutschland oder den USA
  • Überschuldung gilt als gesellschaftlich stigmatisiert
  • Viele Schweizer zahlen lieber sofort – auch wenn es unflexibler ist

Das macht es fĂŒr BNPL-Anbieter schwer, Fuss zu fassen, ohne gleich negativ wahrgenommen zu werden.

Andere Technologie im Zahlungsverkehr

Das Schweizer Zahlungssystem lĂ€uft immer noch stark ĂŒber das SIC-System (Swiss Interbank Clearing), das nur werktags in Tagesendverarbeitung ĂŒbertrĂ€gt. Die Infrastruktur fĂŒr EchtzeitĂŒberweisungen, wie sie in Deutschland mit SEPA Instant Standard ist, fehlt weitgehend.

  • Zahlungen dauern mindestens einen Banktag oder lĂ€nger
  • Das erschwert schnelle Prozesse im Checkout – gerade wenn Vorkasse verlangt wird
  • Buy Now Pay Later könnte hier theoretisch einen Vorteil bieten – aber es fehlt bisher an Dynamik

Buy Now Pay Later passt (noch) nicht zur Schweizer KonsumrealitÀt

Ob aus regulatorischer Sicht, aufgrund kultureller PrĂ€gung oder technologischer HĂŒrden: Die Schweiz ist aktuell kein optimaler NĂ€hrboden fĂŒr BNPL-Modelle.

Das heisst nicht, dass sich das nicht Ă€ndern kann – vor allem, wenn jĂŒngere Zielgruppen nachwachsen oder sich der Zahlungsverkehr modernisiert. Stand heute dominiert aber ein klarer Grundsatz: «Bezahlt wird sofort – geliefert wird danach.»

FĂŒr Konsumenten wie mich, die ein anderes System gewohnt sind, ist das eine Umstellung. Ob angenehm oder nicht – es ist ein spannender Aspekt der gelebten Schweizer RealitĂ€t.

Wer sich fĂŒr die Perspektive von Webshop-Betreibern interessiert – also welche Chancen und Risiken Buy Now Pay Later im Onlinehandel mit sich bringt – findet hier einen lesenswerten Beitrag von Uptain: Buy Now, Pay Later: Vorteile und Risiken fĂŒr Shops

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Themen: DeutschlandE-CommerceFinanzenSchweiz

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Über die Person

Miriam SchÀfer

Erstellt und betreut Fachinhalte fĂŒr dataloft zu Datenschutz, Online-Recht, KI und digitalen Trends. Verantwortlich fĂŒr Content, Redaktion und Social Media bei rundum.dog.

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