Das sogenannte Guerilla Marketing dreht sich vor allem um das A fĂŒr Aufmerksamkeit â zumindest wenn wir der AIDA-Formel folgen. Marketing mit minimalem Budget klingt verlockend, aber wie weit trĂ€gt eine Strategie, die einen so kriegerischen Namen trĂ€gt?
Guerilla-Marketing, BegriffserklÀrung, Entstehung und Vergleich
Jay Conrad Levinson prĂ€gte den Begriff «Guerilla Marketing» in den 80er-Jahren. Die Strategien dahinter haben also ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel. Das Wort «Guerilla» selbst ist noch Ă€lter: Es leitet sich vom spanischen «guerra» (Krieg) ab und entstand wĂ€hrend des spanischen UnabhĂ€ngigkeitskriegs (1808â1812). Geht es also um KriegsfĂŒhrung im Marketing?
Im militĂ€rischen Sinne bezeichnet Guerilla KĂ€mpfer, die dem Gegner zahlenmĂ€ssig und krĂ€ftemĂ€ssig unterlegen sind â und trotzdem erstaunliche Erfolge erzielen, etwa durch Infiltration und Unterwanderung. Diese Idee steckt auch im Marketing-Konzept.
Guerilla Marketing hat wenig mit echtem Krieg zu tun. Es geht darum, die Aufmerksamkeit von Konsumenten auf unerwartete, oft unterschwellige Weise zu gewinnen. «AuffÀllig unauffÀllig» trifft es gut. Verglichen mit der AIDA-Formel dreht sich bei Guerilla-Methoden fast alles um den Punkt Aufmerksamkeit.
AuffÀllig unauffÀllig: Alternative Werbeformen
Was Guerilla Marketing von anderen Werbeformen unterscheidet: Es taucht dort auf, wo Konsumenten keine Werbung erwarten â oder es gar nicht erst als Werbung erkennen. Ein paar Beispiele aus der Praxis:
- Flashmobs, die in Wahrheit vom WerbetrÀger geplant und inszeniert sind
- Ungewöhnliche Werbeplakate an alltĂ€glichen Orten, an denen niemand mit Werbung rechnet â hoch oben an LaternenpfĂ€hlen, auf einzelnen Treppenstufen einer Rolltreppe, auf der RĂŒckseite eines Bierdeckels, an verlassenen GebĂ€udefassaden oder auf der Innenseite von Toilettendeckeln
- Werbemittel, die zunĂ€chst nichts ĂŒber den Absender verraten und dadurch Neugier wecken â Stichwort unterschwellig
- Videos in Social Media, deren werbender Charakter erst nach enormer Reichweite sichtbar wird
- Stunts, die ĂŒber verschiedenste KanĂ€le weiterverbreitet werden
Die Vor- und Nachteile von Guerilla Marketing
Werbung nervt â das ist der Ausgangspunkt von Guerilla Marketing. Die Strategie zielt darauf ab, genau das Gegenteil zu erreichen. Dabei gibt es auch hier verschiedene Unterformen.
- Positive Abhebung gegenĂŒber Konkurrenten
- Emotionale Trigger, die meistens als angenehm wahrgenommen werden
- Viele AnsĂ€tze sind im Vergleich zu klassischer Werbung gĂŒnstig â etwa die Verbreitung von Videos ĂŒber Social Media
- StÀrkere persönliche Assoziationen durch direkte Einbeziehung und Ansprache
- Flashmobs oder spezielle Events bieten echte Unterhaltung â Werbung ist eher Nebeneffekt
Jede Strategie hat ihre Kehrseite. Guerilla Marketing klingt vielversprechend und gĂŒnstig, birgt bei falschem Einsatz aber konkrete Risiken:
- Wenn Konsumenten die Werbung erkennen, kann sie an unerwarteten Orten als noch störender wirken als klassische Formate
- Die Planung von Flashmobs, Events und Àhnlichem ist aufwÀndig
- Ăber die Verbreitung auf sozialen Netzwerken hast du wenig bis keine Kontrolle â Inhalte entwickeln schnell ein Eigenleben
- Gewagt konzipierte Kampagnen können nach hinten losgehen und Zuschauer eher abschrecken als neugierig machen
- Manche Methoden bewegen sich rechtlich in einer Grauzone â vor dem Einsatz ist professionelle Rechtsberatung sinnvoll
- Die Feinabstimmung auf eine Zielgruppe ist schwierig