Die Corona-Pandemie verĂ€ndert das Leben der Menschen radikal. Diese VerĂ€nderungen werden noch langfristig nachwirken, doch schon jetzt sind ihre EinflĂŒsse nicht zu ĂŒbersehen. Das bedeutet auch, dass im B2B Online-Marketing Strategien und Prozesse neu gedacht werden mĂŒssen. Die weltweit nahezu stillgelegte Wirtschaft macht auch dem B2B Online-Vertrieb schwer zu schaffen. In dieser Situation sind kreative Lösungen gefragt, um die Lead-Generierung und den Vertrieb nicht vollends aufzugeben. Manche Wege bereiten sogar die Grundlage, um nach der Krise stĂ€rker dazustehen.
Sales und Marketing arbeiten Hand in Hand
B2B-Leads haben aktuell andere Sorgen, als einen neuen Vertragsabschluss zu prĂŒfen â das heisst, Sales-KrĂ€fte können jetzt anders eingesetzt werden. Eine Studie aus dem Jahr 2019 zeigt, dass zwei Drittel aller Unternehmen angeben, dass Kunden im Marketing nicht bis zur Kaufentscheidung begleitet werden. Die gleiche Zahl an Unternehmen bedauert, dass Leads aus Marketing-Aktionen durch die Sales-Abteilung nicht konsequent betreut und zum Abschluss gefĂŒhrt werden. Den Ergebnissen der Forscher von der Ruhr UniversitĂ€t in Bochum zufolge gehen durch diese Reibungen zwischen den Abteilungen wichtige AbschlĂŒsse verloren â und das Kunden-Erlebnis bleibt unbefriedigend. Gemeinsam multiplizieren beide Bereiche ihre StĂ€rken. Gerade in Krisenzeiten zahlt sich Kooperation aus. Jetzt ist die Zeit, Strategien und Prozesse gemeinsam zu strukturieren und Erfolge zusammen auszuwerten.
Verlorene Daten aus dem CRM-System reaktivieren
CRM-Systeme sind wahre DatenschĂ€tze. In normalen Zeiten reichen die Ressourcen meist nicht aus, diesen Schatz tatsĂ€chlich zu heben. Wenn laufend neue Leads generiert werden, fallen die schwierigeren FĂ€lle oft hinten runter. Die Krise ist ein guter Zeitpunkt, hier aktiv zu werden. Wie viele Deals wurden in der Vergangenheit als «Deal Lost» markiert? Der eine oder andere mag seine Meinung zwischenzeitlich geĂ€ndert haben. Vielleicht gibt es eine neue GeschĂ€ftsfĂŒhrung oder den Wunsch, etwas zu verĂ€ndern. Vielleicht hat der Lead gerade jetzt mehr Zeit, sich mit dem Angebot zu beschĂ€ftigen. Deals, die vor langer Zeit als verloren abgehakt wurden, können wieder aufgewĂ€rmt werden. Auch ehemalige Kunden lassen sich ansprechen â vielleicht sind sie mit ihren aktuellen Lösungen unzufrieden. Leads, die auf ein Angebot hin einfach nicht mehr geantwortet haben, reagieren oft auf eine kurze Erinnerungsmail. All diese Strategien skalieren besser, wenn die Automatisierungsmöglichkeiten der gĂ€ngigen CRM-Systeme genutzt werden.
Automatisiertes Marketing als SchlĂŒssel zur Lead-Reaktivierung
Wer seine Daten im CRM nicht wohlgeordnet hat, sollte jetzt die Gelegenheit nutzen, aus vermeintlich toten Daten wieder aktive Leads zu machen. Wer offen und themenbezogen kommuniziert, zeigt, dass er auch in schweren Zeiten ein verlĂ€sslicher Partner ist. Damit das skaliert, lohnt sich der Blick auf Automatisierungsmöglichkeiten, die in vielen Tools bereits integriert oder leicht anbindbar sind. HubSpot oder Salesforce bieten gute Möglichkeiten, mit E-Mail-Sequenzen themenbezogen und kompetent mit Kunden in Kontakt zu treten. Das gilt auch fĂŒr viele andere CRM-Systeme.
Marketing-Planung an den gegebenen UmstÀnden orientieren
Der beste Plan ist nichts wert, wenn sich die UmstĂ€nde radikal verĂ€ndern. B2B-Unternehmen sollten ihre Marketing-PlĂ€ne jetzt herausnehmen und der Situation angemessen ĂŒberarbeiten. Der Fokus liegt darauf, funktionierende Lead-Generatoren zu erhalten und zu stĂ€rken. Budget und Ressourcen fliessen in KanĂ€le, die nachweislich Leads bringen. Diese Anpassungen mĂŒssen regelmĂ€ssig auf ihren Erfolg geprĂŒft werden â keine Ănderung darf statisch bleiben. Das Marketing muss in volatilen Zeiten flexibel reagieren können.
Das perfekte Tool bleibt auch in diesen Zeiten LinkedIn, wenn es um B2B-Vertrieb und Online-Marketing geht. Mit Lead-Gen-Forms lassen sich hochwertige Kontakte generieren, indem der passenden Zielgruppe passgenaue Inhalte angeboten werden. Damit das Targeting funktioniert, gibt es den LinkedIn Sales Navigator â er stellt sicher, dass das Marketing wirklich nur die richtige Zielgruppe erreicht.
Mit Google, Twitter und Co. klassische KanÀle richtig nutzen
Auch jetzt sollte auf die klassischen KanĂ€le gesetzt werden: Google Ads, Twitter, Bing. Die Menschen verbringen in diesen Zeiten nicht weniger Zeit damit, im Internet nach Informationen zu suchen â wichtige Kontakte lassen sich weiterhin knĂŒpfen. WĂ€hrend die VorzĂŒge von Google Ads weithin bekannt sind, werden Twitter und Bing oft unterschĂ€tzt. Bing ist eine sinnvolle ErgĂ€nzung, wenn die Google-Plattformen weitgehend ausgeschöpft sind. Twitter ermöglicht es, sich mit gezieltem Content in laufende Diskussionen ĂŒber die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise einzuklinken. Auch das Retargeting lohnt einen neuen Blick: Wer schon einmal auf der eigenen Unternehmensseite war, sich aber nicht weiter mit dem Produkt beschĂ€ftigt hat, kann mit gezielter Werbung erneut angesprochen werden.
Content-Marketing neu aufstellen
Alle PlĂ€ne, die fĂŒr das Content-Marketing 2020 in der Schublade liegen, dĂŒrfen dort bleiben. Wer jetzt zeigt, dass er ansprechende Lösungen prĂ€sentiert und auch unter kritischen Bedingungen ein verlĂ€sslicher Partner ist, profitiert nachhaltig. Inhalte darĂŒber, wie sich die Zielbranchen unter den gegebenen UmstĂ€nden entwickeln, Lösungsmodelle fĂŒr aktuelle Schwierigkeiten oder virtuelle Alternativen fĂŒr abgesagte On-site-Events â das ist der Content, der die Zielgruppe jetzt wirklich erreicht. Ein Webinar, das wichtige Fragen klĂ€rt und zugleich aufzeigt, welche Lösungen bereitstehen, zieht Aufmerksamkeit auf sich. Die Lead-Generierung steht dabei zunĂ€chst im Hintergrund â wirklich wertvolle Informationen kommen zuerst. Produkt-Experten, Kundenservice und Vertrieb können hier besonders gut Input geben. Sie kennen die echten Painpoints der Zielgruppe am besten.
Der Sales-Pitch funktioniert auch digital
Das persönliche GesprĂ€ch ist in vielen Branchen die Grundlage fĂŒr ein gelungenes Sales-Konzept. Die Corona-Krise grĂ€tscht direkt ins laufende GeschĂ€ft. Wenn persönliche Begegnungen zu vermeiden sind, muss das Sales-GesprĂ€ch digitalisiert werden. Technisch ging diese Umstellung bei den meisten Unternehmen schnell â Video-Konferenztools wie Google Meet, Zoom oder Microsoft Teams waren meist ohnehin schon in Verwendung, wenn auch bisher mehrheitlich fĂŒr interne Kommunikation. Das digitale Kundenerlebnis muss neu gedacht werden. Schon viel Entgegenkommen zeigt, wer sich beim Video-Tool auf den Standard des Kunden einlĂ€sst und nicht auf die eigene Software besteht. Entscheidend bleibt, den Sales-Pitch in die digitale Welt zu ĂŒbertragen, ohne dass die StĂ€rken des Produkts und der PrĂ€sentation verloren gehen.
Ist-Analyse als Grundlage der Umsetzung
All diese Konzepte setzen voraus, dass Marketing- und Sales-Strukturen ausfĂŒhrlich analysiert und Anpassungspotenziale identifiziert werden. Die stĂ€rksten KanĂ€le mĂŒssen klar benannt sein. Dabei ist zu berĂŒcksichtigen, dass wichtige KanĂ€le in der aktuellen Situation wegfallen â Messen oder der persönliche Aussendienstbesuch sind derzeit nicht möglich. Das bedeutet einerseits, dass fest eingeplante Leads fehlen. Andererseits werden Ressourcen frei: Personal, das in diesen Bereichen nicht mehr eingesetzt wird, und Budget, das nun an anderer Stelle produktiv genutzt werden kann. Ein Blick auf bisher ungenutzte KanĂ€le lohnt sich. Wenn klassische Strukturen wegbrechen, bergen alternative KanĂ€le oft neue Chancen.
Was aus diesen Ăberlegungen folgt
Die Krisensituation macht Prognosen unmöglich â der Wirtschaftseinbruch bringt unabsehbare Folgen. Trotzdem bleiben Wege, weiterzuarbeiten und Sales und Marketing nicht einfach einzustellen. Das funktioniert nur, wenn bestehende Strukturen schonungslos analysiert und flexibel angepasst werden. Und: In dieser Zeit wird die Grundlage fĂŒr das Wachstum nach der Corona-Krise gelegt.