Bist du beim Online-Shopping oder auf der Suche nach deinem nÀchsten Reiseziel auch schon einmal auf Fake Bewertungen gestossen? Das Thema rund um Fakes bei Rezensionen nimmt immer grössere Gestalt an. Stiftung Warentest, Amazon und sogar die Politik reagieren nun mit konkreten Massnahmen.
Fake Bewertungen kursieren ĂŒberall
Im Internet kann man nahezu alles kaufen â nicht nur Produkte oder Dienstleistungen ĂŒber Webshops und Online-MarktplĂ€tze. Die leider nicht mehr ganz so neue Ware, mit der wir uns heute beschĂ€ftigen, heisst Bewertung, auch als Rezension bekannt.
Sogenannte Fake Bewertungen begegnen uns seit geraumer Zeit nahezu ĂŒberall im Netz. Viele Anbieter veröffentlichen auf ihren Webseiten und Shops Kundenstimmen, um das Einkaufserlebnis zu verbessern. Im Normalfall verfasst ein Kunde, der eine Ware gekauft oder eine Dienstleistung bezogen hat, diese Rezension selbst.
Je mehr positive Bewertungen ein VerkĂ€ufer hat, desto höher fallen die zukĂŒnftigen Absatzzahlen aus. Viele Kunden schauen vor dem Kauf genau hin, ob ein Produkt gut bewertet wurde â dasselbe gilt fĂŒr Hotel-Buchungen und unzĂ€hlige weitere Beispiele.
Agenturen entlohnen fĂŒr Fake Bewertungen
Stiftung Warentest ging verdeckt vor und analysierte ĂŒber mehrere Monate Produktrezensionen bei verschiedenen Online-Anbietern. Die gemeinnĂŒtzige Organisation registrierte sich bei Internetagenturen als Verfasserin von Bewertungen. Der Beruf des Produkttesters existiert tatsĂ€chlich: Tester erhalten Waren vorab, probieren sie aus und schreiben anschliessend eine Rezension.
An diesem Vorgehen ist nichts Verwerfliches. Allerdings zeigte der verdeckte Einsatz von Stiftung Warentest, dass besagte Agenturen den Verfasser oft nur dann entlohnen, wenn die Bewertung positiv ausfĂ€llt. Bei einer schlechteren Note bittet man darum, die Rezension zu ĂŒberdenken â und anzupassen. Dies war in 63 Prozent der mit durchschnittlicher GĂŒte bewerteten Waren der Fall.
Fake Bewertungen auch bei Amazon keine Seltenheit
Wie die Financial Times berichtete, waren 20.000 Bewertungen auf Amazon fĂŒr einzelne Produkte schlicht gefĂ€lscht. Amazon löschte diese Rezensionen, weil der Verdacht bestand, dass Agenturen oder HĂ€ndler selbst dafĂŒr bezahlt hatten.
Ein sogenannter Top-Rezensent bezog und bewertete bei Amazon in England Waren im Wert von 15.000 Pfund. Er bestreitet vehement, dass es sich dabei um Fake Bewertungen handelte â theoretisch könnte es sich ebenso um einen Spitzenverdiener handeln, der exzessiv online shoppt.
Amazon erklĂ€rt, grundsĂ€tzlich strikt gegen Fakes vorzugehen. Genaue Zahlen zur HĂ€ufigkeit fehlen, doch auch fĂŒr das hauseigene Testprogramm Amazon Vine gelten strenge Richtlinien. Amazon sieht sich in der Lage, Fakes zu erkennen und zu entscheiden, wann ein Produkttester als vertrauenswĂŒrdig gilt.
Die Strafbarkeit gekaufter „Likes“
Fake Bewertungen sind nur eine von vielen Betrugsmaschen, um Absatzzahlen auf unerlaubte Weise zu steigern. Neben gefĂ€lschten Rezensionen werden auch falsche Follower zum Kauf angeboten. Eine weitere Masche: HĂ€ndler beanspruchen bekannte Influencer fĂŒr sich, ohne dass tatsĂ€chlich eine Zusammenarbeit besteht.
Doch wie sieht es mit der Strafbarkeit von Fake Bewertungen aus? Wir haben einige einschlĂ€gige Gesetze geprĂŒft.
Fake Bewertungen sind potenziell Verleumdung
FĂŒndig wurden wir im deutschen Strafgesetzbuch (StGB). Sofern es sich bei jedweder Aussage um die Unwahrheit handelt, greift § 187 StGB â der Tatbestand der Verleumdung. Auch § 263 kommt potenziell zur Anwendung, insofern die gefĂ€lschte Bewertung eine TĂ€uschungshandlung unter Erregung einer Fehlvorstellung darstellt.
Fake Bewertungen sind unlauterer Wettbewerb
Das deutsche Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) bezieht ebenfalls Stellung zu Fake Bewertungen. Der vierte Paragraph regelt unter anderem den Mitbewerberschutz. Wurden negative gefÀlschte Rezensionen von der Konkurrenz in Auftrag gegeben, sind sie strafbar.
Politik strebt besseren Verbraucherschutz an
Die EU-Kommission arbeitet seit Jahren daran, den Verbraucherschutz auszubauen. Der New Deal for Consumers wurde 2018 vorgestellt und brachte einige wesentliche GesetzesÀnderungen: Sammelklagen, Anpassungen des Widerrufsrechts und Regelungen zur Transparenz.
Besonders die Regelungen zur Transparenz könnten bei Fake Bewertungen kĂŒnftig stĂ€rker greifen. Anbieter sind danach verpflichtet, kenntlich zu machen, ob es sich bei Angeboten und Anzeigen um kommerzielle oder private Varianten handelt. Auch Kriterien wie Entgelte fĂŒr Bewertungen und deren Echtheit sind kĂŒnftig relevant.
Bis Plattformen wie Amazon gesetzlich dazu verpflichtet sind, Bewertungen vor Veröffentlichung gegenzuprĂŒfen, wird noch einige Zeit vergehen â fĂŒr alle neuen Regelungen des Deal for Consumers gilt eine Ăbergangsfrist von zwei Jahren.
Der Verlag fĂŒr Rechtsjournalismus hat kĂŒrzlich einen Ratgeber-Artikel mit weiterfĂŒhrenden Fragen aktualisiert:
- Fake-Bewertung im Internet erkennen: Was können Betroffene tun?
- Fake-Bewertungen erkennen: Tipps & Tricks
- Was sollen diese Fake-Bewertungen eigentlich?
- Können Fake-Bewertungen auch strafbar sein?
Mehr Informationen dazu findest du auf anwalt.org